Politik | 26.02.2019

Infoabend in Maria Laach zur Pfarrei der Zukunft

Die nächsten Schritte gehen

Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg referierte vor rund 130 Zuhörern über die künftigen Strukturen und mögliche Aufgaben der örtlichen Gremien. Foto: Bistum Trier/Julia Fröder

Glees. „Es ist nicht das Anliegen der Synode, Ehrenamt zu zerstören“ und „Es wird weiterhin sonntags Eucharistiefeiern geben“, hat der Trierer Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg bei einer Infoveranstaltung betont und somit gleich einige Vorurteile ausgeräumt. Mehr als 130 Personen waren nach Maria Laach gekommen, um sich über die Synodenumsetzung zu informieren. Bei dieser Veranstaltung waren insbesondere die Ehrenamtlichen eingeladen, die Gremien der Pfarreien angehören.

Das Dekanat Remagen-Brohltal wird am 1. Januar 2020 als Pfarrei der Zukunft im Bistum Trier starten. Damit gehen einige Veränderungen einher, die an diesem Abend vorgestellt und diskutiert wurden.

Eine Zuhörerin äußerte Bedenken, dass viele Mandatsträger aus Protest gegen die Synodenumsetzung ihre Ämter niederlegen werden, und ein weiterer Gast berichtete davon, dass sich vielleicht weniger Engagierte finden, wenn die eigene Heimatpfarrei so nicht mehr besteht. Weihbischof Jörg Michael Peters bedankte sich für die zeitintensive Arbeit der Ehrenamtlichen und ermunterte: „Ihr Engagement ist auch in der nächsten Zeit sehr erforderlich.“ Er weiß, dass sich weniger Menschen für Räte finden, „aber es gibt noch hochmotivierte Menschen, die sich für Kirche einsetzen“.

Neben kritischen Stimmen gab es auch hoffnungsvolle Rückmeldungen. „Wir haben eine Chance, ein leeres Feld“, sah ein Besucher die Umsetzung der Synodenergebnisse als positive Bewegung. Ein Mitstreiter fügte hinzu: „Wir dürfen nicht den Fehler machen und das alte Bild der Pfarrei auf die neue übertragen“. Es sei ein neues Selbstbewusstsein der Gläubigen gefragt, selbst Orte von Kirche zu entwickeln. Dabei könne es sich um Kindergärten, Ökumene-Kreise, Chöre, Krankenhäuser, Messdienergruppen und Nachbarschaftshilfen handeln. In dem neuen Gremium der Synodalversammlung erhalten diese Orte eine eigene Gewichtung, denn Personen aus diesen Orten finden sich in der Synodalversammlung wieder.

Pastoral soll gestärkt werden

„Es wird zu viel über Vermögen gesprochen, das Pastorale muss mehr betont werden. Denn wir sind die Hände und Füße Gottes, um seine Liebe auf Erden auszudrücken“, führte ein Teilnehmer an. Die Pastoral soll unter anderem auch dadurch gestärkt werden, dass zukünftig ein leitender Pfarrer Verwaltungsaufgaben gemeinsam mit einem Leitungsteam übernimmt. Die verbleibenden Pfarrer in der jeweiligen Pfarrei haben dann mehr Zeit für Seelsorge. Generalvikar Plettenberg kennt aus eigener Erfahrung die Masse an Verwaltungsaufgaben. Er war selbst sechs Jahre Pfarrer im Saarland und hatte etwa ein Drittel seiner Zeit mit Verwaltungstätigkeiten verbringen müssen. „Das muss in Zukunft nicht mehr sein.“

Beim Infoabend ging es auch um andere konkrete Fragen: „Bei einer Wort-Gottes-Feier wird ein Organist benötigt. Geht das überhaupt noch?“ „Die Orte von Kirchen können in Verhandlungen mit dem Leitungsteam gehen und somit ein Budget für den Musiker erhalten“, erklärte Plettenberg. Die Vermögensverwaltung wird in Zukunft nicht mehr von Verwaltungsräten koordiniert. Es wird Verwaltungsteams geben. Die Verantwortlichen von Seiten des Bistums laden die jetzigen Verwaltungsräte dazu ein, sich in diesen Teams, die mit einem eigenen Budget ausgestattet werden, zu engagieren. Sie übernehmen operative Aufgaben wie die Bewirtschaftung von Gebäuden, Verpachtung oder Renovierung. Einen Verwaltungsausschuss wird es ebenfalls verpflichtend innerhalb des Rats der Pfarrei geben. Der Ausschuss kümmert sich etwa um den Jahresabschluss oder den Haushaltsplan. Die Synodalversammlung, die mindestens einmal im Jahr tagen soll, wählt zehn Mitglieder für den Rat der Pfarrei.

Doch wie lässt sich der Übergang gestalten? „Die neue Kirchengemeinde übernimmt eins zu eins alle Rechten und Pflichten der alten Kirchengemeinde, dazu zählt beispielsweise auch das Personal“, so der Generalvikar. Es wird im Bistum keine Zeit ohne Gremien geben, da sie eine wichtige Errungenschaft der Mitbestimmung und der Beteiligung sind.

Positive Erfahrungen

Schon jetzt sind auch alle Gremienmitglieder dazu aufgerufen, eine Bestandsaufnahme von Orten von Kirche zu machen. Dechant Achim Thieser zeigte, dass die Umsetzung der Synode im Dekanat Remagen-Brohltal schon längst begonnen hat: „Die Kommunion- und Firmvorbereitung haben wir gemeinsam in der neuen Raumgröße durchgeführt, und das ist super angekommen“, berichtete er aus der Praxis. Zudem gebe es einen weiteren Arbeitskreis aus Haupt- und Ehrenamtlichen, der sich um die Organisation von Gottesdiensten kümmert. „Die Menschen sind begeistert, wenn wir neue Wege durch andere Gottesdienstformen gehen.“ Heike Kaldenbach vom Verwaltungsrat in Burgbrohl bestätigte das: „Es macht richtig Spaß, dahin zu gehen.“ In diesem Bereich wird sie sich auch in Zukunft engagieren. „Es gibt so tolle Möglichkeiten, was zu machen; ich freue mich schon drauf.“ Einen Verbesserungsbedarf sah sie allerdings in der Kommunikation und in der Vernetzung.

Dr. Peter Ockenfels aus dem Pfarrgemeinderat Kripp ist Lektor und Kommunionhelfer. Er wird sich auch weiterhin engagieren „Ich kann mir gut vorstellen, dass ich weiterhin in der Firmbegleitung und im Liturgieausschuss arbeiten werde, aber möglicherweise auch in einem koordinierenden Gremium.“

Die bisherigen Räte gibt es bald nicht mehr, „aber Ihr Engagement muss sich nicht in Luft auflösen“, erklärte der Generalvikar. „Das Gehörte bleibt nicht ohne Wirkung. Helfen Sie uns mit, dass wir auch die nächsten Schritte gut gehen können“, schließt Weihbischof Peters die Veranstaltung.

Pressemitteilung

des Bistums Trier

Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg referierte vor rund 130 Zuhörern über die künftigen Strukturen und mögliche Aufgaben der örtlichen Gremien. Foto: Bistum Trier/Julia Fröder

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