Die frühere Rheinfähre „Brisiacum“ schippert jetzt als Partyboot „Liesel“ auf der Spree

„Es ging eine Fähre auf Reisen“ von Bad Breisig nach Berlin

06.09.2022 - 14:44

Bad Breisig.Reisen lässt uns Neues, aber mitunter auch Altes entdecken. So erging es kürzlich den Bad Breisiger Bürgern Alfred Eckes („Ecki“) und seinem Sohn, die ihren Augen kaum trauten, als sie in Berlin auf der Spree die frühere Breisiger Personenfähre „Brisiacum“ sahen. Als Partyboot „Liesel“ versieht sie nunmehr dort ihren Dienst. Nach einem Umbau, der ihr Aussehen kaum veränderte, kann das Boot von Gruppen für private Feiern, aber auch Besichtigungstouren durch das historische Zentrum der Hauptstadt auf der Spree bis hin zur Rummelsburger Bucht durch die kleine Firma Berlin Liquide gemietet werden.

Der Blick auf die alte Rheinfähre weckte bei den Berlin-Besuchern aus Breisig wehmütige Erinnerung an die „Brisiacum“, die ab ihrem Bau auf der Schiffswerft der Hilgers AG in Rheinbrohl im Jahre 1953 bis zum Jahre 2015 zuverlässig den Fährdienst von Bad Breisig nach Bad Hönningen versah. Unzählige Menschen haben auf ihr ab der Jungfernfahrt am 4. August 1953 den Rhein überquert: zu privaten Besuchen, zu touristischen Zwecken und Festen, zur Arbeit oder zum Einkaufen. Freundschaften, Liebesbeziehungen und sogar Ehen kamen durch diese Anbindung zustande. Nach dem plötzlichen Tod des Fährmanns Helmut Mürl am 28. August 2015 endete die jahrhundertelange Fährtradition abrupt. Eine Fortsetzung ist nicht in Sicht. Und so gelangte schließlich das 16 Meter lange Fährboot mit seinem 90-PS-Motor durch Verkauf vom Rhein an die Spree nach Berlin. Seit dem Jahre 1991 gibt es zum Glück die Autofähre Santa Maria, die täglich durch schätzungsweise zwischen 150 bis 180 Überfahrten die beiden Rheinufer von Bad Hönningen und Bad Breisig verbindet.


Blick in die Historie der Rheinquerung


Überquerungsmöglichkeiten des Rheinstroms mittels Nachen mit Muskelkraft und gelegentlich mit Segelunterstützung gab es in Breisig schon früh. Urkundlich nachweisbar ist eine Fährverbindung zwischen Hönningen und Breisig aber erst ab 1583. Damals wird für Breisig als Fährmann ein gewisser Schmoll genannt, dessen Nachfahren bis weit ins 20. Jahrhundert Schiffer waren. Unterschiedliche Quellen informieren uns über alte Fährtarife, Gebührenordnungen, Genehmigungen, Verträge zur Regelung des Fährbetriebs und Privilegien, auch über allerlei Querelen und gescheiterte Projekte. Dabei erscheinen auch Namen von alten Schifferfamilien in Hönningen und Breisig. Der Bad Hönninger Chronist Jakob Weiler (+) hat die Geschichte der Fähren und Fährleute zwischen Hönningen und Niederbreisig durch sein Quellenstudium akribisch dokumentiert (siehe Heimatjahrbuch Landkreis Neuwied 2013 und 2014).

Ab 1904 verkehrte ein erstes Motorboot zwischen den beiden Rheinorten. Angeschafft wurde es von Schiffern aus Hönningen und Niederbreisig. Es fuhr bis 1928, in den letzten Jahren unter dem Namen „Hindenburg“. Abgelöst wurde es durch die Fähre „Grete Luise“ des Schiffers Matthias Schmoll, Besitzer des Gasthauses „Vater Rhein“. Beim Einmarsch der Amerikaner wurde das Boot in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs am 8. März 1945 versenkt. Zunächst wurde die Verbindung zur gegenüberliegenden Rheinseite in der frühen Nachkriegszeit wieder durch private Nachen hergestellt. Schließlich konnte das reparierte altersschwache Motorboot „Dina“ für einige Jahre in Betrieb genommen werden bis die „Brisiacum“ anno 1953 ihren Dienst antrat. Mit ihr endete 2015 die Geschichte der reinen Personenfähren zwischen Bad Hönningen und Bad Breisig. In Berlin wurde für das fast 70 Jahre alte Boot unter dem neuen Namen „Liesel“ ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Leonhard Janta,

Bad Breisig

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germät:
"Armes Deutschland" wäre zu einfach und zu billig als Überschrift für solche Taten. Einfach nicht mehr nachvollziehbar. Früher wurden noch die Opferstöcke aufgebrochen, heute ist da aber nichts mehr zu holen!...
juergen mueller:
Das trifft voll u. ganz zu "germät". Würde ich mir sehr gerne anschauen. Jedoch, da wir aus Alters- u. Krankheitsgründen kein Auto mehr haben wird dies nicht möglich sein. Für jeden Kunstinteressierten wird es eine Freude u. Bereicherung sein. ...
germät:
"Künstler mit langem Atem"!...
juergen mueller:
Kunst u. Kultur ist ein wichtiges Gut - sagt der OB, Herr Langner. Damit hat er recht. Aber Sagen kann man viel. Und das machen Politiker nun einmal ... viel. Der Garten HERLET ist ein KULTURGUT, was die Stadt jedoch einen Sch ... zu interessieren scheint. Man setzt seinen Fokus weiterhin auf profitorientiertes,...
juergen mueller:
Der Garten HERLET - ein KULTURGUT, was bewahrt werden u. nicht touristisch orientiertem Profitdenken geopfert werden sollte. Ich will jetzt nicht den Finger in die Wunde legen. Aber Kultur zu fördern, zu erhalten, ist doch das vermeintliche (ich könnte auch sagen, angebliche) Bemühen der Stadt, in...
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