Weinbergsmauern in Walporzheim müssen saniert werden

Willi Beu: Das ist für uns Winzer aus der privaten Schatulle nicht leistbar

Willi Beu: Das ist für uns Winzer aus
der privaten Schatulle nicht leistbar

Als vertrauensbildende Maßnahme wird in den Lagen „Im Rotzenberg“ und „Im Elzchestale“ ein erstes privates Mauerstück in den Steillagen saniert. Willi Beu erklärt die Baustelle in Walporzheim.Foto: Löhr

31.10.2016 - 12:20

Walporzheim. Ein sich langweilig anhörender Tagesordnungspunkt mit viel Brisanz stand unter dem Titel „Sonderprojekt Sanierung der Weinbergsmauern Walporzheim“ im Mittelpunkt der Sitzung des städtischen Bad Neuenahrer Landschaftspflegeausschusses. Dabei ging es in Wirklichkeit um Millionen Euro - und das in Walporzheim.

Die maroden Weinbergmauern müssen saniert werden. Es geht in Wirklichkeit um Millionen Euro. Und es trifft besonders die Winzer, die tief in ihre schmalen Taschen greifen müssen. „Die Vorbereitung der Sanierung hat jetzt ein Ende gefunden, wir sind bereit zu starten“, eröffnete Christoph Platen vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) die Debatte. Platen ist für das mit 3,7 Millionen Euro kalkulierte Verfahrens zuständig. „Im Jahr 2017 werden wir für die allgemeine Mauersanierung die Zielgerade erreichen und fertig“, sagte er.

Die private Trockenmauersanierung soll daher jetzt erst so richtig beginnen. Neue Finanztöpfe seien aufgetan worden, die es möglich machten, den Kostenanteil der Winzer zu verringern. Eine Förderung von 90 Prozent der Kosten, aber auch die Eintragung einer Grunddienstbarkeit, löschbar nach 30 Jahren, sowie ein Eigenanteil von zehn Prozent seien vorgesehen. Die Stadt schießt zehn Jahre lang 60.000 Euro jährlich zu den Baukosten zu.

Die Arbeiten werden unter der Regie des Verbandes der Teilnehmergesellschaften (VTG) ausgeführt, der über einen entsprechenden Maschinenpark verfügt. So soll eine gleichbleibende Qualität der Arbeiten gewährleistet werden. Es geht um die Mauersanierung in den Weinbergen oberhalb von Walporzheim. Rund 30 Hektar gewachsener Kulturlandschaft und über 400 Winzer sind von der Maßnahme betroffen.


Bis 20 Terrassen übereinander


Seit dem zehnten Jahrhundert findet Weinbau in Steillagen mit 27,4 Kilometern Trockenmauern und einer Sanierungsfläche von rund 20.000 Quadratmetern allein bei Walporzheim statt. Die Kosten einer Sanierung oder die Erneuerung der Weinbergmauern betragen zwischen 800 und 1000 Euro je Quadratmeter. Es liegen manchmal 16 bis 20 Terrassen übereinander.

Gesamtkosten von etwa 18 Millionen Euro kommen auf die Winzer zu. Die terrassierten Weinberge liegen übereinander und sind in der Regel nur über einen Weg erschlossen. Die Bearbeitung der Weinberge ist daher nur in mühsamer und zeitaufwendiger Handarbeit machbar. Ein Einsatz von Maschinen ginge nur, wenn mehr Verbindungswege durch den Berg führen würden. Die Bewirtschaftung der Weinbergterrassen ist daher nur fußläufig über teilweise marode Treppenlagen möglich.

Das heißt: Auch alle Lasten in diesen Terrassen müssen bis zu diesem Weg mit Körperkraft bewegt werden. „Einerseits sollen wir die über 1000 Jahre alte Kulturlandschaft Terrassenweinanbau erhalten sowie Flora und Fauna schützen, andererseits und gleichzeitig sollen wir Winzer aber auch Wein zu bezahlbaren Preisen verkaufen“, sagt Willi Beu, Vorsitzendender der Teilnehmer-Gemeinschaft Walporzheim,

Die Hauptlast des Verfahrens tragen die Grundstückseigentümer. Ihre Arbeitsbelastung sinkt nicht. Aus Sicht von Beu entzieht sich das Land seiner Verantwortung, in dem es die Umsetzung seiner eigenen Planungsziele, nämlich die Erhaltung der einzigartigen Kulturlandschaft, den Winzern überlässt. „Ein Unding“, findet Beu. „Das Verfahren sollte im Wesentlichen auch dazu dienen, eine Verbesserung der Bewirtschaftung der Weinberge zu erreichen.“

Er war daher auch im städtischen Rathaus anwesend. Und er bezog vorm Landschaftspflegeausschuss der Stadt deutlich Stellung: „Das ist für uns Winzer als Anlieger aus der privaten Schatulle nicht leistbar. Wir sind enttäuscht, wie teilweise mit uns umgegangen wird.“ Er sprach dabei für rund 400 Geländeeigentümer, denn dringend benötigte neue Wege werden nicht gebaut. Es wird bei der Bewirtschaftung der Steillagen mit mühsamen Auf- und Abstieg über alte und teilweise eingebrochene Treppensteige im Berg bleiben. Die Winzer sollen ohnehin zehn Prozent der Gesamtkoten von 3,7 Millionen Euro schultern und eine Grunddienstbarkeit ins Grundbuch eintragen lassen. Das bedeutet, dass sie verpflichtet sind, die Mauern in ihrer Gesamtheit zu erhalten und zu hegen und zu pflegen.


60.000 Euro im Jahr


Der Erste Beigeordnete Detlev Koch, der die Ausschusssitzung leitete, stellte erstmals konkrete finanzielle Hilfen in Aussicht. Die Stadt schießt zehn Jahre lang je 60.000 Euro jährlich zu den Baukosten zu. Als vertrauensbildende Maßnahme ist in den Lagen „Im Rotzenberg“ und „Im Elzchestale“ ein erstes privates Mauerstück in den Steillagen saniert worden. Das DLR und der TG-Vorstand haben einen Vergabekatalog mit Kriterien aufgestellt, um die Reihenfolge der Sanierung festzulegen.

Beu mahnt, den einzelnen Winzer, den Mensch, der die Kulturlandschaft geschaffen hat, sie erhält und auch mit „Herzblut“ pflegt, nicht zu vergessen. Das gelte es allen anderen Interessen unterzuordnen. Aus seiner Sicht sieht er den Erhalt dieser einmaligen Terrassenlandschaft dann gefährdet, wenn der Winzer mit dieser Aufgabe allein gelassen wird. „Bund und Land haben kaum Unterstützung gegeben. Die Winzer müssen nun mit dem Hut herumgehen und sammeln. Tolles Verfahren“, schimpfte er.

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