Politik | 17.03.2020, 13:55 Uhr

Kreis Ahrweiler kümmert sich um seine Senioren

Gemeindeschwestern plus sollen sich bei ihrer Klientel mit der Notfalldose bekannt machen

Kreis- und Umweltausschuss befürwortet die Anschaffung von 1000 „Notfalldosen“ – Menschen über 80, die nicht pflegebedürftig sind, sollen zu Hause wohnen bleiben können

Kreis Ahrweiler. Der Kreis Ahrweiler hat ein Auge auf seine Senioren, das wurde bei der jüngsten Sitzung des Kreis- und Umweltausschusses einmal mehr deutlich. Zum Start des Projektes „Gemeindeschwester Plus“ sollen in den nächsten Monaten 1000 „Notfalldosen“ an Menschen verteilt werden, die älter als 80 Jahre, aber noch nicht pflegebedürftig sind. Das hatte die CDU beantragt und der Ausschuss schloss sich dem einstimmig an. Zu Beginn des Projekts sei es besonders wichtig, dass die künftig insgesamt vier „Gemeindeschwestern plus“ persönlich mit den Senioren in ihrem jeweiligen Bereich in Kontakt kommen, begründete die CDU ihren Vorstoß. Als niedrigschwelliges Angebot habe sich hier in anderen Kommunen die „Notfalldose“ bewährt. Dabei handelt es sich um eine runde Kunststoffdose, in der sich ein Informationsblatt mit allen im Notfall wichtigen Angaben befindet, wie etwa die persönlichen Daten, Vorerkrankungen, Medikamente, nächste Angehörige oder der Aufbewahrungsort der Patientenverfügung.

Notfalldose wird im Kühlschrank deponiert

Diese Dose werde im Kühlschrank deponiert, da dieser immer leicht zu finden und offen sei, erläuterte Fachbereichsleiterin Siglinde Hornbach-Beckers. So könne im Ernstfall unnötiges Suchen vermieden und wichtige Zeit gewonnen werden. Zusätzlich enthalte das Set zwei Aufkleber, die innen an der Haustür sowie am Kühlschrank angebracht werden sollen, damit der Rettungsdienst die Dose auch gleich findet. Die vier „Gemeindeschwestern plus“, die nun ihren Dienst aufnehmen werden, sollen die Notfalldosen sowohl bei einem Hausbesuch an die Senioren aushändigen oder sie im Rahmen von Informationsveranstaltungen vorstellen. Mit diesem niedrigschwelligen Angebot könnten sich die neuen „Gemeindeschwestern plus“ gleich bei ihrer künftigen Klientel bekannt machen. Zum Hintergrund: Der Kreis Ahrweiler hatte im Herbst 2019 als eine von zwölf Kommunen den Zuschlag für die Teilnahme am Landesprojekt „Gemeindeschwester plus“ erhalten. Das kostenlose Beratungsangebot richtet sich an Menschen, die älter als 80 Jahre, aber noch nicht pflegebedürftig sind. Ziel des Projekts ist es, den hochbetagten Menschen möglichst lange ein selbstständiges Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Die „Gemeindeschwester plus“ unterstützt und berät diese Menschen bei Hausbesuchen beispielsweise zur sozialen Teilhabe oder zu Maßnahmen der Gesundheitsförderung und vermittelt darüber hinaus Kontakte zu entsprechenden Angeboten. Zudem soll sie die soziale Infrastruktur für Hochbetagte weiterentwickeln und eigene bedarfsgerechte Angebote initiieren.

Zwei von vier Stellen sind bereits besetzt

Mit dem Land Rheinland-Pfalz sei inzwischen eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen worden, so Fachbereichsleiterin Siglinde Hornbach-Beckers.

Das Projekt werde aus Mitteln des Landes sowie der in Rheinland-Pfalz vertretenen Krankenkassen und Krankenkassenverbände gefördert. Land und die Krankenkassen tragen dabei die Kosten für 1,5 Personalstellen in Höhe von bis zu 90.000 Euro, die Sachkosten trägt der Kreis. Mit den Projektmitteln können zwei „Gemeindeschwestern“ plus mit je einer Dreiviertel-Personalstelle finanziert werden, eine für den Bereich Grafschaft/Bad Neuenahr-Ahrweiler und eine für den Bereich Bad Breisig/Brohltal.

Im Dezember 2019 hatte der Kreistag außerdem beschlossen, das Projekt auf das ganze Kreisgebiet auszuweiten und die Kosten hierfür aus Kreismitteln selbst zu übernehmen.

Für weitere 1,5 Stellen wurden Mittel im Haushalt des Gesundheitsamtes eingestellt, sodass auch in den Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr sowie den Städten Remagen und Sinzig je eine Dreiviertel-Personalstelle für eine „Gemeindeschwester plus“ zur Verfügung steht. Diese werden jedoch nicht direkt beim Kreis, sondern bei Anstellungsträgern angestellt. Anstellungsträger für die Gemeinde Grafschaft und die Stadt Bad Neuenahr- Ahrweiler ist der Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr, hier hat Ingrid Neubusch bereits zum 1. Februar 2020 ihre Tätigkeit aufgenommen. Für Remagen/Sinzig und Bad Breisig/Brohltal ist das Deutsche Rote Kreuz Anstellungsträger, hier hat zum 1. März Sabine Kröll den Dienst für die Verbandsgemeinden Bad Breisig und Brohltal angetreten.

Für den Bereich der Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr führe die Verwaltung zurzeit noch Gespräche mit dem Zweckverband Sozialstation Adenau-Altenahr, der als Anstellungsträger vorgesehen sei. Die anderen beiden Stellen sollen ebenfalls zeitnah besetzt werden.

JOST

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