Politik | 10.04.2026, 11:12 Uhr

Fußgängerzone belebt Sinzig

Fußgängerzone in Sinzig fördert Handel und Lebensqualität

Visionäre Darstellung der möglichen zukünftigen Gestaltung der Bachovenstraße (KI-generierte Darstellung)
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Sinzig. Die Einführung einer Fußgängerzone in der Sinziger Innenstadt bietet große Chancen für mehr Lebensqualität, einen stärkeren Einzelhandel und ein lebendiges Miteinander. Erfahrungen aus der Nachbarstadt Remagen zeigen deutlich: Verkehrsberuhigte Bereiche steigern die Attraktivität einer Innenstadt und fördern langfristig die wirtschaftliche Entwicklung.

„Mehr Platz für Menschen“

Die Einführung einer Fußgängerzone in der Sinziger Innenstadt bietet große Chancen für mehr Lebensqualität, einen stärkeren Einzelhandel und ein lebendiges Miteinander. Erfahrungen aus der Nachbarstadt Remagen zeigen deutlich: Verkehrsberuhigte Bereiche steigern die Attraktivität einer Innenstadt und fördern langfristig die wirtschaftliche Entwicklung.

Bäckermeister Rene Müller bringt es auf den Punkt: „Ich weiß nicht, was gegen eine Fußgängerzone sprechen sollte. … Mir ist eine Fußgängerzone deutlich wichtiger als viele Parkplätze direkt vor der Haustür.“ Für ihn sind Sonderzufahrtsrechte für Gewerbe und Anwohnende sowie Parkmöglichkeiten in der Nähe entscheidend, damit die schnelle Erreichbarkeit trotz der Verkehrsberuhigung gewährleistet bleibt.

Gitta Schneider, Mitarbeiterin eines Modegeschäfts, lobt die besondere Atmosphäre in der Remagener Fußgängerzone: „Es kommen viel mehr Menschen, das sieht man sofort.“ Sie sieht keine Einschränkungen für die Kundschaft und freut sich auf eine mögliche Fußgängerzone in Sinzig. „Ich parke sowieso außerhalb, das ist kein Problem für mich.“

Klaus Klute, Inhaber von Uhren-Schmuck-Optik Klute, hebt hervor, dass gerade ältere Menschen von einer Fußgängerzone profitieren: „Viele meiner Kunden sind sowieso zu Fuß unterwegs oder nutzen Rollatoren. In der Fußgängerzone kommen sie viel besser zurecht als auf schmalen Gehwegen mit viel Verkehr.“ Für ihn war der Umbau vor 20 Jahren eine Verbesserung, keine Belastung.

Petra Pellenz, Inhaberin des Kaffeehauses, sieht großes Potenzial für Sinzig: „Für die Gastronomie bringt eine Fußgängerzone vor allem attraktivere Sitzplätze, wenn keine Autos mehr fahren.“ Sie ist überzeugt, dass auch andere Geschäfte davon profitieren. „Ich hatte selbst einmal überlegt, in Sinzig ein Unternehmen zu gründen, aber die jetzige Situation hat mich abgeschreckt.“

Nicht alle sind uneingeschränkt begeistert: Norbert Fassbender, Inhaber der Metzgerei Fassbender, sieht für seinen Betrieb weder klare Vorteile noch Nachteile durch eine Fußgängerzone. Baustellen vor seinem Geschäft haben bereits zu Umsatzeinbußen geführt, und er befürchtet, dass weitere Baumaßnahmen die verbliebenen Gewerbetreibenden in Sinzig stark belasten könnten.

Mehmet Cembolat, Inhaber des Blumenparadieses, betont den sozialen Aspekt: „Die kurzen Begegnungen und Gespräche vor der Tür machen das Leben aus. Eine Fußgängerzone stärkt den Zusammenhalt.“ Die Anlieferung bis 12 Uhr ist für ihn wichtig, Probleme mit der Erreichbarkeit sieht er nicht.

Wolfgang Jaritz, Geschäftsführer der Jaritz Software GmbH mit Standorten in Remagen und Bad Neuenahr sowie ehemals auch in Sinzig, ist ein leidenschaftlicher Befürworter der Fußgängerzone. „Auf jeden Fall machen!“, bekräftigt er mit Nachdruck. Vor 30 Jahren hätte er bei der Einführung einer Fußgängerzone noch Sorgen gehabt, heute sieht er das komplett anders: „Feste, Veranstaltungen, viel Programm und verkaufsoffene Sonntage bringen mir zwar direkt kaum mehr Kunden, aber sie verankern mich im Bewusstsein der Menschen. Langfristig wirkt das: Wenn sie dann etwas brauchen, denken sie an mich und kommen in mein Geschäft.“ Für ihn ist die Fußgängerzone aber mehr als nur eine Verkehrsberuhigung. Sie muss lebendig und grün sein: „Es sollte möglichst viel Stadtgrün geben – und es braucht Cafés mit vielen Sitzplätzen sowie schöne Orte zum Verweilen.“ Zudem betont er die Verantwortung der Gewerbetreibenden: „In Remagen werden wir mit in die Pflicht genommen, Veranstaltungen zu unterstützen und vor unserer Tür alles sauber und ansehnlich zu halten.“ Die Anfahrt bis 12 Uhr für Lieferungen hält er für ausreichend, auch wenn einmal größere Transporte nötig sind. Er bietet seinen Kunden eine Erstattung der Parkkosten an – das könnte auch direkt in die Parkraumbewirtschaftung integriert werden. Er fügt hinzu: „Denn jedes Auto, das stehen bleibt und nicht die Innenstädte und die Luft versaut, ist ein Gewinn.“ Wolfgang Jaritz sieht in der Mischung aus Geschäften des täglichen Bedarfs wie Friseuren, Cafés und Bäckereien einen wichtigen Faktor für die Frequentierung der Innenstadt: „Andere spezialisierte Geschäfte wie meines, Mode- oder Blumengeschäfte profitieren davon direkt.“

„Eine Fußgängerzone ist weit mehr als nur eine Verkehrsmaßnahme – sie ist ein zentraler Baustein für eine lebenswerte, zukunftsfähige Innenstadt“, erklärt Oliver Andres für die Sinziger Grünen. „Wenn wir die Erfahrungen aus Remagen klug nutzen, können wir in Sinzig einen echten Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger sowie für den Handel schaffen.“ Die anstehende Umgestaltung der Bachovenstraße bietet aus Sicht der Grünen eine ideale Gelegenheit, diesen Prozess anzustoßen und die Innenstadt nachhaltig weiterzuentwickeln.

Pressemitteilung BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Ortsverband Sinzig

Sinziger Grüne empfehlen die Einrichtung einer temporären Fußgängerzone in Sinzig.

Sinziger Grüne empfehlen die Einrichtung einer temporären Fußgängerzone in Sinzig. Foto: Dr. Jasmin Sani

Visionäre Darstellung der möglichen zukünftigen Gestaltung der Bachovenstraße (KI-generierte Darstellung) Foto: Made with Google AI

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