Allgemeine Berichte | 10.03.2025

Spuren des 2. Weltkriegs im Gebiet der heutigen Verbandsgemeinde Weißenthurm

LSR: Drei Buchstaben erinnern an eine schlimme Zeit

Horst Hohn bei einer Ortsführung im vergangenen Jahr an einem Gebäude in der Kettiger Dobenstraße, an welchem noch die Aufschrift „LSR“ gut sichtbar ist. Fotos: Hohn

VG Weißenthurm. Abkürzungen gibt es viele, doch diese drei Buchstaben sind weitgehend in Vergessenheit geraten: „LSR“. Wer genau hinsieht, findet die Abkürzung noch an wenigen älteren Häusern in unserer Region. Doch die einst weißen Schriftzüge sind vielerorts verblasst. Sie zu lesen und zu deuten, war vor rund 80 Jahren überlebenswichtig: Die Abkürzung „LSR“ steht nämlich für das Wort „Luftschutzraum“. Bei seinen Stadtführungen weist der Mülheim-Kärlicher Gästeführer Horst Hohn immer wieder auf Häuser hin, wo man die Buchstaben noch findet. „Das Thema ist in gewisser Weise leider wieder aktuell. Aufgrund der weltpolitischen Ereignisse wird derzeit im Rahmen des Bevölkerungsschutzes darüber diskutiert, ob es ausreichend Bunker und Schutzräume gibt“, so Horst Hohn.

Nicht nur in seiner Heimatstadt, sondern auch in den weiteren Orten der VG Weißenthurm findet man gelegentlich noch die Schriftzüge. Ein besonders gutes Beispiel befindet sich an einem sogenannten Krotzenhaus in der Kettiger Dobenstraße.

Im Zweiten Weltkrieg sei es auch wichtig gewesen, nicht nur die Schutzräume im Umkreis seines Wohnhauses zu kennen, betont Hohn. Luftalarm wurde zu praktisch jeder Zeit ausgelöst: sowohl tagsüber als auch nachts. Insofern haben sich die Menschen auch in fremder Umgebung sicherheitshalber umgeschaut, bevor man zum Beispiel dort in die Gastwirtschaft ging oder Freunde und Bekannte besuchte.

Luftschutzräume für die Zivilgemeinde gab es in Kellern, die nach damaligen Verhältnissen massiv und großzügig gebaut waren. Zum Kennzeichnen entsprechender Räume mit „LSR“ hat man gelegentlich Phosphor in die Farbe gemischt, damit die Buchstaben in der Nacht erkennbar waren.

Der Schutz in den örtlichen Luftschutzräumen war jedoch in keinster Weise mit den Bunkeranlagen vergleichbar. „Ein wenig Schutz war für die Bevölkerung aber besser als überhaupt keinen Schutz“, so Hohn.

Er kennt schlimme Beispiele dafür, dass die Bevölkerung in den Kellern nur vermeintlich einen sicheren Schutz fand: Aufgrund der beiden Rheinbrücken zwischen Weißenthurm und Neuwied (Hermann-Göring-Brücke) sowie zwischen Urmitz und Engers (Kronprinz-Wilhelm-Brücke) waren insbesondere zum Jahreswechsel 1944/1945 häufig Bomber am Himmel unterwegs. Durch die Zerstörung der Brücken wollten die Alliierten den Nachschub der deutschen Truppen abschneiden.

Am 6. Januar 1945 tötete eine Bombe in der Urmitzer Hauptstraße 18 insgesamt sieben Menschen, die sich dort in einem Keller aufgehalten hatten. Ein Stück der Bombe, die das Anwesen traf, ist eines der Ausstellungsstücke im „Örmser Museum“.

Furchtbar und schrecklich war auch ein Angriff auf Weißenthurm am Neujahrstag 1945: Nachdem es bereits vormittags mehrere Warnungen gab, luden gegen 13.20 Uhr rund 30 bis 35 Flugzeuge ihre Bombenfracht über Weißenthurm ab. Es gab unter anderen Volltreffer in der Nette-Brauerei. In den dortigen großen Kellerräumen hatten rund 200 Menschen Zuflucht gesucht. Aufgrund mehrerer Treffer in der Nähe brach dort Panik aus. Viele flüchteten nicht über den regulären Zugang, sondern über Nebenräume. In diesem Bereich war jedoch eine Amoniak-Leitung beschädigt worden. Durch das frei gewordene Gas erlitten die Menschen lebensbedrohliche Vergiftungen. Das Zellgift sorgte dafür, dass noch eine Woche nach dem Angriff Menschen starben. Ein weiterer Volltreffer wurde in einer Weißenthurmer Gastwirtschaft verzeichnet, in welcher rund 80 ukrainische Arbeiterinnen untergebracht waren. 17 Frauen überlebten den Angriff nicht. Allein in Weißenthurm kamen bei diesem furchtbaren Ereignis am Neujahrstag 1945 insgesamt 87 Personen ums Leben, darunter 28 Kinder. Die wenigen Stellen, an denen man in unserer Heimat noch die Abkürzungen „LSR“ findet, sind Erinnerungen an eine furchtbare Zeit. Kurios ist, wie man in Ostdeutschland die drei Buchstaben nach dem Krieg umgedeutet hat: „Lerne schnell russisch“.

Vor 80 Jahren, am 9. März 1945, wurde die Kronprinz-Wilhelm-Brücke zwischen Urmitz und Engers gesprengt. Ein Gedenkstein in den Urmitzer Rheinanlagen erinnert an das schlimme Ereignis.

Vor 80 Jahren, am 9. März 1945, wurde die Kronprinz-Wilhelm-Brücke zwischen Urmitz und Engers gesprengt. Ein Gedenkstein in den Urmitzer Rheinanlagen erinnert an das schlimme Ereignis.

Weitere Themen

Horst Hohn bei einer Ortsführung im vergangenen Jahr an einem Gebäude in der Kettiger Dobenstraße, an welchem noch die Aufschrift „LSR“ gut sichtbar ist. Fotos: Hohn

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

UNKEL LIEST 2026: Vorlesefestival in Unkel

  • Sylke Masson: Der Bücherflohmarkt findet in der katholisch öffentlichen Bücherei im Pfarrheim im Corneliaweg 3 statt.
  • Christa Jobelius : Das ist der alte Brunnen vor den Römerthermen, wo früher das braune Breisiger Wasser floß. Dieser Brunnen wurde von der Familie Schuh vor ihrem Bäderhaus errichtet.
  • Karl Frings: Mit ihrer Gegendarstellung schildern sie in bemerkenswerter Weise, womit sich die Gemeinde nach ihrem Zuzug 2009 alles beschäftigen musste. Letztendlich nur um Ihr Ziel, die Beseitigung, der Linde zu erreichen.
Dauerauftrag 2025
Holz Loth-Entsorgung
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Rund ums Haus "Baustellen / Wertstoffhöfe"
Sonderseite 3 - Heddesdorfer Pfingstkirmes 150 Jahre
Minijob Reinigungskraft
Kirmes Mertloch 2026
Stand in Weibern
Empfohlene Artikel
Quelle: Emons Verlag
96

Westerwald. Der Westerwald hat den Ruf, ein besonders kalter und karger Landstrich im Westen Deutschlands zu sein, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Doch weit gefehlt! Dass es auch ganz anders geht, zeigen die Autoren Daniel Robbel (Sinzig) und Horst Hohn (Mülheim-Kärlich) auf ganz charmante Art. Zwischen Rhein, Lahn, Dill und Sieg trifft man auf blühende Natur, spannende Kultur und einen besonderen Menschenschlag.

Weiterlesen

Das ist der kleine Anton - er wird sehr vermisst! Foto: privat
585

Bendorf. In der BLICK aktuell-Serie „Tierisch vermisst: Wir finden Deinen Liebling auf vier Pfoten“ unterstützen wir Menschen, die ihr entlaufenes Haustier suchen. Seitdem der kleine, neugierige Anton verschwunden ist, ist für die Familie Opper aus Bendorf nichts mehr wie es war. Der junge Kater wird schmerzlich vermisst, und die Familie wünscht sich nichts sehnlicher, als ihren Anton wieder zu schmusen.

Weiterlesen

Schienenerneuerung bei Weißenthurm.
176

Weißenthurm. Im Rahmen des bundesweiten Programms „Deutschland braucht eine starke Schiene“ führt die Deutsche Bahn AG Schienenerneuerungen auf der Linken Rheinstrecke durch. In Weißenthurm finden die Arbeiten vom Donnerstag, 16. April, bis Donnerstag, 23. April 2026 (durchgehend) statt. Während dieser Zeit kann es zu erhöhter Lärm- und Staubbelastung kommen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
A61 bei Niederzissen: Personen auf der Fahrbahn
155

Defektes Fahrzeug auf dem rechten Fahrstreifen

A61 bei Niederzissen: Personen auf der Fahrbahn

Niederzissen. Auf der A61 in Richtung Koblenz befindet sich zurzeit ein defektes Fahrzeug auf dem rechten Fahrstreifen. Zudem befinden sich Personen auf der Fahrbahn. Dies meldet der ADAC. Die Gefahrenstelle liegt zwischen Niederzissen und der Raststätte Brohltal West. BA

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: ROB
113

Rennerod. Am Freitagabend (15.05.2026) gegen 20:58 Uhr beabsichtigte eine Streifenwagenbesatzung der Polizeiinspektion Westerburg, in der Hauptstraße in Rennerod einen braunen Ford einer Verkehrskontrolle zu unterziehen. Der Fahrzeugführer missachtete jedoch die Anhaltesignale und versuchte, sich der Kontrolle zu entziehen.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag Imageanzeige
Imageanzeige Werbeplan 2026
Dauerauftrag 2026
Titelanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Titelanzeige
Anzeige Filiale Andernach
Stellenanzeige
Kirmes Mertloch 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Sommernacht im Pfarrhof Dieblich
Pfingstwaldfest in Bachem, 24. - 25.05.26
Neueröffnung in Bad Neuenahr
Anzeige Filiale Ahrweiler
Stellenausschreibung: Betriebshof
Stellenanzeige Servicekraft  + Reinigungskraft
Anzeige KW 20