Allgemeine Berichte | 03.02.2022

Obwohl der Ort schwer betroffen ist, kam die Ortsgemeinde Ahrbrück in der Wahrnehmung selten vor

Der Osthof in Ahrbrück: Eine unbekannte Institution

Bekleidungslager in Ahrbück.  Foto: Arno Furth

Ahrbrück. Ahrbrück liegt an dem vergessenen Stück der Ahr zwischen Insul und Altenahr, das in der Wahrnehmung, obwohl schwer betroffen, selten vorkam.

Die Ahrflut vom 14. auf den 15. Juli hatte katastrophale Auswirkungen auf Ahrbrück. Die Straßen waren in alle Richtungen unpassierbar. Strom und Kommunikation waren schon am Abend des 14. Juli ausgefallen. Wasserversorgung und Kanalisation waren ebenso wie die drei Ahrbrücken zerstört. Den Ortsteil Brück hatte es besonders schwer getroffen, neun Tote waren zu beklagen. Bis heute sind die Schäden an Gebäuden, Straßen und Einrichtungen nicht abschließend zu beziffern. Selbst sechs Monate nach der Katastrophe erhalten Betroffene den Bescheid, dass ihre Häuser abgerissen werden müssen.

Die Freiwillige Feuerwehr hatte neben retten und bergen schon frühzeitig damit begonnen aus einem Supermarkt, zwei Getränkemärkten und einer Metzgerei Lebensmittel und Getränke sicherzustellen um eine Anfangsversorgung der Bevölkerung zu ermöglichen. Die Denntalschule war zwar auch betroffen, Strom und Wasser standen nicht zur Verfügung, das Gebäude konnte jedoch als Notaufnahme und Lagerstätte genutzt werden. Das Zubereiten und die Ausgabe von einfachen Speisen wurden dort ermöglicht. Mit Betroffenen, Angehörigen von Hilfsorganisationen und Helfern wurden täglich bis zu 700 Personen verpflegt. Verletzte wurden durch den ortsansässigen Arzt Dr. Korte versorgt, der rund um die Uhr im Einsatz war. Auf dem Sportplatz fanden in den ersten Wochen mit Hubschraubern die Evakuierung von Kranken und Verletzten sowie das Anlanden von Versorgungsgütern und Wasser statt. Wegen der hohen Anzahl von Flugbewegungen wurden ein eigenes An- und Abflugverfahren entwickelt.

Ortsbürgermeister Radermacher und seinem Gemeinderat war klar, dass die Versorgung der Bevölkerung über einen längeren Zeitraum zentral erfolgen musste.

Die Lagermöglichkeiten in der Schule waren begrenzt, zumal in der Sporthalle Betroffene und Hilfskräfte untergebracht wurden und im Innenhof die Verpflegung stattfinden musste. Außerdem war absehbar, dass die Denntalschule nach den Ferien wieder öffnen sollte.

Ein geeigneter Lagerort musste gefunden werden. Den Wetterprognosen traute nach der Flut niemand mehr. Das Lager sollte deshalb außerhalb der Überflutungsgrenzen liegen und trocken sein. Die Möglichkeit den Lagerbereich auch mit größeren Fahrzeugen anzufahren war Bedingung.

Ende Juli hatten Walter Radermacher und sein erster Beisitzender Karl-Heinz Hermes mit der Familie Boltersdorf, Eigentümer eines ansässigen Unternehmens, vereinbart, dass eine große Lagerhalle, der Osthof, zum Annehmen, dem Lagern und Verteilen von Lebensmitteln, Bekleidung, Werkzeugen und Baumaterial genutzt werden durfte. Ein zunächst unterschätztes Problem bestand darin, dass zum einen die Firma noch Produkte in der Halle lagerte und zum anderen dort noch geborgene und abgestellte Wohnwagen und Anhänger abgestellt waren.

Zu Beginn waren Lebensmittel, Bekleidung, Haushaltswaren und Werkzeug die Artikel, die am dringendsten benötigt wurden, ab Mitte August waren Gummistiefel, Handschuhe, Eimer und Schaufeln für die Helfer gefragt. Bevor in den Gebäuden die Schäden beseitigt werden konnten, mussten Estrich und Gemäuer getrocknet werden. Im Osthof liefen z.B. allein dazu 12 Paletten mit Baulüftern und 15 Paletten mit Infrarotheizungen auf. Ende Oktober erklärte das Land Rheinland Pfalz den Katastrophenfall für beendet. Die Hilfsorganisationen, die am Nürburgring stationiert waren zogen ab. Lediglich die Bundeswehr und zivile Helfer blieben mit schwerem Gerät vor Ort. Das Materiallager am Ring wurde verteilt. Der Großteil ging nach Gelsdorf und nach Ahrbrück. Nun spielte der Osthof bei der Unterstützung Betroffener und Helfer eine überörtliche zum Teil gar überregionale Rolle. Ortbürgermeister Walter Radermacher und sein Gemeinderat hatten schon früh entschieden, dass Material nicht zurückgehalten werden, sondern auch den Nachbargemeinden zur Verfügung stehen sollte.

Im Spätherbst änderte sich der Bedarf erneut. Für die Wintermonate wurden nun Öfen und Heizmaterial benötigt, weil die Heizungen nicht rechtzeitig instand gesetzt werden konnten. Glücklicherweise fanden sich auch in dieser Situation Spender. 300 Werkstattöfen und 350 Raummeter Holz wurden durch die Ahrhilfe noch vor dem ersten Frost geliefert. Ab November wurde zusätzlich noch Langholz geliefert. Die Lagerfläche reichte bei weitem nicht mehr aus. Anlieferung und Verteilung wurden kurz vor Jahresende zeitkritisch. Das Brennstoffmaterial wurde auf einem weiteren Lagerplatz bis zur Verteilung gelagert. Insgesamt lagerten bisher etwa 3500 Raummeter auf der Fläche unterhalb von Pützfeld. Aufgrund der Menge und des begrenzten Lagerraums war es zusätzlich möglich Betroffene noch im Kreis Euskirchen und im Schleidener Tal zu unterstützen. Eine Helferinitiative, die „Kettensägeschnitzer“ kam nach Ahrbrück um mit ihren Kettensägen Kunstwerke zu schaffen, die gegen Spenden zur Hilfe der Flutgeschädigten erworben werden konnten. Sie haben angekündigt mit 19 Personen noch einmal an die Ahr zu kommen um das Langholz zu Brennholz zu verarbeiten.

Entgegennahme von Material, Lagerung und Zuteilung wurden zu einer Herausforderung für Dirk H. und sein Team von vierzehn ehrenamtlichen Helfern. Dirk ist aktiver Soldat und wurde von seiner Dienststelle zur Unterstützung freigestellt. Heute ist er wieder auf seiner Dienststelle tätig, koordiniert aber in seiner Freizeit die Aktivitäten im Osthof. Geschätzt werden bei ihm und seinen Kameraden und Kameradinnen die strukturierte Vorgehensweise und die Fähigkeit zu pragmatischen Entscheidungen. Unterstützt wird er dabei von Rüdiger S., einem ehrenamtlichen Helfer aus dem Kreis Main-Spessart, der sich um den Helfereinsatz und die Zusammenarbeit mit Handwerkern und Hilfsorganisationen kümmert. Allen ist bewusst, so Reinhard L., der wie viele Angehörige des Helferteams nun schon seit sechs Monaten ehrenamtlich im Einsatz ist, dass sich die Aufgabe noch viele Monate hinziehen wird. Eine Unterstützung durch Anwohner, die nicht oder nur gering betroffen sind, würde es erlauben einmal tageweise zu pausieren. Freiwillige können sich immer beim Gemeindestab im Bürgerhaus melden. Nicht nur die Betroffenen sondern die ganze Ortgemeinde sind nach wie vor von der Unterstützung und der Anzahl der Spenden überwältigt. Der Dank gilt jedem einzelnen der vom äußersten Osten der Republik wie Cottbus, von Freiburg, aus der Pfalz oder dem Emsland kam. Die vielen Feuerwehren z.B. aus dem Saarland mit ihrem Duschzelt vor dem sie den Ahrbrückern das Steiger Lied beibrachten, den Brandenburgern, die ihnen ihre Hymne von der märkischen Heide näherbrachten oder die Flugplatzfeuerwehren der Bundeswehr zwischen Nörvenich und Wittmund, die in ihrer schichtfreien Zeit anpackten, leisteten Hilfe in erster Not. Großen Eindruck hinterließen auch die Einheiten der Polizeien des Bundes und aus den verschiedenen Bundesländern, die tatkräftig zugepackt haben und sich nicht zu schade waren ihre Uniform schmutzig zu machen. Auch die Frauen und Männer der Bundeswehr, ob zum Einsatz abgestellt oder aufgrund privater Initiative vor Ort, haben der Bundeswehr mehr Anerkennung verschafft als die offiziellen Werbespots. Zukünftig wird die direkte Hilfe immer mehr abschmelzen und durch Hilfe zur Selbsthilfe ersetzt werden, so Dirk. Hierzu eignen sich insbesondere die Spendenkonten der Gemeinden, die das Geld ohne Abzüge für Verwaltung o. Ä. bei den Betroffenen zum Einsatz bringen. In Ahrbrück wird hierfür das Konto des Bürgervereins genutzt:

Bürgerverein Ahrbrück

Verwendung Hochwasser

DE22 5775 1310 0000 2507 87.

Pressemitteilung der

Ortsgemeinde Ahrbrück

Holzlager an der Ahr.  Foto: Arno Furth

Holzlager an der Ahr. Foto: Arno Furth

Der Osthof in Ahrbrück, eine unbekannte Institution.  Foto: Arno Furth

Der Osthof in Ahrbrück, eine unbekannte Institution. Foto: Arno Furth

Bekleidungslager in Ahrbück. Foto: Arno Furth

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Holz Loth-Entsorgung
Bachelor of Arts Engineering
Lossprechungsfeier der Metall-Innung
Lossprechungsfeier Metall Innung
Innovatives rund um Andernach
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Empfohlene Artikel
Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
37

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

39

Insul. Der neue Bikepark wird feierlich eröffnet: Am Samstag, den 11. April, um 14:00 Uhr sind alle Bürgerinnen und Bürger sowie Radsportbegeisterte herzlich eingeladen, die neue Anlage am Sportplatz in Insul kennenzulernen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
74

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
24

Bücherbrücke Meckenheim/Alfter stärkt Lesefreude bei Kindern

Bibfit-Programm bringt Vorschulkinder spielerisch in die Bibliothek

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag
Daueranzeige
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2026
Nachruf Roland Freisberg
Stellenanzeige Auslieferungsfahrer
Lossprechungsfeier der Metall-Innung
Lossprechungsfeier Metall-Innung
Ostergrußanzeige
Stellenausschreibung Justiziar
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht
Container Anzeige
First Friday Anzeige März
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige