Allgemeine Berichte | 21.08.2023, 12:30 Uhr

Innenminister Michael Ebling trifft sich mit Betroffenen der Flutkatastrophe

Innenminister Ebling besuchte das Ahrtal

Treffen mit Winzern und Bauern- und Winzerverband in der Klosterruine Marienthal. Es ging um die Weinwirtschaft an der Ahr und die Bedeutung des Tourismus für das Tal. Foto: Uli Adams
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Ahrtal. Um die enge Verzahnung zwischen Weinwirtschaft und Tourismus, um einen besseren Schutz von öffentlicher Infrastruktur und privaten Gebäuden vor Starkregenereignissen wie im Juli 2021 und die Stimmung im Tal ging es beim jüngsten ganztägigen Besuch von Innenminister Michael Ebling im Ahrtal. Dabei traf er sich mit Winzern in Marienthal, Gastronomen in Dernau, Familien in Heppingen, die gerade in ihr neu aufgebautes oder saniertes Haus eingezogen sind und in der Ahrweiler Fußgängerzone mit Einzelhändlern und Touristen. Begleitet wurde Michael Ebling vom Leiter des Verbindungsbüros für den kommunalen Wiederaufbau, Thomas Weimer. Seine Eindrücke fasste der Minister am Abend so zusammen: „Wir haben schon für jeden sichtbar viel erreicht. Wir sind aber auch in einer Phase, in der viele an der Zukunft arbeiten, sie ist aber noch nicht für alle sichtbar ist. Und das Neue soll ja auch anders wieder entstehen.“

Etwa bei den Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr, die in den nächsten Jahren 19 Millionen Euro in seine drei Standorte investieren will. Neu bauen an anderer Stelle will auch eines der renommiertesten Weingüter an der Ahr, das Dernauer Weingut Meyer-Näkel. Seniorchef Werner Näkel gehört zu den Pionieren, die den Rotweinen von der Ahr zu internationalem Ruf verhalfen, heute leiten die Töchter Maike und Dörte Näkel das Weingut mit rund 23 Hektar Anbaufläche. Was die eigenen Pläne angeht, finden noch Abstimmungen mit Kommune und Behörden angeht. Was die Zukunft des Ahrtals angeht, ist Dörte Näkel überzeugt: „Das Ahrtal wird schöner als es vorher war, es wird eine Vorzeigeregion.“

„Gutes Gespräch“

Von einem guten Gespräch am Runden Tisch in der Klosterruine Marienthal spricht abschließend Rudolf Mies, Geschäftsführer des Weingutes Kloster Marienthal. Zu den Teilnehmern gehörten auch Vertreter verschiedener Winzergenossenschaften, Winzer sowie Repräsentanten des Bauern- und Winzerverbandes. Mies schildert den Kraftakt, den die Winzer zu meistern hätten: „Wieder- und Neubau müssen wir gemeinsam mit dem Tagegeschäft stemmen, das fordert uns alle bis zu Belastungsgrenze.“ Er spricht die enge Verzahnung von Weinwirtschaft und Tourismus an, denn bei vielen Betrieben spiele die Direktvermarktung vor Ort eine bedeutende Rolle. Deshalb drängt er auf mehr Tempo etwa beim Radewegebau oder der Wiederherstellung von Wanderwegen. Auch der Flächenverlust durch die Flut und staatliche Reglementierungen durch Bund und EU, etwa beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, machen den Winzern zu schaffen. Sorgen und Nöte, die Ebling mit nach Mainz nimmt, um sie ressortübergreifend an seine Kabinettskollegen weiterzuleiten.

In die Zukunft denken. Dieser Haltung begegnet Ebling bei der Mittagsrast im Dernauer Hofgarten der Familie Näkel. Es ist einer der ersten Gastronomiebetriebe, die nach der Flut wieder am Start waren. „Es geht nach oben, aber wir sind weit entfernt von 2019“, sagt Hartwig Näkel. Den Geist, mit dem seine Familie den Wiederaufbau angeht, wird in einem weiteren Satz deutlich: „Die Flut ist erst zwei Jahre und nicht schon zwei Jahre her.“

Besuch im Neubaugebiet

Im Neubaugebiet Landskroner Straße in Heppingen trifft Minister Ebling Familien, die ihre Häuser mit hohen Auflagen wiederaufgebaut haben. Rund 70 schmucke Einfamilienhäuser waren im dortigen Neubaugebiet entstanden. Das erste Haus war 2019 errichtet worden, kurz vor der Naturkatastrophe war das jüngste Haus gerade erst bezogen worden. Als die Flutnacht über Heppingen und das Ahrtal hineinbrach, wurden alle Häuser vor einer Wassermasse von 3,80 Metern Höhe umspült. Viele Gebäude hielten dem nicht stand. Fünf Todesopfer forderte die Katastrophe in diesem Bereich. Heute stehen viele Häuser auf Betonsockeln oder auf Stelzen. Es gibt keine Keller mehr.

Eine mehrstufige Treppe führt auch zur Haustür der Familie Schrading in der Wilhelm-Söller-Straße, die gerade mit dem Einzug ins neue Haus beschäftigt ist. Angst hier wieder zu leben, haben die Schradings nicht mehr. „Das ist unser Zuhause, unsere Heimat“, sagt Annika Schrading. Das Geschehene zu verarbeiten, habe sie dank der großen Unterstützung geschafft, die sie durch die Heppinger Dorfgemeinschaft in den vergangenen zwei Jahren erlebt haben. Sie dankt besonders Ortsvorsteher Klaus Kniel und seinen Helfern. Aber auch den Maltesern und ihrer Fluthilfe. Ahr-Koordinator Michael Kaufmann und der Deutschland-Chef Wolfgang Heidinger gehören mit zur Besuchsdelegation bei den Schradings und versichern allen Betroffenen, dass man sie weiter ideell und bei Bedarf auch finanziell unterstützen wird.

Rundgang durch Ahrweiler

Zum Abschluss informiert sich Michael Ebling bei einem Rundgang durch die Ahrweiler Altstadt über den dortigen Stand des Wiederaufbaus. „Schön, dass es wieder so viele Geschäfte gibt“, freut sich der Innenminister angesichts der zahlreichen Neueröffnungen, die es in den vergangenen Wochen in Ahrweiler gegeben hat. Auch in Ahrweiler betont Ebling bei seinen Gesprächen. „dass die Aufmerksamkeit für das Ahrtal nicht nachlässt. Die Landesregierung bleibt ganz dicht dran an den von der Flutkatastrophe heimgesuchten Menschen.“ Man werde weiter aufs Tempo drücken. Allerdings seien auch zahlreiche Vorhaben noch in der Planungsphase und nicht gleich sichtbar. Es gelte zudem, mit großer Sorgfalt und mit Bedacht den Wiederaufbau und Neuanfang im Ahrtal umzusetzen. Sowohl der Klimaschutz, der Hochwasserschutz als auch der Gewässer- und Uferschutz erforderten einen durchdachten und keinen übereilten Aufbau. „Ich verstehe, dass dabei die Geduld der Menschen hin und wieder auf eine harte Probe gestellt wird. Jeder darf sich aber sicher sein: Wir arbeiten an der Zukunft.“

Pressemitteilung der

Entwicklungsagentur

Rheinland-Pfalz e.V.

Treffen mit Winzern und Bauern- und Winzerverband in der Klosterruine Marienthal. Es ging um die Weinwirtschaft an der Ahr und die Bedeutung des Tourismus für das Tal. Foto: Uli Adams

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