Allgemeine Berichte | 30.04.2025

Tag des Wolfes (30.4.): EU-Länder wollen Schutzstatus senken

Deutscher Tierschutzbund mahnt zu wissenschaftlichem Blick

Wölfe sind wichtiger Bestandteil eines gesunden heimischen Ökosystems. Sie galten hierzulande 150 Jahre als ausgerottet. Mittlerweile gibt es wieder über 200 Wolfsrudel in Deutschland – ein großer Erfolg für den Artenschutz.Copyright: Maja Masanneck

Region. Anlässlich des diesjährigen Tags des Wolfes warnt der Deutsche Tierschutzbund das Europäische Parlament davor, in der Wolfsfrage den Weg hin zu Populismus und Ideologie einzuschlagen. Die 27 EU-Mitgliedsstaaten stimmen voraussichtlich am 8. Mai über eine Änderung in der Fauna-Flora-HabitatRichtlinie für einen niedrigeren Schutzstatus des Wolfes ab. Abschüsse könnten durch die Herabsenkung des Schutzes leichter genehmigt und der Wolf ins Jagdrecht der Länder aufgenommen werden. Die Tierschützer mahnen, dass ein solcher Kurs wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen sei. Statt Wölfe pauschal zu töten, sollte bislang vernachlässigter Herdenschutz dringend aufgeholt werden. Ziel müsse die langfristige Koexistenz von Weidetieren, Wolf und Mensch im Sinne des Tier- und Artenschutzes sein. „Die lautstarke Forderung, Wölfe pauschal zu bejagen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Sie schließt an längst überholte Narrative an und ist offenkundig rein populistisch motiviert“, sagt James Brückner, Leiter des Wildtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund. „Inmitten der globalen Biodiversitätskrise sollte sich die EU dringender denn je durch Besonnenheit und Sachverstand leiten lassen, um ihre Beiträge für gesunde Ökosysteme in Europa nicht zu verspielen. Die Rückkehr des Wolfes ist ein großer Erfolg für den Artenschutz. Nun das Rad zurückzudrehen, wäre ein Armutszeugnis.“

Angst vor Wolf ist unbegründet

Der Erhaltungszustand der Wolfspopulation in Deutschland wird derzeit nach streng wissenschaftlichen Kriterien noch immer als überwiegend „ungünstig“ bewertet. Das Bild des „großen bösen Wolfes“ ist jedoch teils noch immer tief verankert und reicht Jahrhunderte weit zurück. Die durch alte Märchen und Sagen überlieferte und durch Jagdverbände geschürte Angst vor Wölfen ist unbegründet: Wölfe vermeiden in der Regel die direkte Begegnung mit Menschen. Dort wo sie leben, übernehmen sie zudem wichtige Funktionen im Ökosystem: Sie regulieren die Zahl der Rehe und Rothirsche und sorgen für gesündere Populationen, da sie vor allem schwache und kranke Beutetiere jagen.

Politik in Deutschland vernachlässigt wissenschaftliche Fakten

Deutschland hat eines der besten Monitoringsysteme für Wölfe und kann die Entwicklung der Population genau beobachten. Anfang April hatte der Bundesrat, auf Initiative von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, die Bundesregierung dennoch aufgefordert, die Methodik zur Bestandseinstufung auszutauschen und die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht vorzubereiten. „Nicht ausreichend geschützten Weidetieren wird dieser hysterische Aktionismus nicht helfen. Im Gegenteil führen Abschüsse durch die Zerstörung von Rudelstrukturen im schlimmsten Fall zu noch mehr Rissen“, kritisiert Brückner. Angesichts der aktuellen Debatte zeigt Brückner sich besorgt. Es sei nicht auszuschließen, dass der Umgang mit dem Wolf den Kurs setze für weitere Arten wie Saatkrähe, Luchs oder Kegelrobbe. „Auf keinen Fall darf die EU-Entscheidung ein Präzedenzfall werden.“

Pressemitteilung Deutscher Tierschutzbund

Wölfe sind wichtiger Bestandteil eines gesunden heimischen Ökosystems. Sie galten hierzulande 150 Jahre als ausgerottet. Mittlerweile gibt es wieder über 200 Wolfsrudel in Deutschland – ein großer Erfolg für den Artenschutz. Copyright: Maja Masanneck

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