Allgemeine Berichte | 06.10.2025, 10:33 Uhr

EIN-Spruch: Über den Erntedanksonntag

Sebastian Walter.  Foto: privat
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Wer einmal in den Weinbergen oder auf den Feldern gearbeitet hat, der weiß: Ernte fällt nicht vom Himmel. Sie ist das Ergebnis von Mühe und Ausdauer. Und doch – bei aller Arbeit bleibt sie Geschenk. Denn niemand von uns macht die Sonne, niemand schickt den Regen, niemand hat das Wachstum in der Hand. Ernte entsteht, wo Arbeit und Gabe zusammenkommen.

Gerade wir im Ahrtal spüren das in besonderer Weise. Die Flut hat uns gezeigt, wie schnell Arbeit und Lebenswerke zerstört werden können. Viele mussten von vorne beginnen, Häuser aufbauen, Reben neu pflanzen, Wege wiederherstellen. Das ist harte Arbeit – und zugleich ein Hoffnungszeichen, dass nach der Zerstörung neues Leben möglich ist.

Ein bedeutender Theologe hat einmal gesagt: Glaube und Leben stehen in einer kritischen Wechselbeziehung. Unsere Glaubens-Tradition wird lebendig, wenn wir sie auf unser Leben beziehen, umgekehrt beeinflussen unsere Lebens-Erfahrungen, unser Verständnis vom Glauben. So gehört auch die Erfahrung der Flut, mit all ihrer Schwere, in unser Erntedankfest hinein. Wir danken nicht, weil alles gut ist, sondern weil uns inmitten der Arbeit immer wieder etwas geschenkt wird: Kraft, Zusammenhalt, neues Wachstum. Mein Einspruch: Erntedank ist nicht bloß ein nostalgisches Fest mit Früchtekörben am Altar. Es ist die Einladung, die Mühen der Arbeit, die Wunden der Flut und die Geschenke neuen Wachstums miteinander ins Gespräch zu bringen – und darin etwas zu entdecken, was unser Leben in allen Facetten trägt.

So wird Erntedank zu einem Fest, das unsere Arbeit ernst nimmt, unsere Wunden nicht verschweigt – und doch den Blick weitet für das, was größer ist als wir selbst.

Über „EIN-Spruch“

„EIN-Spruch“ ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sebastian Walter ist Theologe und tätig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Pfarrei.

Sebastian Walter. Foto: privat

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