Allgemeine Berichte | 02.11.2021

Spendenausgabe in Westum ist geschlossen

100 Tage Umschlagsplatz für Güter aller Art

Zum Abschluss wurde ein Flohmarkt veranstaltet. Fotos: privat

Westum. Am vergangenen Samstag wurde das Spendenlager in Westum mit einem großen Flohmarkt aufgelöst. Es waren 100 Tage voller Einsatz, die allen Beteiligten viel abverlangt haben. Doch es hat sich mehr als gelohnt. Am 16. Juli war zur Spendenabgabe im Westumer Gemeindehaus aufgerufen worden. Von der Masse der Spenden schier erschlagen, war sofort klar, dass dies eine Mammut-Aufgabe werden würde. Umgehend hatten sich etwa 40 ehrenamtliche Helferinnen unter der Leitung von Caroline Sommersberg zusammengefunden. Mit viel Herzblut und Zeitaufwand verwandelten die Damen das Gemeindehaus in kürzester Zeit in einen hochfrequentierten Umschlagsplatz für Güter aller Art. Das Gemeindehaus allein war jedoch zu klein, so durfte die Schuhabteilung in die Kirche ziehen und der MGV Westum stellte schnell und unkompliziert ein großes Zelt zur Verfügung.

Dass es letztendlich 100 Tage werden würde hat alle überrascht. Doch es gab immer viel zu tun, es wurden Spenden aus ganz Deutschland vom Westerwald, über Ingolstadt, Stuttgart, Lippe, Dresden, Verl, Herne, Lippe, von der Elbe und aus Großrosenburg nach Westum gebracht und von dort aus weiterverteilt. Hierbei war alles enthalten, von Baumaterialien- und Bautrocknern, über Lesebrillen, Isomatten für Soldaten die in Müschs Wäldern biwakten, Klassik CDs für eine demente Dame, Labellos für Helfer, Kaninchen, selbst ein VW Bulli als Gemeindefahrzeug konnte nach Mayschoß vermittelt werden, so wie Caterer und eine Wurstbräterei zu den richtigen Standorten gelotst werden. „Wir sind unglaublich stolz auf das was wir geleistet haben. Wöchentlich haben wir die Bedarfe der betroffenen Dörfer abgefragt und dann organisiert und chauffiert,“ Berichtet Caroline Sommersberg.

Während die Spendenausgabe bis zum Schluss vier Tage die Woche geöffnet war, gab es noch viel nebenher zu planen und zu organisieren. Es wurde bereits zu Beginn ein Spendendenetzwerk mit anderen Lagern und Spendenausgaben gegründet, um sich gegenseitig zu unterstützen und auszuhelfen. „Selbst eine Möbeldatenbank haben wir geführt, um so auf alle Anfragen reagieren zu können. Das einzige Mal FAST gescheitert sind wir an der Bitte nach Micky Maus Taschenbüchern“ lacht Sommersberg, „Doch hier hat dann meine Verwandtschaft reagiert und mir zwei Stück per Post gesendet.“ Gezielte Suchanfragen wurden über die sozialen Medien gestartet und zumeist innerhalb weniger Stunden erfüllt. „Als wir die Labellos brauchten, haben wir innerhalb von 45 Minuten die ersten 30 Stück bekommen,“ zeigt sich Mareike Nachtsheim noch heute erstaunt.

Auch das Dorfleben in Westum profitierte von der Spendenausgabe. Zwischenzeitlich konnte der selbst von der Flut betroffene Wilhelmshof aus Bad Bodendorf am Gemeindehaus einen Gemüsestand aufbauen und seit kurzem ist die Metzgerei Albrecht jeden Mittwoch von 14 – 17 Uhr mit ihrer mobilen Wurst- und Fleischtheke an der Westumer Kirche. Doch nicht nur Sachspenden wurden gesammelt und verteilt, auch Geldspenden wurden dankend angenommen. Hier war die Dorfgemeinschaft Westum sofort bereit, als gemeinnütziger Verein beim Verwalten der Spenden zu unterstützen. Die Geldspenden kamen von Kollegen und Freunden der Ehrenamtlerinnen. „Besonders gefreut haben wir uns über eine vierstellige Spende aus Verl, mit denen uns inzwischen eine Freundschaft verbindet und selbst eine Urlaubsbekanntschaft war so begeistert von unserem Aktionismus, dass auch sie uns umgehend 1500 Euro überwiesen.“ Von dem Geld wurden zunächst 100 Konvektor Heizungen gekauft und von Sinzig bis nach Altenahr verteilt. Auch ein Tankgutschein für den Mayschosser Gemeindebulli wurde bei der inzwischen wiedereröffneten ED Tankstelle in Dernau gekauft. Des Weiteren wurde Arbeitsmaterial, wie Steckerleisten, Kabeltrommeln & Strahler beschafft.

Doch nun, am 23. Oktober. war die Zeit reif, um das Spendenlager zu schließen. Inzwischen gibt es große Verteilzentren, wie den SpAHRmarkt in Sinzig und das Verteilzentrum in Gelsdorf, auch verfügen viele Dörfer inzwischen über einen „Tante-Emma-Laden“ und so haben sich die Ehrenamtlerinnen entschieden, dass nach 100 Tagen Schluss ist, denn schließlich braucht auch die Gemeinde ihr Gemeindehaus zurück.

„Doch auch wenn das Lager nun geschlossen ist, für uns ist noch lange nicht Schluss.“ Verkündet Mira Schneider. „Gemeinsam haben wir den Abschluss-Flohmarkt auf die Beine gestellt, die Waren-Reste die wir nun noch vor Ort haben, werden in der Region an karitative Organisationen und Spendenlager verteilt und dann schauen wir weiter.“ Schon ein Tag nach der offiziellen Schließung waren die Frauen aktiv. So wurde eine Couchgarnitur aus Koisdorf zum Jugendtreff in Mayschoss vermittelt.

„Es war ein super Team aus ehrenamtlichen Helferinnen und Fahrern die allzeit ihr Bestes gegeben haben und jederzeit eingesprungen sind, wenn es nötig war. Ich staune heute noch, wie wir das alle neben Familie, Beruf und anderen Verpflichtungen hinbekommen haben. Ich bin wirklich stolz auf „meine Mädels“ und weiß genau, wen ich bei der nächsten Katastrophe als erstes um Hilfe bitten würde. Gerne möchte ich hier noch mal einfach Danke sagen, Danke für euren Einsatz und Danke für all das was wir geleistet haben,“ so Caroline Sommersberg.

An Tag 1 waren die Helferinnen schier erschlagen von der Masse der Spenden.

An Tag 1 waren die Helferinnen schier erschlagen von der Masse der Spenden.

Zum Abschluss wurde ein Flohmarkt veranstaltet. Fotos: privat

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