Allgemeine Berichte | 18.08.2017, 11:16 Uhr

Ziel ist es, Menschen auf den Weg zurück ins Leben zu begleiten

Gespräche über das Leben und Sterben

Sie organisieren das Trauercafé gemeinsam seit 2009: Pfarrerin Metje Steinau und Mechtild Meyer (v.l.).
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Ein Gespräch mit Pfarrerin Metje Steinau, Pfarrerin in Mayen, und Mechtild Meyer, Dekanatsreferentin des katholischen Dekanats Mayen-Mendig.

BLICK aktuell: Seit 2009 gibt es das Trauercafé in Mayen. Warum brauchen Trauernde Orte wie diesen?

Metje Steinau: Hier treffen sich Menschen, deren Lebenssituation viele Gemeinsamkeiten aufweist. Alle haben einen Verlust erlitten. Bei manchen ist der Verlust relativ frisch, bei anderen liegt er schon länger zurück. Aber die Trauernden, die zu uns kommen, tun dies, weil sie die Lücke, die durch den Tod eines Menschen entstanden ist, sehr schmerzhaft empfinden. Manche sind nach langjähriger Ehe plötzlich alleine, andere haben keinen Menschen, mit dem sie über ihre Trauer sprechen können. Bei uns im Trauercafé treffen sie auf andere Menschen, die Ähnliches erleben. In dem geschützten Rahmen, den wir anbieten, können sich Trauernde öffnen und austauschen. Ohne Angst, anderen auf die Nerven zu gehen. Hier ist niemand, der sagt: Es ist doch nicht normal, dass du immer noch nicht darüber hinwegkommst.

Mechtild Meyer: Viele Trauernde leiden darunter, dass andere, auch Angehörige, mit ihrer Trauer nicht umgehen können, ihnen deshalb oft sogar aus dem Weg gehen. Sie empfinden den Verlust eines nahestehenden Menschen dadurch doppelt schwer. Denn sie haben einen geliebten Menschen verloren und fühlen sich in ihrem Schmerz alleine gelassen. Irgendwann fragen sie sich dann: Ist es denn überhaupt normal, dass und wie ich trauere?

BLICK aktuell: Gibt es denn die eine, die richtige, die normale Trauer? Und was geht über das ´normale: Maß hinaus?

Metje Steinau: Beim Trauern gibt es kein Richtig oder Falsch, es gibt keine Norm für Trauer. Trauern ist ein sehr individueller Prozess. Unser Ziel ist es, Menschen auf dem Weg zurück ins Leben zu begleiten.

Mechtild Meyer: Das ist richtig. Psychologen sprechen zwar von mehreren Phasen, die Trauernde durchmachen, ganz ähnlich wie Menschen, die wissen, dass sie sterben müssen, aber der Trauerweg, so nennen wir den Prozess, verläuft nicht linear. Die Phasen folgen nicht unbedingt einem verlässlichen Muster. Manche Menschen erleben das, was andere schon relativ schnell durchmachen, erst nach Jahren. Manche können früher mit dem erlittenen Verlust abschließen und kehren dann auch früher ins Leben zurück als andere. Das Eine ist so normal wie das Andere.

BLICK aktuell: Wie kann denn das soziale Umfeld in dieser Situation helfen?

Mechtild Meyer: Natürlich wäre es hilfreich, wenn das soziale Umfeld auf den Trauernden zugeht. Aber man sollte Ratschläge vermeiden, die mit „Du musst jetzt“ anfangen. Niemand muss sich in einer bestimmten Weise verhalten. Wer Ratschläge anbietet, sollte sie lieber in der persönlichen Ich-Form formulieren: „Mir hat damals geholfen“. Das setzt niemanden unter Druck. Jeder kann dann selbst entscheiden, wie und ob er einen Rat annehmen möchte.

Metje Steinau: Für Trauernde ist es ganz wichtig, dass sie ein Gefühl für das entwickeln können, was ihnen in ihrer Lebenssituation gut tut. Gut tut es aber auf jeden Fall, wenn man soziale Kontakte sucht und sich nicht abkapselt.

BLICK aktuell: Wann kommen denn die Menschen zu Ihnen ins Trauercafé?

Metje Steinau: Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Hospizverein werden die Angehörigen inzwischen sehr früh auf uns aufmerksam. Oft vergeht aber eine ganze Weile, bis die Menschen zu uns finden. Zuerst hat man ja auch viel zu tun, es gibt Trauerbesuche, und man empfindet die entstandene Lücke noch nicht so stark. Aber wenn die Besuche seltener werden und man sich mit seiner Trauer alleingelassen fühlt, weil andere sagen „ Jetzt muss es aber mal gut sein“ , kommen die Menschen zu uns. Männer, die ihre Frau verloren haben, finden übrigens schneller den Weg zu uns. Frauen wiederum tun sich leichter damit, über ihre Gefühle zu sprechen.

BLICK aktuell: Und was erwartet die Menschen bei Ihnen?

Metje Steinau: Ein geschützter Raum, in dem manchmal geweint und manchmal gelacht wird, eine gedeckte Kaffeetafel und selbst gebackener Kuchen! Zwei ehrenamtliche, durch den Hospizverein geschulte Mitarbeiterinnen sind immer dabei. Sie bereiten die Treffen vor, backen den Kuchen. Aber wir geben keine Themen vor. Jeder kann ansprechen, was ihn beziehungsweise sie besonders beschäftigt. Zurzeit kommen im Durchschnitt 14 bis 18 Trauernde zu uns. Dann teilen wir uns auf mehrere Tische auf, damit ein enger Austausch möglich wird. Wer mehr Unterstützung braucht und größeren Gesprächsbedarf hat, bekommt das auch.

BLICK aktuell: Haben sich auch schon neue Beziehungen in Ihrem Kreis entwickelt?

Mechtild Meyer: Wir sind definitiv keine Partnerschaftsvermittlung, aber wir freuen uns, dass sich unter den Besuchern engere Kontakte entwickelt haben. Einige Besucher treffen sich auch außerhalb des Cafés häufiger. Das ist ja genau das, was wir erreichen möchten: Dass Trauernde zurück ins Leben finden!

Das Trauercafé Mayen ist ein gemeinsames Angebot der evangelischen Kirchengemeinde, der katholischen Pfarreien im Dekanat Mayen-Mendig und von Hospiz e.V. Region Mayen an jeden ersten Freitag im Monat von 16 bis 18 Uhr im Gemeindesaal der Ev. Kirchengemeinde, Im Trinnel 21, Mayen. Weitere Trauertreffs in der Region: Trauertreff„ des Hospizvereins Rhein- Ahr e.V. in Bad Neuenahr und Adenau; Trauercafé des Neuwieder Hospiz in Neuwied; Trauercafé “Sonntagsfrühstück für Trauernde„ vom Koblenzer Hospizverein.

Mechtild Meyer rät Trauernden, sich auf ihrem individuellen Trauerweg nicht verunsichern zu lassen.

Mechtild Meyer rät Trauernden, sich auf ihrem individuellen Trauerweg nicht verunsichern zu lassen.

Mechtild Meyer will trauernden helfen. -BE-

Mechtild Meyer will trauernden helfen. Fotos: -BE-

Sie organisieren das Trauercafé gemeinsam seit 2009: Pfarrerin Metje Steinau und Mechtild Meyer (v.l.).

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