Allgemeine Berichte | 18.03.2024, 10:55 Uhr

Stiftung Ahrtal bringt mit Gartenbau-Ingenieurin Heike Boomgaarden einen zerstörten Vorgarten in Altenburg zum Blühen

Frühlingszauber im Flutgebiet

Nick Falkner (r.), Heike Boomgaarden (5. v. r.) und Bianca Klöckner-Pörner (l.) freuen sich mit allen aktiven Teilnehmern über die gelungene Veränderung.  Foto: HG
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Altenburg. Alles ist ruhig an diesem Samstagnachmittag in Altenburg. Der Ort, dem die Flut 2021 hart zugesetzt hat, wirkt verschlafen. Doch halt, direkt an der Durchgangsstraße tummeln sich auf engem Raum Menschen, emsig damit beschäftigt, Pflanzen in die Erde zu bringen. Gelb von Büscheln kleiner Osterglocken springt ins Auge. Dazwischen: zartes Blau der Traubenhyazinthen und Hyazinthen in Weiß und kräftigem Lila. Die Stiftung Ahrtal verwandelt hier gemeinsam mit der Gartenbau-Ingenieurin Heike Boomgaarden einen von der Flut zerstörten (Vor)garten zu einer blühenden Oase mit Stauden, Sandarium und Blumenwiese. Seit dem Mittag pflanzen zwölf Helfer unter Anleitung der Garten-Expertin. Sie weiß, „was die Leute leisten, ist richtig harte Arbeit bei dem lehmigen Boden und bei dem Wetter“. Auch wenn Osterglocken, Krokus, Kuhschelle und Primelchen den Frühling verkünden, lockt die kühle Witterung nicht gerade nach draußen. Zumindest halten die dunklen Wolken an sich und es bleibt trocken.

Der Garten wird rundum reichlich Nutzen bringen. „Wir tun etwas für die Betroffenen und gleichzeitig etwas für die Gemeinschaft, denn hier kommen viele Menschen vorbei“, erklärt Nick Falkner in Altenburg. Der Ahrtaler gründete das Spenden-Verteilzentrum Ahrtal, das im Oktober 2022 in die Stiftung Ahrtal mündete, um die Region langfristig durch ehrenamtliches Engagement zu stärken. Allein am Pflanz-Samstag ist die Stiftung noch mit weiteren Projekten befasst. Wie Falkner mitteilt, wurde etwa im Jugendraum Hönningen für den letzten Schliff erneut Hand angelegt.

Blüten von Frühjahr bis Herbst

Zwei Tage im Büro, dann stand Boomgaardens Konzept für die 80 Quadratmeter große Fläche. Für ein schönes Gesamtbild werden vorne niedriger wachsende, hinten höher wachsende Pflanzen stehen. „Meine Auswahl bedingt, dass wir eine Staffelung in den Wuchshöhen, lange Blühzeiten und Blüten von April bis Oktober haben werden. Jetzt sind die Frühjahrsblüher da. Das Blühen im Herbst endet mit Chrysanthemen in tiefem Orange.“

In der aufgebrachten Pflanzenerde, über die zur Unterdrückung von Beikräutern bis zu 8 Zentimeter Lavamulch kommen, sollen schließlich 400 Stauden wurzeln. So viele? „Je enger wir pflanzen, umso besser gedeihen sie“, weiß Boomgaarden. Mehr Pflanzen halten mehr Feuchtigkeit im Boden, was angesichts des Klimawandels sinnvoll ist. Fürs „Zukunftsgärtnern“ werden zudem viele hitzeresistente Arten eingesetzt. Einige Pflanzen hat die Stiftung Ahrtal gekauft. Über Boomgaardens Kontakt zur „Vor-Tour der Hoffnung“ mit dem Projekt „Hoffnung pflanzen“ wurden Stauden und Lavasplit gespendet.

Für Mensch und Tier

Auch die Tiere profitieren von dem Garten und das nicht nur wegen der Blüten, die farblich mit vielen Gelb- und auch Blautönen den Insekten entgegenkommen. Boomgaarden weist auf einen liegenden Baumstamm. „Über das vermulmte Totholz freuen sich große Käferarten, wie Hirschkäfer oder Rosenkäfer“, so die Expertin. An einer voll besonnten Stelle findet außerdem ein von Steinen eingefasstes und mit grobem Sand verfülltes Sandarium seinen Platz, das für Wildbienen bestimmt ist. Die Gartenbesitzer, Bianca Klöckner-Pörner und Burghard Pörner haben sich um das Anlegen eines Gartenstücks bei der Stiftung Ahrtal beworben und riesig gefreut, das ihr Wunsch Wirklichkeit wurde. Bescheiden ging es ihnen zunächst nur um ein kleines Stück hinter dem Carport. „Aber Laura Beringer vom Stiftungsteam fand die Fläche an der Straße viel geeigneter, als ein schöner Hingucker für alle“, berichtet Klöckner-Pörner. „Wir hatten bis vorige Woche hier nur Unkraut“, sagt sie und weiter, „ohne Hilfe von außen geht es kaum“.

Der Mammutberg an Anforderungen, welcher die stark Flutbetroffenen vor sich hertreibt, baut sich erst ganz allmählich ab. Der Garten wird eine immense moralische Stütze sein, er wird Tag für Tag aufs Neue daran erinnern, wie wunderbar die Natur ist, wenn man sie nur lässt. Er wird Freude bringen übers Jahr mit Malve, Schafsgarbe, Gaura, Iris, Kulturdistel, Katzenminze, fünf Gräsersorten und Taglilien, mit Fette Henne und Schmuckkörbchen, insgesamt 35 verschiedenen Stauden, die Gestaltetes und Natürliches lebendig entfalten. HG

Nick Falkner (r.), Heike Boomgaarden (5. v. r.) und Bianca Klöckner-Pörner (l.) freuen sich mit allen aktiven Teilnehmern über die gelungene Veränderung. Foto: HG

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