Allgemeine Berichte | 20.01.2024, 14:08 Uhr

Gute Ansätze, aber finanzierbar müssen sie sein

Notfallreform: KV RLP-Vorstand zu Lauterbachs Plänen

Pressemitteilung der KV RLP vom 18. Januar 2024

Symbolbild. Foto: Pixabay

Mainz. Das von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vorgestellte Eckpunktepapier zur Notfallreform enthält nach Ansicht des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) positive Vorschläge. Einige Punkte sind jedoch unrealistisch und lassen sich mit den aktuellen Gegebenheiten in der Versorgung nicht umsetzen.

Der Vorstand der KV RLP begrüßt, dass sich Karl Lauterbach in seinem Eckpunktepapier für eine bedarfsgerechte Steuerung der Patientinnen und Patienten in die richtige Versorgungsebene ausspricht. „Dies praktizieren wir bereits erfolgreich im Patientenservice 116117, in dem medizinisch ausgebildetes Personal mithilfe des zertifizierten Medizinprodukts SmED (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland) eine Ersteinschätzung und damit eine Steuerung der Anrufenden vornimmt. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht und können uns nur dafür aussprechen, dass dies ausgeweitet wird“, sagt der Vorsitzende des Vorstands der KV RLP, Dr. Peter Heinz.

KV RLP-Eigeneinrichtung entlastet Notaufnahme

Eine strukturierte Ersteinschätzung kommt in Rheinland-Pfalz nicht nur im Patientenservice 116117, sondern auch in der Eigeneinrichtung der KV RLP, der Allgemeinmedizinischen Praxis am Campus (APC), zum Einsatz. „Unser Modellprojekt in den Räumen der Universitätsmedizin Mainz zeigt seit 2019 auf, wie die von Minister Lauterbach vorgesehenen Integrierten Notfallzentren (INZ) als sektorenübergreifende Behandlungsstruktur funktionieren könnten“, bemerkt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV RLP, Dr. Andreas Bartels: „Durch die in der APC erfolgende Ersteinschätzung und Patientensteuerung erreichen wir eine deutliche Entlastung der dortigen Notaufnahme.“

Rund 70 Prozent der fußläufig die Notaufnahme ansteuernden Patientinnen und Patienten werden in der APC ambulant behandelt. „Das Problem ist bisher allerdings die Finanzierung. Wir betreiben die APC defizitär. Wenn dieses Modell Schule machen und wie vom Bundesgesundheitsminister vorgeschlagen flächendeckend eingesetzt werden soll, braucht es eine andere, höhere Vergütung durch die Kassen. Mit der aktuellen Regelung ist eine solche Einrichtung auf Dauer nicht finanzierbar“, macht Dr. Bartels deutlich. Gleiches gelte für den Ausbau des Patientenservices 116117, zu dem auch die von Karl Lauterbach angesprochene Terminservicestelle gehört. „Ein Mehr an Personal in diesem Bereich bedeutet auch ein Mehr an Kosten. Es kann nicht sein, dass der Großteil über das Honorar unserer Mitglieder finanziert wird. Das ist nicht deren Aufgabe und wir können sie nicht noch mehr belasten“, macht Vorstandsmitglied Peter Andreas Staub deutlich. Eine Finanzierung über die Kassen und/oder den Gesetzgeber sei unabdingbar. 

Keine Doppelstrukturen aufbauen

Positiv kamen beim KV RLP-Vorstand die im Vergleich zu den Vorschlägen der Regierungskommission reduzierten Öffnungszeiten der INZ an. Zu begrüßen sei auch, dass man je nach Auslastung von den gesetzlich festgelegten Öffnungszeiten abweichen und sich somit am Bedarf orientiere könne. Generell müsse man jedoch die Personalknappheit im Auge behalten und Doppelstrukturen wie bei einem rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Fahrdienst dringend vermeiden.

Sollte an allen 76 rheinland-pfälzischen Krankenhausstandorten mit Notaufnahmestruktur (Quelle: Statistisches Landesamt, Stand Januar 2023) ein INZ errichtet werden, bedeutet dies eine enorme Ausweitung der derzeit bestehenden Ärztlichen Bereitschaftspraxen. „Dies ist aufgrund des immer weiter zunehmenden Ärztemangels so nicht machbar“, ist Dr. Heinz überzeugt. Daher müssten sich die Partnerinnen und Partner im Erweiterten Landesausschuss entsprechend realisierbare Lösungen überlegen. „Sowohl die Ärztinnen und Ärzte als auch das Medizinische Fachpersonal sind ein rares Gut geworden. Die Belastungen in den Praxen sind nicht nur aufgrund der hohen Patientenzahl, sondern auch wegen überbordender Bürokratie und nicht wirklich funktionierenden digitalen Anwendungen enorm hoch. Es muss darauf geachtet werden, unseren Mitgliedern und ihren Praxisteams nicht noch mehr aufzubürden“, fordert der Vorstandsvorsitzende und fasst zusammen: „Das Eckpunktepapier enthält einige gute Ansätze, die es nun zu konkretisieren und so anzupassen gilt, dass sie auch realisierbar sind. Die beiden größten Knackpunkte sind dabei die Finanzierung und die Ausstattung mit genügend qualifiziertem Personal“, fasst Dr. Heinz zusammen.

Pressemitteilung Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz

Symbolbild. Foto: Pixabay

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Imageanzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
Dusch WC
Rund ums Haus
Dauerauftrag
Imageanzeige Dauerauftrag 09/2025
Kirmes Ettringen 2026
Kirmes Ettringen 2026
Empfohlene Artikel
(von links) Pascal Rowald, Jan Ritter und Peter Diewald im großen Sitzungssaal des Rathauses.  Foto: GS
367

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bekommt einen neuen Ersten Beigeordneten. Jan Ritter wird Peter Diewald ablösen, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. Ritter wurde vor großem Publikum unter Sitzungsleitung von Bürgermeister Pascal Rowald in dessen erster Sitzung als Stadtchef im zweiten Wahlgang zum Stadt-Vize gewählt. 21 von 36 Ratsmitglieder haben für den 46-Jährigen gestimmt, der für die CDU im Kreistag von Ahrweiler sitzt.

Weiterlesen

Die Junggesellen freuen sich auf unvergessliche fünf Tage. Foto: privat
147

Bad Bodendorf. Der Sinziger Stadtteil Bad Bodendorf steht wieder ganz im Zeichen der traditionellen Kirmes. Der Junggesellenverein (JGV) Bad Bodendorf lädt von Freitag, 4. September, bis Dienstag, 8. September 2026, zu fünf abwechslungsreichen Festtagen ein. Rund um den Kirmesplatz erwartet die Besucher ein buntes Programm für Jung und Alt, musikalische Unterhaltung und zahlreiche traditionelle Höhepunkte.

Weiterlesen

11

Unkel. Offenes Mitmach-Singen veranstaltet vom Kirchenchor des Seelsorgebereichs Unkel von 19 bis 20 Uhr auf dem Gelände des Christinenstifts in Unkel – bei schlechtem Wetter in der Kapelle - als Mitgestalter eines bundesweit von hunderten Chören gemeinsam ausgerichteten Liederabends anlässlich des Einheitsfestes. Liedrepertoire von altem Volksliedgut bis zu bekannten Liedern neuerer Interpreten, die für Freiheit und Frieden stehen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor.Foto: St. Nikolaus-Stiftshospital/Holger Lindner
1138

Rheinland-Pfalz bestätigt breites medizinisches Leistungsspektrum und stärkt das St. Nikolaus-Stiftshospital als wichtigen Standort

Krankenhaus Andernach geht gestärkt aus neuer Leistungsgruppenzuteilung hervor

Andernach. Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor. Durch die zugewiesenen Leistungsgruppen werden rund 99,5 Prozent des bisherigen Leistungsspektrums vollständig abgebildet. Das Krankenhaus sowie der Träger, die Stiftung St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach, sehen darin die hohe medizinische Qualität und breite Expertise des Hauses bestätigt.

Weiterlesen

04.09.: Nickenich: Schwerer Verkehrsunfall: Motorradfahrer kollidiert mit Anhänger
857

Nickenich. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der L 118 zwischen Andernach und Kruft. Der Fahrer eines Wohnmobils, das mit einem Anhänger unterwegs war, befuhr die Strecke von Nickenich in Richtung Mendig. In der Nähe eines Schotterparkplatzes entschied er sich, das Gespann über die Gegenfahrbahn zu wenden. Genau in diesem Moment kam ein Motorradfahrer entgegen und kollidierte mit dem Anhänger.

Weiterlesen

Symbolbild.
730

Ulmen. Am Freitag, den 4. September 2026, ereignete sich gegen 00:10 Uhr im Einmündungsbereich der B259 und K2 in der Ortslage Ulmen ein schwerer Verkehrsunfall zwischen zwei Personenkraftwagen. Nach bisherigem Erkenntnisstand befuhr ein Autofahrer die B259 von Ulmen in Richtung Auderath. Ein anderer Fahrer befand sich auf der K2 und wollte nach links auf die B259 abbiegen. Im Einmündungsbereich kam es dann aufgrund einer Vorfahrtsmissachtung zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge.

Weiterlesen