Allgemeine Berichte | 03.11.2022

Trauer, Wut und Schmerz abladen

Gemeinsam ein Kreuz für das Ahrtal gestalten

Bis Ende Januar Beiträge einreichen

Das Kreuz ist für Christinnen und Christen ein Symbol der Hoffnung, aber auch eine Möglichkeit, Emotionen abzuladen.  Foto: Bruder Antonius Joos

Altenahr. Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 werden die Menschen im Ahrtal niemals vergessen. Doch wie kann man mit den belastenden Erlebnissen, die die Anwohnerinnen und Anwohner auch mehr als ein Jahr nach der Flut noch bedrücken, würdevoll umgehen und diese aufarbeiten? Eine Gruppe in der Pfarreiengemeinschaft Altenahr möchte mit einer gemeinsamen Kunstaktion ein Ahrtalkreuz gestalten. Interessierte können sich bis Ende Januar mit eigenen und persönlichen Papierausschnitten beteiligen. Aus diesem Material wird ein lebensgroßer Korpus gestaltet, der an zwei aus der Flut geborgenen Baumstämmen hängen wird. „Zeitungsausschnitte, Fotos, Kinderzeichnungen, ein einziges Wort auf einem Papierfetzen, (Kurz-)Nachrichten, Sterbeanzeigen, Liedzeilen – das alles kann Teil des Kunstwerks werden“, zählt die Initiatorin Praxedis Freifrau von Boeselager auf.

Daraus wird der Kreuzberger Künstler Rudolf Schneider Jesus aus Pappmaché formen. Doch auch Teile von Mundschutz-Masken können verarbeitet werden. „Ursprünglich sollte während der Pandemie solch ein Kreuz in der Tradition der Pestkreuze entstehen“, berichtet Boeselager. „Dann kam die Flut. Uns wurde klar, dass die geballte Last beider Ereignisse im Ahrtal ein einziges Kreuz bedeutet: das ‚Ahrtalkreuz‘“. Schmerz, Angst, Trauer, Ohnmacht, Wut können hier einen Platz finden, aber auch Hoffnung, Träume oder Dank. Jeder und jede könne dem Kreuz diese Gefühle aufbürden und sie dort abladen. „Das Kreuz ist kulturgeschichtlich das Symbol dafür, dass Not dann erträglicher wird, wenn da einer ist, der sie teilt“, erläutert Boeselager und ist sich sicher: „Man muss nicht notwendig Christ sein, um dieses Symbol zu verstehen.“ Für die Initiatorinnen rund um Boeselager steht das entstehende Kreuz für die Kraft der Gemeinschaft im Unglück und die Dankbarkeit der Menschen für die vielfältige Hilfe. „Uns ist dabei wichtig, dass sich in dieser Intention wirklich jeder wiederfinden kann, ob gläubig oder nicht.“

Nach der Fertigstellung soll das Werk durch das Ahrtal wandern und Teil von Veranstaltungen, Gottesdiensten oder anderen Gruppen- sowie Einzeltreffen werden. Ein mögliches Feld sei zum Beispiel das Erinnern an Verstorbene. „Corona und Flut haben viele Beerdigungen notgedrungen in ganz kleinem Kreis stattfinden lassen. Denkbar wäre ein größeres Totengedenken, etwa an Allerseelen, unter Einbeziehung des Ahrtalkreuzes“, so Boeselager.

Einige Papiere sind bereits eingegangen; weitere können noch abgegeben werden. Dafür sind an unterschiedlichen Orten Sammelboxen aufgestellt wie in Kirchen, hinzukommen Bürgertreffpunkte, Rathäuser der (Verbands-)Gemeinden, Schulen und Kindergärten. Unterstützt wird die Idee durch Bildhauer Schneider, der sich dem Projekt ehrenamtlich widmet, Gemeindereferentin Manuela Kremer-Breuer, Pfarrer Axel Spiller und durch die Malteser Fluthilfe. Weitere Informationen zur Aktion gibt es per E-Mail an Ahrtalkreuz-Pfarrei-Altenahr@t-online.de oder telefonisch bei Praxedis Freifrau von Boeselager unter Tel.: 02643-1677.

Das Kreuz ist für Christinnen und Christen ein Symbol der Hoffnung, aber auch eine Möglichkeit, Emotionen abzuladen. Foto: Bruder Antonius Joos

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