Wirtschaft | 03.09.2019

- Anzeige - Die evm-Gruppe testet in Koblenz ein neues Hightech-Datennetz auf dem Weg zur Smart-City

LoRaWAN funktioniert an jeder Milchkanne

Das niederfrequente System überwacht bereits Parkplätze, Raumklima und Müllcontainer

Eva Lindner und Marcelo Peerenboom demonstrierten die Funktion des Parkplatzsensors unten rechts.Foto: HEP

Koblenz. Parkplätze melden selbstständig, wenn sie frei sind, Müllcontainer geben ein Signal, wenn sie geleert werden müssen, Räume überwachen selbst ihr Klima und stellen es ein und Strom-, Gas- und Wasserzähler können vom Versorger aus der Ferne abgelesen werden. Ist das Zukunftsmusik? Nein, diese Technologie gibt es bereits und wurde jetzt in der Koblenzer Zentrale der Unternehmensgruppe Energieversorgung Mittelrhein (evm) vorgestellt, die das System in Koblenz bereits testet.

LongRange Wide Area Network (LoRaWAN), wörtlich übersetzt „Lange Bandbreite, breite Gegend Netz“ nennt sich diese Übertragungstechnik per Funk, die mit dem normalen Internet jedoch nichts zu tun hat. Dennoch wird dieses System mit niedriger Frequenz als „Internet of Things“ also Internet der Dinge bezeichnet. Damit kann eine Kommune zur Smart-City werden, indem sie die wichtigsten Dinge überwacht und für den Bürger interessante Daten über normales Internet zur Verfügung stellt. Bei LoRaWAN kommunizieren die Sensoren automatisch mit einer Empfangsantenne, in der Stadt über eine Entfernung von bis zu fünf Kilometer und auf dem Land sogar bis zu 15 Kilometer. „Wir haben bisher sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt evm-Pressesprecher Marcelo Peerenboom vor Medienvertretern, „Die Technik ist energieeffizient, kostengünstig und hat trotzdem eine hohe Reichweite.“

Zwei Antennen, sogenannte Gateways, hat die evm-Gruppe für den Test auf ihren beiden Hauptgebäuden in der Koblenzer Ludwig-Erhard-Straße und in der Schützenstraße installiert. An sie senden eine Vielzahl von Sensoren in den unterschiedlichsten Bereichen. Rund 1.000 Sensoren kann eine Antenne auslesen.

Ganz neue Möglichkeiten

„Diese Technik eröffnet uns ganz neue Möglichkeiten“, so Benjamin Deppe, Leiter Messservice bei der evm-Gruppe, der die technische Bereitstellung geleitet hat. „Gängige Funktechniken wie WLAN, Bluetooth oder 5G stoßen hier an ihre Grenzen; sie sind auch deutlich teurer.“ Da LoRaWAN ein eigenes breites Netzwerk hat, funktioniert es, wie es so schön heißt auch an jeder Milchkanne, also dort wo weder Internet noch Mobilfunk ist. Lediglich die Antenne hat einen Zugang zum Internet und sendet die von ihr empfangenen Daten an ein Portal. Dort können sie, graphisch aufbereitet, von den Nutzern einfach und schnell abgelesen werden. In einem Test der evm geht es um das Raumklima: Sensoren senden in regelmäßigen Abständen die aktuelle Temperatur und Luftfeuchtigkeit. „In Umspannanlagen ist es wichtig eine gewisse Temperatur und Luftfeuchtigkeit beizubehalten“, so Benjamin Deppe und weiter: „LoRaWAN könnte uns dabei helfen. Wir testen die Funktion der Sensoren gerade in unseren Büros.“

Ein weiteres Testfeld für Smart-City sind Parksensoren. Diese grauen runden Knöpfe werden auf den zu überwachenden Plätzen angebracht. Steht ein Auto über dem Sensor, meldet der, dass der Parkplatz besetzt ist. Das wurde eindrucksvoll demonstriert auf dem evm-Parkplatz mit Elektroauto und Laptop. Stellt sich eine Person auf den Sensorknopf oder wird irgendwas darauf gelegt, reagiert der Sensor nicht, er braucht das Magnetfeld eines Autos.

So können leicht Bereiche überwacht werden, in denen wegen Zufahrten für Feuerwehr- oder Rettungsfahrzeuge keinesfalls ein Auto stehen darf. So hat das System auch Potenzial für Parkplätze vor Ladesäulen für Elektroautos. Die Sensoren könnten mit Ladesäulenfindern verknüpft werden und so in Echtzeit anzeigen, ob ein Parkplatz vor einer Ladesäule frei ist und ob wirklich Autos geladen werden.

Ferner geht es um Müllcontainer. Beim evm-Text messen Sensoren per Ultraschall den Abstand bis zum Boden des Containers, der kleiner wird, wenn Abfall eingeladen wird. Erreicht die Füllung ein zuvor festgelegtes Maß, gibt der Sensor ein Signal, das beim Entsorgungsbetrieb aufläuft. So können unnötige Leerfahrten von Abfallfahrzeugen verhindert und Routen bedarfsorientiert geplant werden. „Im Verlauf der Tests entstehen immer neue Ideen“, erklärte Marcelo Peerenboom: „Wir sind bereits in Gesprächen mit Kommunen, die ebenfalls Interesse an der Technik haben und ihre ganz eigenen Anwendungsfälle einbringen.“ Und wie viel Geld kostet LoRaWAN? Wenig, denn die Sensorbatterien arbeiten wegen des geringen Stromverbrauchs über mehrere Jahre autark. Die Kosten für Netzaufbau und -nutzung sind ebenfalls gering, da keine Lizenzen oder Gebühren gezahlt werden müssen.

Sensoren gibt es ab 110 Euro bis zu einem dreistelligen Betrag, eine Antenne dürfte wie auch der Jahresbetrieb für eine Kommune im fünfstelligen Bereich liegen.

HEP

Eva Lindner und Marcelo Peerenboom demonstrierten die Funktion des Parkplatzsensors unten rechts.Foto: HEP

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