Der Vereien Ahrlotsen e.V. will helfen - Vorsitzende: „Was mir manche Vereine berichten, erinnert an die Odyssee um den Passierschein A38 bei Asterix und Obelix.“

Sportvereine im Ahrtal fühlen sich im Stich gelassen

Sportvereine im Ahrtal fühlen sich im Stich gelassen

Die Sportstätten im Ahrtal sind größtenteils zerstört. Foto: privat

21.12.2021 - 10:02

Kreis Ahrweiler. Monate nach der Flutkatastrophe steht im Ahrtal kein Fußballtor, kein Tennisnetz, kein Basketballkorb. Auch sonst gibt keine Möglichkeit vor Ort, Sport zu treiben. Die Menschen - vor allem die Kinder und Jugendlichen - blicken nach dem verheerenden Hochwasser auf kaputte Straßen, unbewohnbare Häuser und auch zerstörte Sportplätze. Das will der Verein ahrlotsen e.V. gemeinsam mit den Sportvereinen im Ahrtal ändern! Die Vereine haben sich unter der Aktion #vereintdievereine zusammengeschlossen und wollen gemeinsam den Wiederaufbau angehen.


Als Mitbegründer der Initiative sind unter anderem die Vereine HTC Bad Neuenahr 1920 e.V., TV06 Bad Neuenahr e.V., TC Bad Bodendorf e.V., SV Hönningen e.V. (auch in Vertretung für die SG Ahrtal) und der SV Altenahr e.V. dabei. Die zusammengeschlossenen Vereine trafen sich aufgrund der pandemischen Situation erstmals am 14. Dezember in einer Videokonferenz und besprachen, wie sie gemeinsam Vorgehen möchten, um den Wiederaufbau zu schaffen und für die Menschen an der Ahr wieder Sport- und Freizeitmöglichkeiten anbieten zu können. Es ging zunächst darum sich untereinander kennenzulernen und um den Austausch zur aktuellen Lage vor Ort. Egal, ob kleiner Verein oder viele Mitglieder, egal, ob Fußball, Tennis oder Mehr-Sparten-Sport - Die Befürchtungen der Vereine sind die gleichen: Wenn der Wiederaufbau nicht schnell gelingt, gehen die Mitglieder verloren und ein Wiederaufbau wird unmöglich. Der Attraktivität des Ahrtals wird dies immens schaden.

Doch woran liegt es? Warum kann der Wiederaufbau nicht direkt in Angriff genommen werden? Auch mehr als fünf Monate nach der Flutkatastrophe im Ahrtal und in weiteren Gebieten in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen mahlen die Mühlen der öffentlichen Verwaltung an vielen Stellen sehr langsam. Während z. B. die SG Ahrtal schon gemeinsam mit allen vier betroffenen Gemeinden (Hönningen, Insul, Schuld, Dümpelfeld), dem Sportbund und der ISE (Institut für Sportstättenentwicklung) ein entsprechendes Konzept für den Neuaufbau erstellt und auch genehmigt bekommen hat, gibt es bei vielen anderen Vereinen Gesprächsbedarf. „Was mir manche Vereine berichten und ich vor Ort mitbekomme, erinnert mich immer wieder an die Odyssee um den Passierschein A38 bei Asterix und Obelix. Die Vereine werden von A nach B geschickt und keiner sieht sich final verantwortlich eine Entscheidung zu Wiederaufbau und Finanzierung zu treffen.“ erklärt Isabel Haunhorst, Vorsitzende des ahrlotsen e.V. Daher hat der Verein die Initiative #vereintdievereine ins Leben gerufen. „Wir wollen die Vereine unterstützen, nicht nur mit Geld- und Sachspenden, sondern vor allem durch die übergreifende Koordination von Zusammenarbeit und Austausch unter den betroffenen Sportvereinen. Denn dafür fehlt den Verantwortlichen, die oft auch im Privaten vom Hochwasser betroffen sind, schlichtweg die Zeit.“ Wichtig ist allen Beteiligten der Aktion #vereintdieverine gemeinsam mit den Verantwortlichen der öffentlichen Verwaltung zu arbeiten und nicht gegeneinander.

Die Sportvereine begrüßen die Aktion und arbeiten untereinander gut zusammen. Der eine kann beim ISB-Antrag helfen, der andere hat gute Kontakte zu Stadtverwaltung oder dem Kreis. So greift man sich gegenseitig unter die Arme und geht die anstrengende Zeit des Wiederaufbaus gemeinsam an. Markus Bleffert vom SV Altenahr ist von Anfang an bei der Aktion mit dabei und freut sich über den guten Austausch: „Wir haben alle ähnliche Probleme, auch wenn Besitzverhältnisse der Sportanlagen und Zuständigkeiten durch die verschiedenen Behörden unterschiedlich sind. Alle stehen aber vor den gleichen Fragen, ob überhaupt und wenn ja, wie wiederaufgebaut werden darf, wer die Kosten trägt, wie man die verschiedenen Anträge von Baugenehmigung bis Finanzierung stellt.“

Neben den Städten, Orts- und Verbandsgemeinden, dem Kreis Ahrweiler und dem Land Rheinland-Pfalz spielen hier auch die ISB (Strukturfond RLP), das ISE und die Sportbünde eine Rolle. Viele Beteiligte, aber wer die Verantwortung trägt, ist häufig noch unklar. Gute Kontakte und lösungsorientierter Austausch auf der einen Ebene ist nicht ausreichend, wenn die anderen Akteure nicht mitmachen.

„Wir hoffen auch größere Vereine außerhalb der Flutgebiete für unsere Aktion zu gewinnen. Zum einen um mehr Spenden zu generieren, zum anderen um die Aufmerksamkeit auf die Situation im Ahrtal zu bringen.“ sagt Marc Lüke, Mitglied des ahrlotsen e.V. Er hat dafür schon Kontakt zu größeren Fußballverbänden geknüpft und steht unter anderem im regelmäßigen Austausch mit dem Vorsitzenden des Kreisverbands Gelsenkirchen vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen e.V. Christian Fischer. Auch der Freiburger Kreis, der Zusammenschluss der größten deutschen Sportvereine, hat seine Hilfe zugesichert.

Wichtig ist, dass der politische Wille bewiesen wird, dass Ahrtal wieder bewohnbar und attraktiv für Bewohner und Gäste zu machen. Ministerpräsidentin Dreyer versprach in ihrer Rede „Wir wollen ein Ahrtal der Zukunft aufbauen“ – und zu einer lebenswerten Zukunft gehört auch ein Freizeitangebot – und damit auch der Sport.

Neben der Stärkung des Zusammenhalts zwischen den Vereinen, sollen über die Aktion #vereintdievereine auch Spenden gesammelt werden, die dann gleichmäßig auf alle Vereine und je nach Bedarf aufgeteilt werden. So sollen auch kleinere, unbekanntere Vereine profitieren, die bislang keine eigenen Spenden erhalten haben. Da die Förderung für Vereine ebenso wie für Privatpersonen nur 80 Prozent der Kosten beträgt, fallen für die Vereine hohe Kosten an. Diese sollen durch die Spenden abgefangen werden. Auch sollen dadurch Übergangslösungen bis zum Aufbau der ursprünglichen Sportanlagen finanziert werden. Weitere Informationen unter ahrlotsen.de.

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Kommentare

Tempo 30 für Andernach?

Katie:
Aufgrund des desolaten Zustandes sämtlicher Straßen im Innenstadtbereich kann man sowieso vielerorts keine 50 km/h fahren, weil man sich dann sein Fahrzeug auf Dauer "zerschießt". Ich als mitten in der Stadt lebende Anwohnerin hoffe seit über 25 Jahren (!!!), dass hier mal was passiert und zum Beispiel...
juergen mueller:
Ist immer wieder eine Freude zu lesen, mit welchem Einfallsreichtum man sich mit dem Ausschmücken der deutschen Sprache bedient, anstatt ein Problem einfach, kurz u. bündig, auf den Punkt zu bringen. Nadeln im Heuhaufen. Darauf muss man erst einmal kommen. Da werden sich diejenigen aber freuen, deren...
Hans-Joachim Schneider:
Es ist schön, dass Optimismus im Ahrtal wieder Platz hat. Das ist wohl die wichtige Botschaft dieses Artikels. Die genannten Ideen sind ja alle nicht neu, sondern waren auch schon vor der Flut in den Köpfen derer, denen das Ahrtal und seine touristische Zukunft am Herzen liegt. Allerdings sind Hängeseilbrücken...
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