Politik | 25.02.2026

Redaktionsgespräch im Krupp-Medienzentrum

Drei Kandidaten – Remagen wählt neuen Bürgermeister

Drei Kandidaten besuchten Susanne Tack (r) zum Redaktionsgespräch in Sinzig (v.l.): Rita Schäfer (Freie Bürgerliste, FBL), Björn Ingendahl (parteilos) und Matteo Pedicillo (AfD).

Remagen. Remagen wählt am 22. März einen neuen Bürgermeister – oder eine neue Bürgermeisterin, denn neben Amtsinhaber Björn Ingendahl (parteilos) tritt auch seine derzeitige Beigeordnete Rita Schäfer (Freie Bürgerliste, FBL) an. Der dritte Kandidat ist Matteo Pedicillo (AfD). Im Redaktionsgespräch mit Krupp-Geschäftsführerin Susanne Tack sollten die Politiker darlegen, wie sie als Chefs im Rathaus die kommenden acht Jahre agieren wollen.

Wer will da eigentlich zum Bürgermeister gewählt werden? Susanne Tack bittet ihre Gäste, sich erst einmal kurz vorzustellen. Rita Schäfer ist 54 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder. Im Alter von 16, berichtet Schäfer, kam sie aus dem Iran nach Deutschland. Nach dem Abitur 1993 ließ sich zur medizinisch-technischen Laborassistentin ausbilden, studierte Medizin, arbeitete in der Pharmaindustrie. Rita Schäfer schrieb ein Buch. Ihr politisches Engagement startete im Ortsbeirat, seit 2024 ist sie Beigeordnete der Stadt Remagen.

Der 1980 geborene Amtsinhaber Björn Ingendahl, ist verheiratet und hat einen Sohn. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften ging der Dipl.-Ökonom zunächst nach Brüssel und arbeitete anschließend zehn Jahre lang im Bundesumweltministerium. Nach Jahren internationaler Erfahrungen, kam er schließlich zur Kommunalpolitik und wurde 2018 erstmals Bürgermeister der Stadt Remagen. Da sagt er, hat er „wahnsinnig viele Gestaltungsmöglichkeiten. Man sieht, was man umgesetzt hat.“

Der 38-jährige Matteo Pedicillo ist verheiratet und hat einen Sohn. Nach seiner Ausbildung zum Industriemechaniker absolvierte er eine weitere Ausbildung in der IT und ist seither auf Cloud-Computing und Prozessoptimierung spezialisiert. Diese Erfahrungen will der Sohn eines Gastronomen nach eigener Aussage zur Entbürokratisierung der Verwaltung nutzen.

Nach Krankenhausschließung: „Ohne finanzielle Hilfe geht es nicht“

„Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage in Remagen?“ Als er vor acht Jahren das Amt übernahm, so Björn Ingendahl, habe es bei der öffentlichen Infrastruktur einen „großen Nachholbedarf gegeben. „Öffentliche Gebäude waren energetisch in einem sehr schlechten Zustand“. Bis heute sei man „nicht so weit, wie wir gerne wären“ - die Verfahren bremsten die Vorhaben sehr, begründet er dies. Ein ganz großes Vorhabe ist die Sanierung des Schwimmbads, zählt er auf, die einen zweistelligen Millionenbetrag braucht, die aber viel zur Lebensqualität der Remagener Bürgerinnen und Bürger beitrage. Dass das Krankenhaus schließen musste, sei „eine Katastrophe“. Es liefen Gespräche, doch „ohne finanzielle Hilfe geht es nicht. Wir brauchen da was.“

Bei den Kindergärten habe man „viel geschafft“ und einen Platz für jedes Kind ab zwei Jahren geschaffen. Bei der Straßeninfrastruktur sieht Ingendahl „Nachholbedarf“, doch langwierige Genehmigungen bremsten Vorhaben.

Pedicillo: Remagen braucht mehr Parkplätze

Matteo Pedicillo wünscht sich mehr Bürgerbeteiligung mit Hilfe digitaler Möglichkeiten. Bei der Schließung des Krankenhauses hätte er sich mehr Engagement des Rates gewünscht, um etwa wie in Bingen und Alzey geschehen, eine Rekommunalisierung auszuloten. Die Zahl der Parkplätze in Remagen, will der AfD-Kandidat etwa durch ein Parkhaus an Stelle des alten Postgebäudes ändern. Damit werde der Tourismus angekurbelt, ist er sicher. Er moniert den Leerstand in der Stadt.

Schäfer: Nicht nur Infrastruktur, auch Gemeinschaft fördern

„Remagen ist eine wunderschöne Stadt mit sehr viel Potenzial“, sagt Rita Schäfer, Sie wünscht sich jedoch, dass nicht nur die Infrastruktur, sondern auch die Gemeinschaft mehr gefördert werde. An Kreis und Land richtet sie den Vorwurf, Remagen werde „von allen Seiten zerquetscht“, Geld gehe noch immer in von der Ahrflut betroffene Gemeinden. Sie wünscht sich mehr Sicherheit in der Stadt, die Unterführung der B9 werde auch tagsüber nicht genutzt, es brauche einen Übergang. Leerstände in der Bahnhofstraße hätten zur Folge, dass Menschen lieber gleich nach Sinzig führen als in Remagen einzukaufen.

Eine Kommune muss Geld einnehmen, um sich zu entwickeln. Dazu braucht es einen attraktiven Standort. Susanne Tack: „Wie beurteilen Sie den Wirtschafts- und Tourismusstandort Remagen?“ Matteo Pedicillo antwortet, er kannte Remagen und die Ortsteile aus früheren Zeiten anders. Die Lage der Stadt sei „wundervoll für den Tourismus“. Dazu müsse man sie auch entsprechend gestalten. Für ihn steht an „Top 1“ daher: Parkplätze müssen her. Schließlich müsse Gewerbe hingebracht werden.

Remagen als touristische Stadt, so Rita Schäfer, brauche Sanierungen als „Basis“, Sauberkeit und ein Hotel. Man benötige „Aufhänger für Touristen“, müsse auch Familien etwas anbieten, Radwege ausbauen. Aber sie weiß: „Das braucht alles Geld.“

Ingendahl: Steuereinnahmen durch soliden Mittelstand

Bürgermeister Björn Ingendahl sieht das naturgemäß etwas anders. Beim Tourismus sei die Stadt aus einem „sehr guten Weg“, was die Zahlen belegen würden. Er nennt das Vermittlungszentrum Limes als weiteren touristischen Baustein. Mit einem neuen Maskottchen würden gezielt auch Kinder angesprochen, ebenso wie mit einem Spielplatzumbau zum Römerspielplatz. Er will nicht nur die Fahrt mit dem Auto erleichtern, sondern auch den ÖPNV und die Radwege fördern; beim Radwegeausbau sei „noch was nachzuholen“.

Der Gewerbepark, so Ingendahl ist komplett belegt. Die Steuereinnahmen gingen branchenbedingt zurück. „Der solide Mittelstand, die tragen uns.“ Den Leerstand sieht er anders als seine Kontrahenten: Mit fünf Prozent Leerstand liege man besser als die Bonner Innenstadt. Die Verwaltung tue alles, um dem Onlinehandel, der ein Ausbluten des stationären Handels verursacht, etwas entgegenzusetzen. Ein Parkplatzproblem sieht er nicht. Die Realisierung einer Querungshilfe auf Höhe Bahnhof liegt mal wieder am zuständigen Landesbetrieb. Kurzum: „Gesetzliche Vorgaben binden Verwaltungschefs oft die Hände.“

„Kompetente Leute in der Verwaltung“

Wie sehen die Kandidaten die Verwaltung aufgestellt, will Susanne Tack wissen. „Wie ist die finanzielle, wie personelle Situation?“ Die Verwaltung sei „sehr gut aufgestellt“, sagt die Beigeordnete Rita Schäfer. Sie freut sich über „kompetente Leute in der Verwaltung“, die „Fragen sehr gut beantworten“.

Vor acht Jahren habe er eine „verstaubte Verwaltung“ vorgefunden, sagt Björn Ingendahl. In den letzten Jahren wurde „massiv“ Personal aufgebaut (aktuell 75 in der Kernverwaltung). Mit der verjüngten Mannschaft sei man schnell mit der Digitalisierung gestartet. Allerdings wolle man mehr als der Dienstleister könne. Daher gebe es Überlegungen im Kreis, dies in Eigenregie mit einem eigenen Rechenzentrum zu tun. Dazu gehöre dann auch die Nutzung von KI zur Optimierung der Prozesse.

Digitalisierung ist „mein Thema“, sagt der IT-ler Matteo Pedicillo. Er kenne sich durch seine beruflichen Erfahrungen aus in der Prozessoptimierung und im Einsatz von KI. Daher wolle er als Bürgermeister die Digitalisierung „zur Chefsache“ machen.

Wie sieht Remagen in acht Jahren mit Ihnen an der Spitze aus?

Susanne Tack bittet zum Abschluss des Gesprächs um ein kurzes Statement. „Wie sieht die Stadt nach acht Jahren unter Ihnen als Bürgermeister, als Bürgermeisterin aus?“

Björn Ingendahl: „Mein Wunsch ist, dass wir als Gemeinschaft noch enger zusammenwachsen in Remagen und dass sich die Menschen nicht nur wohlfühlen, sondern dass sie das einander auch zeigen können.“ Ihn schmerze, dass die Menschen seit Corona „weniger gut miteinander umgehen“. Dazu möchte er, dass die Kommune das beisteuert, was eine Kommune tun kann, Rahmenbedingungen schaffen, Orte schaffen. Man solle sich keine Gedanken machen, ob man einen Kindergartenplatz hat, wie man von A nach B kommt, ob das Kind auf dem Rad sicher unterwegs sein kann. Die Menschen sollen sich darauf konzentrieren können, ein gutes Leben miteinander führen zu können.

Matteo Pedicillo macht es kurz: „Make Remagen great again, wir machen Remagen großartig.“

In acht Jahren sollen die Menschen sagen, beginnt Rita Schäfer, „Mensch, das haben wir geschafft, wir haben eine nahe Patientenversorgung, wir können besser miteinander als Gemeinschaft - die Menschen sollen die Stadt als Gemeinschaft sehen, nicht als einen „Ort irgendwo“. Sie wünscht sich, „dass wir alle stolz auf unsere Stadt sind und alles gemeinsam denken“. Am Ende solle man sagen können: „Das war eine gute Amtszeit, wir haben vieles geschafft.“wpa

Drei Kandidaten besuchten Susanne Tack (r) zum Redaktionsgespräch in Sinzig (v.l.): Rita Schäfer (Freie Bürgerliste, FBL), Björn Ingendahl (parteilos) und Matteo Pedicillo (AfD). Foto: wpa

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Kommentare
02.03.202614:24 Uhr
Jörg Schneider

Sehr interessanter Artikel, danke dafür.
Allerdings ist hier eine Richtigstellung notwendig. Frau Schäfer ist zwar Mitglied der freien Bürgerliste, ist aber nicht von dieser als Bürgermeisterkanidatin nominiert worden. Dies führt aus meiner Sicht zu Verwirrung.

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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