Politik | 18.07.2023, 12:11 Uhr

Leserbrief: Gedanken ein Jahr nach der Schließung des Gymnasiums Nonnenwerth

Musste es wirklich so kommen?

In wenigen Tagen jährt sich die Schließung des traditionsreichen Gymnasiums auf der Insel Nonnenwerth zum ersten Mal. Dieser Jahrestag weckt zahlreiche Erinnerungen in mir, die ich gerne teilen möchte.

Die plötzliche Vorstellung eines neuen Besitzers und der wahrgenommenen unmittelbaren Nacht-und-Nebel-Abgang der Schwestern haben einen tiefen Eindruck hinterlassen. Angeblich entsprach das Gebäude nicht mehr den Brandschutzbestimmungen, doch regionale Unterstützer durften sich selbst kein Bild davon machen. Stattdessen tauchten Exposés für Luxuswohnungen auf und die Gespräche über die Schließung wurden lauter. Der Investor Peter Soliman tat alles, um „seiner Insel“ eine ungemütliche Atmosphäre zu verleihen.

Eltern und die Schulleiterin wurden von der Insel ausgeschlossen, während Wachhunde und Sicherheitspersonal die Schülerinnen und Schülerbewachten, die eigentlich nur eines wollten: weiterhin an ihrer Schule unterrichtet werden. Trotz aller Widrigkeiten hielten sie zusammen und nutzten jede Sekunde auf der Insel, um das fortzuführen, was ihnen so vertraut war.

Einige mögen sich fragen, warum wir nicht einfach die Schule gewechselt haben. Doch für unsere Kinder war das keine Option. Sie wollten bis zum Ende auf ihrer Wahl-Schule bleiben. Wir unterstützten sie zu 100 Prozent und stehen auch heute voll und ganz hinter ihrer Entscheidung. Es ist ein wichtiges Thema, über das offen gesprochen werden sollte.

Meine Töchter haben sich gut an ihrer neuen Schule eingelebt, leider ohne bilingualem Zweig (den es in unserem direkten Einzugsgebiet so nicht gibt), neue Freunde gefunden und neue Interessen entwickelt. Dennoch denken sie oft an die Zeit auf der Insel zurück, nicht weil wir danach fragen, sondern weil es immer noch zum Nachdenken anregt. Die Erfahrungen und unfassbaren Momente der letzten Monate vor der endgültigen Schließung werden sie nie vergessen.

Besorgniserregend war vor allem, dass die Schwestern, die bis dato immer großen Wert auf ihre traditionelle Schule, ihr Kloster und ihre Insel legten, die Schulgemeinschaft einfach im Stich ließen. Niemand vom Land Rheinland-Pfalz kam, um mit Schülern und Lehrern zu sprechen und ihnen das Gefühl der Unterstützung zu geben. Die zuständigen Behörden haben zur Kenntnis genommen, dass die Schulleiterin die Insel nicht mehr betreten durfte. Sowohl die Bildungsministerin noch die Ministerpräsidentin zeigten mehr als Gleichgültigkeit.

Diejenigen, die sich für die Schulgemeinschaft einsetzten und wichtige Informationen hatten, wurden größtenteils mit Anwaltsschreiben und ähnlichen Maßnahmen zum Schweigen gebracht. Ist das wirklich der Umgang in unserem Land?

Man nahm in Kauf, dass die Kinder aus dem Ahrtal einen weiteren Verlust erlitten und in Containern unterrichtet werden müssen, obwohl es eine renommierte Schule gegeben hätte. Es wurde so getan, als gehöre die Insel mit Ihrem staatllich anerkannten Schulbetrieb nicht zu Rheinland-Pfalz. Dabei wurden weiterhin Fördermittel gezahlt, obwohl das Schicksal der Schule längst besiegelt war. Es gab keine klaren Worte, selbst bei der Abwicklung nicht. Die gesamte Angelegenheit um Nonnenwerth bleibt für uns ein Rätsel, und wir verfolgen die Berichterstattung dazu genau.

Musste es wirklich so kommen? Diese Frage bleibt für uns offen. Letztendlich haben die Schwestern den Stein ins Rollen gebracht und anstatt sich der Schulgemeinschaft anzuvertrauen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, haben sie externen Beratern und einem unbekannten Investor vertraut.

Wir haben Nonnenwerth verlassen, aber wir haben es nicht vergessen. Wir möchten allen Unterstützern herzlich danken, die sich für den Erhalt der Schule eingesetzt haben. Bildung sollte einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben, und es ist bedauerlich zu sehen, wie leichtfertig mit solch bedeutenden Institutionen umgegangen wird. Man sieht sich im Leben bekanntlich immer zweimal. Was das im Rahmen der Causa Nonnenwerth bedeutet, bleibt abzuwarten. Meinen Kindern, ihren Freunden, Klassenkameraden, Lehrern und allen Unterstützern gebührt Dank für ihre bewundernswerte Bewältigung der Situation. Alle Schulen und Gemeinschaften in der Umgebung wurden aufgewühlt, neu sortiert und mussten sich wiederfinden. Danke an alle, die in dieser Zeit unterstützt haben. Gemeinsam werden wir stark bleiben und uns für eine bessere Bildungslandschaft einsetzen. Wir werden genau beobachten, was die Zukunft bringt.

Melanie Khazdouzian, Unkel

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die Ahrtal-Werke legten dem Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler für 2025 eine Jahresbilanz von 85,4 Millionen Euro vor.  Foto: GS
131

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Ahrtal-Werke um die Geschäftsführung mit Dominik Neswadba und Thomas Hoppenz sind weiter auf gutem Kurs. Daher folgte der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler am Montagabend dem Aufsichtsrat des kommunalen Energieversorgers und stimmte dem vorgelegten Jahresabschluss 2025 einstimmig zu. Das Gremium beauftragte Bürgermeister Pascal Rowald, in der Gesellschafterversammlung dem Jahresabschluss der Ahrtal-Werke für das 2025 zuzustimmen und den Aufsichtsrat zu entlasten.

Weiterlesen

Die Einrichtung einer IGS an der Regionalen Schule Brohltal wurde bereits im März vom Kreistag abgelehnt. Jetzt scheiterte auch ein FWG-Antrag auf eine neue neutrale Untersuchung der Schülerzahlen im Kreis Ahrweiler.  Foto: GS
139

Kreis Ahrweiler. Im März hat der Kreistag von Ahrweiler den Antrag der Freien Wähler auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Regionalen Schule Brohltal in Niederzissen abgelehnt. Dies unter anderem mit der Begründung des beratenden „biRegio“-Planungsbüros in schulpolitischen Entscheidungen, dass „eine „IGS Niederzissen die IGS Remagen empfindlich tangieren würde“.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dienstleistungen
Martinsmarkt in Adendorf
Imageanzeige Dauerauftrag 11/2025
Karnevalsauftakt in Mülheim-Kärlich
Kfm. Verwaltungsleitung
Weitere Artikel
Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
965

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
367

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen

Karate Dojo Kitai Dieblich
230

Dieblich. Am 25. Oktober 2026 stand beim Karate Dojo Kitai aus Dieblich nicht nur der Sport im Mittelpunkt, sondern vor allem der gute Zweck. Unter dem Motto „100 Kata“ stellten sich rund 50 bis 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene einer besonderen sportlichen Herausforderung. Gleichzeitig wurden Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

Von Jens Mentges aus Koblenz

Weiterlesen