Politik | 04.09.2017

Andreas Hartenfels MdL zum Thema „Stadtentwicklung“

Keine Schnellschüsse

„Auf Sinzig kommen große Herausforderungen zu“

Eine interessierte Zuhörerschaft hatte sich zum Vortrag von Andreas Hartenfels MdL (2. v.r.) eingefunden.  Privat

Sinzig. Landtagsabgeordneter Andreas Hartenfels stellte bei seinem Besuch in Sinzig klar, dass mehr zu einer intelligenten Stadtentwicklung gehört, als nur neue Baugebiete auszuweisen. Zukünftig kommen auf Sinzig große Herausforderungen zu. „Die Flüchtlinge mildern den Bundestrend nur leicht ab, absolut bleibt es dabei: Wir werden weniger und schnell älter. Entgegen diesem Trend erlebt Sinzig gerade einen leichten Wachstumsschub“. Mit einem Überblick über die aktuelle Bevölkerungsentwicklung in Land, Kreis und Stadt begann der Landtagsabgeordnete Andreas Hartenfels seinen Vortrag zum Thema Stadtentwicklung. „Problematisch wird es, wenn Städte und Gemeinden dann im großen Stil Bauland ausweisen“, so Andreas Hartenfels. Mit seiner jahrzehntelangen Berufspraxis kennt der Abgeordnete die Kaskadeneffekte solcher Schnellschüsse. „Der Knackpunkt ist, dass trotz akuter Anforderungen die Bevölkerung schrumpft. Die Verteilung wird 2030 im Kreis Ahrweiler so sein, dass über 50 Prozent der Bevölkerung über 60 ist“, ergänzt Hartenfels. Die demografische Entwicklung im Kreis spricht deutliche Worte. Abnehmende Bevölkerung bei gleichzeitigem Altern. „Die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, sind erst dann sichtbar, wenn in 10, 15 Jahren die Situation kippt. Dann sind plötzlich die Leerstände da, die Infrastruktur wurde teuer hergestellt“. Immer weniger Menschen müssen dann die Kosten für immer mehr Infrastruktur wie Straßen, Kanäle, etc. tragen.

Qualitatives Wachstum

Doch gibt es intelligentere Möglichkeiten, die nicht nur diesen Entwicklungen vorbeugen, sondern auch ein qualitatives Wachstum für eine Stadt bedeuten, leitete der Abgeordnete zum zweiten Themenkomplex des Abends über. Maßnahmen zur Stadtentwicklung gibt es viele. Einige davon hat der Abgeordnete selbst mitentwickelt. Viele Programme werden mit Landesmitteln gefördert, die jedoch oft ungenutzt bleiben. „Stadtentwicklung ist ein Prozess, den man konsequent betreiben muss. Daran muss man beständig arbeiten“, weiß Andreas Hartenfels. Die Effekte der Bemühungen zeigen sich eben nicht sofort. „Man muss dann zugunsten von Morgen als Bürgermeister auf Fotos beim Spatenstich verzichten können.“ Doch brachte der Abgeordnete auch Beispiele aus Städten mit, in denen Stadtentwicklung funktioniert, wo sich Dörfer neu belebt haben, wo sich eine Stadt qualitativ entwickelt hat. „Das sind auch Städte mit CDU-Bürgermeistern, das möchte ich auch klar sagen. Oft hängt es an Einzelnen, ob Stadtentwicklung passiert oder nicht“. Das Landesförderprogramm „Mehr Mitte Bitte“ ist nur eines der vielen Möglichkeiten, die Andreas Hartenfels an diesem Abend vorstellte. Die Sanierung, Umfunktionierung und Gestaltung des innerstädtischen Bereiches muss Priorität haben. Abgesehen von den positiven Seiteneffekten - Belebung der Innenstädte, soziales Miteinander, Förderung von Kleingewerbe und Dienstleistern - könne so drohendem innerstädtischen Leerstand vorgebeugt werden.

Wichtiges Thema: Verkehrsanbindung

Auch spielt die Verkehrsanbindung eine wichtige Rolle. Der ÖPNV ist dabei besonders in Hinblick auf eine alternde Bevölkerung wichtig. Doch auch für soziale Teilhabe ist ein gesunder ÖPNV von besonderer Bedeutung. „Wenn Jugendliche und junge Erwachsene im ländlichen Raum bleiben, hier Ausbildung machen, einen Beruf ergreifen, später die Häuser ihrer Eltern übernehmen und eigene Familien gründen sollen, dann muss auch daran gearbeitet werden, dass das möglich ist“, wies der Abgeordnete auf den in Teilen Rheinland-Pfalz‘ vernachlässigten ÖPNV hin. „Mit diesen Themen wird sich nur leider immer nur am Rande und auch erst dann befasst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Mit diesen Veranstaltungen versuchen wir, die Wahrnehmung zu schaffen, was Stadtentwicklung überhaupt ist und welche Möglichkeiten es gibt“, so Robert Kolle, Sprecher der Sinziger GRÜNEN und Ratsmitglied. „Die Impulse, die wir hier bekommen, sind wichtig. Wir haben genug davon, dass die Ratsarbeit von außen bestimmt wird. Wir wollen, dass Sinzig sich nach eigenen Vorstellungen entwickelt, nicht nach denen irgendwelcher Investoren“, so Ursula Schwarz, langjähriges Ratsmitglied der GRÜNEN.

Lebhafte Diskussion

Noch lange diskutierte der Abgeordnete mit den Anwesenden Fragen rund um das Thema Stadtentwicklung. „Wichtig ist“, schließt Andreas Hartenfels, „dass es als Grundlage für Rat und Verwaltung notwendig ist, die aktuelle Situation, genau ermittelt zu haben. Dabei ist eine unabhängige, professionelle Begleitung wichtig, die objektiv Handlungsmöglichkeiten aufzeigt. So lässt sich dann auch der Fahrplan für eine intelligente Stadtentwicklung für die kommenden Jahrzehnte aufstellen“.

Pressemitteilung

Bündnis 90/Die Grünen

Ortsverband Sinzig

Eine interessierte Zuhörerschaft hatte sich zum Vortrag von Andreas Hartenfels MdL (2. v.r.) eingefunden. Foto: Privat

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