Internationale Sicherheitsprobleme
Menschenhandel und organisierte Kriminalität
aus Schalkenbach
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bei diesem Thema werden sich viele Gäste die Frage stellen, wieso beschäftigt sich die Sektion Bad Neuenahr-Ahrweiler der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) im Jahre 2026 mit einer solchen Problematik. Die Antwort darauf gab der Referent des Abends, Herr Leitender Polizeidirektor a.D. Detlef W. Karioth. Er war Leitender Polizeiberater Deutschlands bei den Vereinten Nationen in New York, Sonderbeauftragter der Bundesregierung während der Migrationskrise 2015/2016 und ist heute nach seiner Pensionierung als internationaler Sicherheitsexperte und Berater sowie Lehrbeauftragter an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management in München tätig. Der Abend wurde moderiert vom Stellvertretenden Sektionsleiter Jürgen Schick.
Im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Bundespolizei und beim Auswärtigen Amt beschäftigte sich Karioth all die Jahre mit den Themen Organisierte Kriminalität, Migration und Menschenhandel. Er hatte also tiefe Einblicke in die Abgründe menschlicher Aktivitäten. Dabei wurde schnell deutlich, dass das kein reines Problem weit weg von Europa und Deutschland ist, sondern wir mitten in diesem Dschungel leben. Die Geschichte kennt genügend Beispiele, wie deutsche Landesfürsten ganze Kompanien von Soldaten an andere Länder verliehen haben. Auch heute ist diese Praxis in europäischen Kriegen noch alltäglich. Der Referent nannte als Beispiele den Einsatz nordkoreanischer Soldaten auf russischer Seite und den Einsatz südamerikanischer Soldaten auf ukrainischer Seite. Nur ist das wenig bekannt und wird in unseren Medien auch nicht groß erwähnt. Dafür liest man eher etwas von Zwangsprostitution, Zwangsarbeit und aggressiver Bettelei, auch vom illegalen Einsatz von Arbeitern auf Baustellen, dem Einsatz unterbezahlter Ausländer in der Gastronomie und im Bereich der Pflege. Viele kennen vielleicht selbst Beispiele aus dem privaten Umfeld, wo junge Frauen aus Osteuropa im häuslichen Bereich Tätigkeiten ausüben ohne Arbeitsvertrag und gegen geringe Bezahlung. Das wird von vielen Bürgern einfach toleriert, zählt aber rein rechtlich auch zum Geschäft mit der Ware Mensch. Ein weiteres Feld ist der zunehmende Organhandel in afrikanischen Ländern. Der Referent nannte als Beispiel Kenia, wo ein Interessent innerhalb von zwei Wochen ein benötigtes Organ bekommt, sofern er bereit ist, das erforderliche Geld zu zahlen. Wo das Organ herkommt, wird nicht hinterfragt. An dieser Stelle machte Karioth auch deutlich, dass es für die europäischen Polizeibehörden außerordentlich kompliziert ist, gegen diese Machenschaften wirksam vorzugehen. Es stehen viele rechtliche , aber auch ethische Erwägungen dem entgegen (nicht zuletzt auch der Datenschutz). Die Grauzone in diesem Sektor ist riesig. Aber alle noch so gut gemeinten Gesetze in Deutschland sind wenig wirksam, da sich die Geschäfte immer mehr auf das Internet verlagern und die nationalen Gesetze und ihre Umsetzung oftmals einer effizienten Arbeit der Sicherheitskräfte und der Justiz im Wege stehen.
Am Ende des Abends konnte man den Zuhörern im Saal ansehen, wie sehr sie die Ausführungen des ehemaligen Polizeibeamten zum Nachdenken angeregt haben. So ist uns allen das Thema Mensch als Ware mehr oder weniger bewusst, aber nicht aus der geschilderten Perspektive.
Der Referent fasste es abschließend auch treffend zusammen: Mit noch so gut gemeinten und erlassenen Gesetzen in Deutschland ist dem Problem nicht beizukommen. Es bedarf der Aufmerksamkeit und Mitwirkung jedes Einzelnen. Die Bereitschaft zur Mitwirkung ist aber insbesondere in betroffenen Staaten Asiens und Afrikas oft nicht sehr ausgeprägt.
