Politik | 13.04.2021, 09:02 Uhr

Klimaneutralität bis 2050 in Sinzig:

Windenergie hat das größte Potenzial

Die Stadt kann vielleicht einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz leisten und dabei finanziell profitieren

Windräder im Windpark Weibern-Rieden.Foto: Albert Dietz
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Sinzig. Am 9. April wurde in der gemeinsamen Ortsbeiratssitzung von Franken und Löhndorf zur Windkraft beraten. Derzeit geht es ausschließlich darum, dass die Stadt Sinzig sich entschließt, ein mehrjähriges Prüfungs- und Genehmigungsverfahren zu starten, an dessen Ende Klarheit darüber besteht, was im Harterscheid zulässig ist.

Die Sorgen der Anwohner müssen dabei ernst genommen werden. Die derzeit gestellten Fragen werden in diesen Verfahren geprüft und können dann beantwortet werden. Das Potenzial der städtischen Flächen nicht zu prüfen, wäre fahrlässig. Am Ende könnten im Harterscheid dann nur Anlagen auf privaten Flächen stehen.

Die Trockenheit der letzten Jahre und der Zustand unserer Wälder ist eine Folge des Klimawandels. Das Bundesministerium für Landwirtschaft sprach in der jüngsten Waldzustandserhebung von einer Kronenverlichtung bei 79 % aller Baumbestände. Windenergieanlagen helfen dabei, den CO2-Ausstoß in die Atmosphäre zu begrenzen. Der damit verbundene Klimaschutz begrenzt den Temperaturanstieg und die damit verbundenen zunehmenden trockenen Sommer. Für Sinzig bedeutet dies konkret, dass bei positivem Ergebnis der Prüfung jährlich mehr als 72.000 MWh Strom gleichbedeutend mit Strom für 18.000 Familien erzeugt werden könnte. Zudem können die Bürger sich an diesen Anlagen beteiligen und auch finanziell profitieren. Auch die Stadt Sinzig kann mit erheblichen Pachteinnahmen von bis zu 1 Mio. Euro pro Jahr rechnen. Die Stadt kann also vielleicht einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz leisten und dabei finanziell profitieren.

Bei der Auswahl der konkreten Standorte dürfen Laubbäume, die älter als 120 Jahre sind, nicht für die Anlage von Windenergieanlagen gefällt werden. Der Flächenverbrauch liegt auch nicht bei 5 ha pro Anlage, sondern bei ca. 1 ha je Anlage. Dem gegenüber steht eine Gesamtwaldfläche in Sinzig von rund 1600 ha. Es handelt sich also um einen kleinen Flächenanteil, mit dem wir einen erheblichen Nutzen erzielen könnten. Die Sinziger Trinkwasserversorgung kommt aus dem Rheinuferfiltrat der goldenen Meile. Die entsprechenden Grundwasserströme sind bekannt und werden genau beobachtet. Anlagen auf dem Harterscheid haben hier keinen Einfluss.

Die Grünen haben bei der Beratung des Forstwirtschaftsplanes dafür geworben, vorerst das Fällen gesunder Laubbäume einzustellen. Diesem Holzertrag steht derzeit kein angemessener Nutzen gegenüber. Leider haben die anderen politischen Fraktionen im Sinziger Stadtrat dies abgelehnt. Eine Windkraftanlage spart jährlich das 400-fache einer durch einen gesunden Wald je Hektar neu gebundenen CO2-Menge ein. Hier ist das Nutzenverhältnis extrem positiv.

Um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, müssen alle vorhandenen Potenziale genutzt werden. Die Arbeitsgruppe Klimaschutz der Stadt Sinzig hat bisher 34 Maßnahmen zur CO2-Reduktion für die Stadt Sinzig identifiziert. Windenergie hat dabei das mit Abstand größte Potenzial. Kraftwärmekopplung, Fotovoltaik und eventuell auch Strombojen, um nur einige zu nennen, können dies nicht substituieren. Nur durch die Gesamtheit der möglichen Maßnahmen kann das Ziel erreicht werden.

Windkraftanlagen verändern das Landschaftsbild, sie verursachen Geräusche und sie wecken eventuell Ängste. Dies muss man ernst nehmen und gegenüber den positiven Aspekten abwägen. Für die in der Ortsbeiratssitzung gemachte Falschaussage, dass die Grünen im Rhein-Hunsrückkreis in keinem Kommunalparlament mehr vertreten seien, hat sich der Vortragende zwischenzeitlich entschuldigt.

Bündnis 90/Die Grünen fordern erneut alle Gremienvertreter und Bürger zu einem ergebnisoffenen Austausch über die Vor- und Nachteile auf. Alle Möglichkeiten müssen geprüft und nach einer sorgfältigen Abwägung am Ende des Prozesses die beste Entscheidung – auch im Interesse der nachfolgenden Generationen – getroffen werden. Es ist viel zu früh, sich endgültig festzulegen.

Pressemitteilung
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Ortsverband Sinzig

Windräder im Windpark Weibern-Rieden.Foto: Albert Dietz

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