Allgemeine Berichte | 16.03.2023

Seit 40 Jahren besteht die Theatergruppe Westum 1983

Schon vor 100 Jahren wurden in Westum die Bühnenbretter bespielt

Gewohnt turbulent ging es 2018 bei „Currywurst und Kaviar“ zu.  Fotos: HG

Westum. Wie schnell doch vier Jahrzehnte vergehen. So lange ist es her, dass die Theatergruppe Westum 1983 e. V. ins Leben gerufen wurde. Am 15. April des Jahres 1983 gründeten 14 Spielbegeisterte die Laienschar. Wie Irmgard Kohzer sich erinnert, präsentierten sie und Mitinitiatorin Monika Schneider, die sich vom Mütterverein (heute KFD) und Möhnenverein her kannten, ihre Idee beim Müttercafé: „Wäre es nicht schön, nicht nur Sketche, wie bei der KG, sondern ein abendfüllendes Stück aufzuführen?“ Frühe Mitstreiter waren Herbert Schneider, Günter und Renate Schneider, Ignatz Gemein, Rolf Schäfer, Marion Holberg, Sigrid Kraus, Johannes Brohl, Alfred Senkbeil, Klaus Nonn, Walter Briel sowie Günter Gemein als Regisseur.

40 Jahre und kein bisschen leise ist die Truppe. Das zeigte sich zuletzt, als 2022 die Komödie „Love & Peace im Landratsamt“ im Saal „Herges“ der Gaststätte „Zur Post“ in Westum über die Bühne ging. Den Anfang aber machte 1984 „Die Ersatzbraut“, eine Aufführung, die der Mütterverein mit 200 D-Mark vorfinanzierte. Als Kohzer für BLICK aktuell in der Chronik blättert, denkt sie daran, „dass wir fürs erste Stück acht Monate gebraucht haben, weil einer der Hauptdarsteller eine Arbeit gefunden hatte, die ihm keine Zeit für die Proben ließ“.

Dann jedoch fluppte es: „Die Leute waren total begeistert und wir hatten eine gute Presse“. Der Elan reichte sogar, um 1984 als zweites Stück noch „Der geplatzte Strohwitwer“ zu inszenieren. Munter folgten 1985 „Familienkrach im Doppelhaus“, 1986 „Mit Küchenbenutzung“, 1987 „Der schwarze Koffer“ und 1988 „Der Meisterboxer“. Dieses durch das Kölner Millowitsch-Theater bekannte Lustspiel gab die Gruppe zu ihrem 20-jährigen Bestehen erneut. Sechs Mal hat sie es 2003 aufgeführt. Es ist Kohzers Lieblingsstück. Von „Currywurst & Kaviar“ (2018) in dem Adel und Geldadel aufeinanderprallen, ist sie ebenfalls angetan. Eigentlich gefallen ihr sämtliche Stücke. Denn: „Wir haben die ja alle ausgesucht.“

Heiteres mit Lokalkolorit

Nach der Pandemie konnte die Theatergruppe feststellen, dass die Besucher richtig ausgehungert waren. So schlug „Love & Peace im Landratsamt“ wie ein „Knaller“ ein, sagt Kohzer. Dem heiteren Fach ist die Gruppe stets treu geblieben. 41 lebhafte Stücke haben die Mimen bislang zur Aufführung gebracht, gerne mit Lokalkolorit gewürzt, was Spieler und Zuschauer gleichermaßen erfreut. Zwar reizt es Irmgard Kohzer, auch einmal einen Krimi auszuprobieren. Doch damit steht sie alleine da. Es wird also bei den Lustspielen bleiben.

Wie Sinzigs ehemaliger Stadtarchivar Wolfgang Dietz 2008 im Heimatjahrbuch schreibt, reicht die Theaterarbeit in Westum noch weiter zurück und war vormals getragen durch verschiedene Ortsvereine. Schon in den 1920ern engagierte sich der Gesangverein, nach 1945, als die Theaterbegeisterung in vielen Dörfern um sich griff, die Feuerwehr und zwischen 1947 bis 1960 die Junggesellen. Die früheren Darsteller scheuten sich übrigens nicht, ein dramatisches Schauspiel wie „Das Kreuz im Moor“ und das heroische Volksstück „Schinderhannes“ auf die Theaterbretter zu bringen.

Bademantel spielt mit

Eine Bühne hatte man aus Langenfeld erhalten. Auch das Seniorenstift Augustinum überließ den Westumern ein großes Bühnenbild. Doch wie an die passenden Kostüme kommen? Verschiedene Wege wurden beschritten. „Wenn die Stücke in den 20er und 30er Jahre spielten, haben wir Kleidung vom Kostümverleih besorgt.“ Zudem greift die Theatergruppe auf einen Fundus zu. „Oder wir leihen uns etwas privat“. Auf die eigenen Textilien wird natürlich auch zurückgegriffen. Kohzer: „Der Bademantel von meinem Mann hat schon paarmal mitgespielt.“

Heute zählt die Westumer Theatergruppe 15 aktive Schauspieler. Hans-Hubert Decker, seit 1985 dabei, blickt auf 36 Auftritte zurück. Die Initiatorinnen Monika Schneider und Irmgard Kohzer traten 32- und 25-mal auf die Bretter, alles genau festgehalten im gut geführten Internetauftritt. In jedem Jahr verzeichnet man auch eine „katastrophale Probe“ und „ein paar Klöpse“ habe es durchaus gegeben, „aber wir haben immer spielen können“, betont Kohzer. Sie möchte das Theater mit allem Drum und Dran nicht missen: „Das Stück finden, in die Rolle schlüpfen, proben, hinarbeiten zum Erfolg, das macht einfach Spaß“, erklärt sie. Ihren Zusammenhalt stärken die Mitglieder mit Wanderungen und auf dreitägigen Touren, die sie etwa nach Brüssel, Paris, Emden, Wernigerode und ins Elsass führten.

Sozial und zuversichtlich

Nicht nur durch ihre Aufführungen erfreut die Gruppe, sondern sie engagiert sich auch mit Geldspenden für Soziales und Projekte der Dorfgemeinschaft. Nach dem Generationenwechsel an der Spitze 2022 ist aktuell Wolfgang Staus Vorsitzender, Daniela Dedenbach zweite Vorsitzende und Schriftführerin, Dirk Hausen Kassierer und Caroline Sommersberg Elisa Arzdorf sind Beisitzer. Das 40. Vereinsjahr soll im Sommer von einem Extra gekrönt werden. Einige junge Männer könnte die Theatergruppe noch gebrauchen, sowohl um bestimmte Rollen zu besetzen, als auch für hinter die Bühne.

Damit die Darbietung vorne wie am Schnürchen läuft, engagierten sich hinter den Kulissen zuletzt Christine Alfter und Maria Briel (Souffleuse), Klaus Nonn und Toni Alfter (Beleuchtung), Werner Heinz (Bühnenbau), Klaus Milbradt (Bühnenbild), René Zerwas (Ton) sowie Doris Effelsberg und Mira Schneider (Maske). Was die Zukunft der Theatergruppe angeht, so ist Wolfgang Staus zuversichtlich: „Wir planen, den 50. Geburtstag zu erleben.“ HG

„Im Tal der Suppen“, 1983: Patrick Briel (v. l.), Hans-Hubert Decker, Sandra Schlagwein, Britta Mink und Uli Schäfer. Foto: Theatergruppe Westum

„Im Tal der Suppen“, 1983: Patrick Briel (v. l.), Hans-Hubert Decker, Sandra Schlagwein, Britta Mink und Uli Schäfer. Foto: Theatergruppe Westum

„Der Meisterboxer“, 1988: Irmgard Kohzer (v. l.), Monika Schneider, Alfred Senkbeil, Günter Gemein, Hans-Hubert ecker. Foto: Theatergruppe Westum

„Der Meisterboxer“, 1988: Irmgard Kohzer (v. l.), Monika Schneider, Alfred Senkbeil, Günter Gemein, Hans-Hubert ecker. Foto: Theatergruppe Westum

Aufführung „Das Hörrohr, 1989: Monika Schneider (v. l.), Ignatz Gemein, Silke Balthasar, Walter Briel, Hans-Hubert Decker und Wilfried chneider. Foto: Theatergruppe Westum

Aufführung „Das Hörrohr, 1989: Monika Schneider (v. l.), Ignatz Gemein, Silke Balthasar, Walter Briel, Hans-Hubert Decker und Wilfried chneider. Foto: Theatergruppe Westum

„Love & Peace im Landratsamt“, 2022: Nach dem Verzehr lustiger Kekse ist das Durcheinander perfekt.  Foto: Theatergruppe Westum

„Love & Peace im Landratsamt“, 2022: Nach dem Verzehr lustiger Kekse ist das Durcheinander perfekt. Foto: Theatergruppe Westum

Gewohnt turbulent ging es 2018 bei „Currywurst und Kaviar“ zu. Fotos: HG

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