Die Ahrtal-Gemeinde fühlt sich verkehrstechnisch abgehängt
Heimatcheck: Was wird aus dem ÖPNV in Marienthal?
Marienthal. Wie geht es weiter mit dem ÖPNV im Ahrtal, konkret in Marienthal? Dies ist das Thema des aktuellen „Heimatchecks“ von BLICK aktuell und der Wunsch einiger Marienthaler. So ist der Ist-Zustand: Nach der Flutkatastrophe wurde die Ortsgemeinde Marienthal zunächst im Rahmen des Schienenersatzverkehrs der Deutschen Bahn halbstündlich mit Bussen bedient. Mit der Wiederaufnahme des regulären Bahnverkehrs auf der Ahrstrecke endete jedoch dieser Ersatzverkehr, und seit dem 14. Dezember 2025 verfügt Marienthal nur noch über eine stark eingeschränkte Anbindung im Rahmen des Schülerverkehrs: morgens in Richtung Ahrweiler und mittags zurück. An Wochenenden sowie während der Ferienzeiten besteht keinerlei Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr.
Von dieser Situation sind nicht nur die rund 100 Einwohnerinnen und Einwohner des Ortes betroffen, sondern insbesondere auch Tagestouristen und Übernachtungsgäste im Ahrtal. Der touristische Anziehungspunkt Kloster Marienthal, Start- und Zielpunkt zahlreicher Wanderungen, ist damit faktisch nur noch mit dem Auto oder zu Fuß erreichbar. Dies führt zu steigenden Verkehrszahlen innerhalb der Ortslage und erhöht den Druck auf die Infrastruktur.
Eine Prüfung durch den Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV Nord) hat ergeben, dass die Einrichtung eines Bahnhaltepunktes in Marienthal wirtschaftlich sinnvoll wäre. Bis zur Realisierung eines solchen Haltepunkts wird jedoch noch erhebliche Zeit vergehen. Besonders bei Großveranstaltungen wie dem Weinfrühling, dem Weinherbst, dem Musikfestival im Juni, dem Winzerfest und dem Martinsmarkt in Dernau sowie den Weihnachtsmärkten in Marienthal steigt das Besucheraufkommen im mittleren Ahrtal deutlich. Marienthal fungiert hierbei häufig als Startpunkt für Anreisende aus Richtung Ahrweiler. Ohne eine funktionierende ÖPNV-Anbindung ist weder eine Entlastung des PKW-Verkehrs noch eine sinnvoll gesteuerte Parksituation zu erwarten - so lautet die Befürchtung im Ort. Aber lohnt sich das auch?
Das sagt die Kreisverwaltung
Die Kreisverwaltung Ahrweiler bewertet die Verkehrssituation wie folgt: Für die Straßenverkehrsbehörde liegen bislang keine belastbaren Zahlen zum Verkehrsaufkommen in Marienthal vor. Eine genaue Einschätzung wäre nur durch eine Verkehrszählung über den Landesbetrieb Mobilität möglich.
Hinsichtlich der Busanbindung verweist die Verwaltung darauf, dass mit der Wiederinbetriebnahme der Ahrtalbahn der Bahnhof Dernau in Richtung Marienthal verschoben wurde. Der Fußweg zwischen Bahnhof und Bushaltestelle Marienthal beträgt 1,2 Kilometer, eine Entfernung, die nach Auffassung der Verwaltung nicht ungewöhnlich sei. Vergleichbare Wege müssen auch Einwohnerinnen und Einwohner von Heimersheim, Mayschoß oder Bachem auf sich nehmen.
Die Frage nach einem möglichen Bahnhaltepunkt in Marienthal wird vom SPNV Nord ernst genommen. In der Arbeitsgruppe ÖPNV der CDU-Fraktion am 20. November 2025 wurde die Thematik behandelt. Der SPNV Nord erklärte, dass die touristische Bedeutung Marienthals bekannt sei und grundsätzliches Interesse an einem neuen Haltepunkt bestehe. Allerdings sei die Erreichbarkeit der Bahn selbst mit der verlegten Station in Dernau weiterhin nicht zufriedenstellend.
Die standardisierte Bewertung nach Bundesrichtlinien berücksichtigt den Faktor Tourismus nicht, weshalb ein hoher Besucherandrang bei Veranstaltungen bislang nicht in Nutzen-Kosten-Untersuchungen einfließt. Außerdem liegen weitere Fördervoraussetzungen vor: Projekte unter zehn Millionen Euro werden nicht über den Gemeinde-Verkehrsfinanzierungsfonds (GVFG) unterstützt, was bei Marienthal derzeit nicht gegeben ist. Die finale Entscheidung über einen Haltepunkt hängt somit von weiteren Prüfungen und Abstimmungen mit dem zuständigen Ministerium ab.
Auf der Ahrtalbahn werden derzeit bis zu vier mögliche Haltepunkte diskutiert: Heppingen, Bad Neuenahr-Ahrweiler Mitte, Marienthal und Pützfeld. Aus Sicht des Kreises ist insbesondere der Haltepunkt Bad Neuenahr-Ahrweiler Mitte relevant für die Schülerbeförderung, da Schülerinnen und Schüler des Peter-Joerres-Gymnasiums so ohne weitere Busverbindungen die Schule erreichen können. Auch Heppingen punktet durch ein deutlich größeres Einzugsgebiet.
Darüber hinaus ist klar, dass zusätzliche Haltepunkte nicht über den Aufbauhilfefonds finanziert werden. Kommunen müssten daher voraussichtlich selbst Zuschüsse zu den Baukosten leisten.
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Mit der Serie Heimatcheck möchte BLICK aktuell genau solche Anliegen aufgreifen: Bürger können ihre Sorgen und Probleme in der Heimatstadt schildern, die Redaktion recherchiert und berichtet über die Reaktionen von Verwaltung und Behörden. Auf diese Weise sollen kleine Ärgernisse und große Herausforderungen gleichermaßen Gehör finden. Schickt uns einfach eine E-Mail an heimatcheck@kruppverlag.de und schreibt uns, wo die Lage vor Ort verbessert werden muss. Wir sammeln eure Ideen und Hinweise, schauen genau hin, haken bei den Verantwortlichen nach und geben euch mit unserer Berichterstattung eine Stimme. ROB
