Allgemeine Berichte | 25.09.2025, 15:52 Uhr

EIN-Spruch: Tag der Deutschen Einheit

Jörg Meyrer. Foto: privat
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Am 3. Oktober feiern wir den Tag der Deutschen Einheit. Seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 wird das „D“ in „Deutsch“ großgeschrieben. Im 7. Juni, der seit 1953 Nationalfeiertag war, wurde es klein geschrieben. Ein sprachliches Detail – und doch ein Hinweis: Einheit ist nichts Selbstverständliches. Sie muss immer wieder neu gesucht, gepflegt und verteidigt werden.

Gerade in diesen Tagen spüren wir, wie brüchig Einheit sein kann. Die Gräben zwischen Arm und Reich vertiefen sich, das politische Klima wird rauer, die Sprache schärfer. In Ost und West gibt es unterschiedliche Erfahrungen, die bis heute nachwirken. Populistische Stimmen verstärken Spaltungen. Dazu kommen globale Krisen, die Ängste wecken und Gemeinschaft belasten. Manchmal scheint die Einheit unseres Landes auf dem Prüfstand zu stehen.

Und doch: Der Tag der Deutschen Einheit mahnt uns, nicht stehenzubleiben bei Klagen oder Resignation. Einheit ist kein fertiger Zustand, sondern tägliche Aufgabe. Sie gelingt nicht durch Parolen, sondern durch Begegnung, durch das Gespräch mit denen, die anders denken, durch das gemeinsame Suchen nach dem, was uns verbindet. Hier haben Christinnen und Christen eine besondere Aufgabe – auch wenn wir längst nicht mehr Mehrheit in unserer Gesellschaft sind. Unser Glaube erinnert uns daran, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, mit Würde und unantastbarem Wert. Wir können Brücken bauen, wo andere nur Grenzen ziehen. Wir können Räume öffnen, in denen Unterschiedlichkeit nicht trennt, sondern bereichert. „Suchet der Stadt Bestes“, ruft Jeremia – damals seinem Volk im Exil. Und heute uns.

Einheit lebt davon, dass Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Christen haben darin einen Dienst: nicht lautstark, aber beharrlich. Indem wir zuhören, indem wir versöhnen, indem wir das Gespräch suchen, wo andere aufgeben. Einheit bleibt ein großes Thema in unserem Land – und wir können, im Vertrauen auf Gott, unseren Beitrag dazu leisten.

Einheit ist keine historische Erinnerung, sondern eine tägliche Aufgabe. Für jeden.

Über Pfarrer Jörg Meyrer

Einspruch ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Jörg Meyrer ist dort seit vielen Jahren Pfarrer.

Jörg Meyrer. Foto: privat

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