Allgemeine Berichte | 12.02.2015

Rheinischer Obstbautag 2015 in Niederbachem

Rheinische Obstbauern stellen sich den Herausforderungen

2014 hatte man mit niedrigen Preisen und der Kirschessigfliege zu kämpfen

Beim Rheinischen Obstbauerntag in Niederbachem stellte unter anderem Christiane Mager aus Alfter das Netzwerk Junger Obstbauern vor.JOST

Rheinbach.„Die rheinischen Obstbauern jammern nicht, sie stellen sich den Herausforderungen“, machte Dr. Andreas Mager beim Rheinischen Obstbautag in Niederbachem klar. Der Vorsitzende der Landesfachgruppe Obstbau im Provinzialverband rheinischer Obst- und Gemüsebauern e.V. berichtete in seinem Jahresrückblick, 2014 sei kein gutes Jahr gewesen, weil fast alle Kulturen mit einer Überversorgung des Marktes zu kämpfen hatten.

Der milde Winter und das früh einsetzende Frühjahr hätten für hohe Erträge gesorgt, wodurch die Preise stark unter Druck geraten seien.

Neben den großen Erntemengen habe zudem auch noch der Regen für Qualitätsprobleme gesorgt, sodass das Preisniveau insgesamt sehr niedrig gewesen sei.

Hoffen auf bessere Witterungsbedingungen in 2015

Ein weiteres Problem sei ab August hinzugekommen, denn sowohl beim Beeren- als auch beim Steinobst sei die Kirschessigfliege eingefallen und habe große Ernteausfälle verursacht. Mager: „Wir hoffen auf Witterungsbedingungen in diesem Winter, die dem Schädling zusetzen. Wir wissen aber noch nicht einmal, welche Witterungsbedingungen dies sind.“ Dafür seien die Erfahrungen mit dem aus Asien stammenden Insekt noch zu gering.

Die Erntemenge der Äpfel sei in etwa vergleichbar gewesen mit der des Jahres 2013, während europaweit eine um zehn Prozent gestiegene Erntemenge verzeichnet worden sei. „Hagel hat im Raum Wachtberg und enger regional begrenzt auch am Niederrhein Schäden verursacht“, wusste der Vorsitzende.

Zusätzlich zu großen Erntemengen habe der russische Importstopp für Obst und Gemüse aus der Europäischen Union auf die Märkte gedrückt.

„Zwar sind wir selbst nicht hiervon betroffen, der Markt reagiert aber überaus nervös, und andere EU-Staaten, die normalerweise nach Russland exportieren, drängen auf den deutschen Markt“, so Mager. Zumindest die Verbraucher hätten davon profitiert, denn Einzelhandelspreise von 40 Cent pro Kilogramm frischer Äpfel seien an der Tagesordnung gewesen. „Dass wir als Erzeuger mit solchen Preisen nur rote Zahlen schreiben können, brauchen wir nicht zu diskutieren.“

Gute Zukunft für die rheinischen Obstbauern

Auch wenn die rund 300 Obstbaubetriebe der Region mit dem Verlauf der Saison 2014 nicht zufrieden sein könnten, „sehe ich eine gute Zukunft für den rheinischen Obstbau“, schloss Mager. Die Verbraucher bevorzugten immer mehr regional erzeugte Lebensmittel, deshalb biete sich gerade den rheinischen Obstbauern durch die Nähe zu den Ballungszentren vielfältige Möglichkeiten der Vermarktung.

Zudem seien die einzelnen Betriebe professioneller aufgestellt, jetzt gelte es vor allem, der Kirschessigfliege Herr zu werden.

Der Rheinische Obstbautag wird alljährlich von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz sowie dem Provinzialverband rheinischer Obst- und Gemüsebauern gemeinsam veranstaltet. Eines der Hauptthemen war diesmal der Einsatz von Hagelschutznetzen und Foliendächern in den Obstkulturen.

Auch Neuerungen in Sachen Pflanzenschutz und Unkrautvernichtungsmitteln sowie die Erfahrungen der Mäusebekämpfung mit Fallen wurden von den gut 150 Teilnehmern aus dem südlichen NRW und im nördlichen Rheinland-Pfalz diskutiert. Eine umfangreiche Ausstellung von Firmen rund um das Thema Obstbau rundete das Programm ab.

Nachwuchs soll gestärkt werden

„Den Nachwuchs stärken“, das hat sich das „Netzwerk Junger Obstbauern“ auf die Fahnen geschrieben. Sprecherin Christiane Mager (Alfter) stellte das Netzwerk vor.

Es befindet sich zwar noch im Aufbau, doch auf Dauer sollen darin alle Nachwuchs-Obstbauern aus ganz Deutschland vertreten sein, wünscht man sich. Ziel sei in erster Linie der gegenseitige Erfahrungsaustausch und die Unterstützung in besonderen Problemlagen.

Vor allem für die jungen Kollegen in der „Obstbau-Diaspora“ sei dies von Bedeutung, aber auch im obstbaustarken Rheinland könne man durchaus davon profitieren, wusste die 27-jährige Master of Science Absolventin der Agrarwissenschaften und Juniorchefin im Naturhof Wolfsberg in Alfter aus eigener Erfahrung.

Das Netzwerk gehöre als Fachbeirat für die Fachrichtung Obstbau zur Arbeitsgemeinschaft Deutscher Junggärtner und werde zu 100 Prozent im Ehrenamt geführt. F

achliche Veranstaltungen zur Weiterbildung junger Obstbauern gehörten ebenso zum Programm wie die politische Arbeit und die Ausbildungsförderung. Mittelfristiges Ziel sei die Erweiterung, Stärkung und Verbesserung der berufsständischen Jugendarbeit im deutschen Obstbau durch den Einsatz eines hauptamtlichen Mitarbeiters auf Bundesebene.

Beim Rheinischen Obstbauerntag in Niederbachem stellte unter anderem Christiane Mager aus Alfter das Netzwerk Junger Obstbauern vor.Foto: JOST

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