Oldtimertreffen Koblenz
Oldtimertreffen und Kultursalon am Deutschen Eck in Koblenz
aus Düsseldorf
Koblenz. Am echten Deutschen Eck fand am Samstag ein besonderes Ereignis statt.
Das 5. Oldtimertreffen zeigte bei Eintritt frei im Blumenhof zwischen Museum Ludwig, Kastorkirche und dem Architektenbüro von Alexander von Canal einige der schönsten Modelle der europäischen Automobilgeschichte.
Das gute Wetter und die außergewöhnlichen Young- und Oldtimer zogen zahlreiche bewundernde Blicke auf sich. Von Jaguar bis Mercedes Benz, Bentley, Porsche, Lotus bis Volvo, BMW – Ente und Käfer war alles dabei.
Ein Salon bildet
Kurz nach 11 Uhr eröffnete die Leitung des Kultursalon Koblenz die Veranstaltung mit einer Begrüßung und einer historischen Einführung zum Ort. Im Mittelpunkt stand der Deutsche Orden, der 1190 während des Dritten Kreuzzuges in Akkon bei Haifa als Gemeinschaft für Pflege und Bildung gegründet wurde. Er führte dort ein kleines Hospital, ein Ort der Nächstenliebe und Menschlichkeit und, er trug den Namen Ordo fratrum domus hospitalis Sanctae Mariae Teutonicorum in Jerusalem. Der Deutsche Orden spielte später eine wichtige Rolle bei der Verbreitung deutscher Sprache und Kultur im mittel- und osteuropäischen Raum. Die Gäste erhielten so zugleich eine kleine Geschichtsstunde zur Entstehung und Bedeutung des Deutschen Ecks und wie es zum Namen und der Identität Deutschland kam.
Das Kreuz und seine Folgen
Auch das bekannte Tatzenkreuz des Deutschen Ordens wurde thematisiert. Seine Form wirkte über Jahrhunderte hinweg prägend und fand später unter anderem Eingang in verschiedene militärische und staatliche Symboliken, bis hin zur Bundeswehr, dem Eisernen Kreuz. Die Gäste erfuhren an diesem Tag viel über die Geschichte von Koblenz und die kulturgeschichtliche Bedeutung des Deutschen Ordens.
Limousinen und Stilikonen
Ein besonderer Blickfang war der schwarze Bentley von 1964. Das Fahrzeug beeindruckte mit ausklappbaren Schreibtabletts und einem Lesepult. Der dunkelrote Mercedes-Benz von Herrn Starke beherbergte sogar ein tragbares Grammophon. Aufgelegt wurde Zarah Leander „Es wird einmal ein Wunder geschehen“ von 1942. Selbst das Autoradio des Mercedes aus dem Jahr 1950 funktionierte noch einwandfrei. Zum Classic Talk erschien Herr Starck zudem mit einer Flasche Wein und passenden Gläsern. Flexibel wie der Kultursalon nun einmal ist, wurde er spontan in die Gesprächsrunde aufgenommen.
Die Expertenrunde
Die Gäste des Classic Talks der Salongründerin und Moderatorin Petra Lötschert waren der DEUVET-Präsident und frühere Leiter der Motorenentwicklung bei Volkswagen in Wolfsburg, Dr. E. Pott, der Restaurator und Maschinenbaufachmann C. Gotthardt, der Oldtimer-Vermieter für Rhein und Mosel A. Comes sowie der Architekt und Besitzer des historischen Deutschen Ecks, Alexander von Canal. Gesprochen wurde über den Boom der Oldtimer während der Pandemie, den anschließenden Preisrückgang sowie über die Zukunft des Verbrennungsmotors. Auch neue Kraftstoffe und alternative Antriebskonzepte standen im Mittelpunkt der Diskussion.
Oldtimer lieben neue Kraftstoffe
Dr. Pott, der zuvor Frau Lötschert mit einem Rennfahrer-Snack versorgt hatte, berichtete über aktuelle Entwicklungen bei Wasserstoff, E-Fuels und alternativen Kraftstoffen. Dabei erläuterte er, welche klimafreundlichen Möglichkeiten künftig sowohl für historische als auch moderne Verbrennungsmotoren bestehen. Neben Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen wurden auch Biogas und andere Technologien auf ihre Wirkung angesprochen. 2025 bedeutet kein aus für den leistungsstarken, bislang unübertroffenen Verbrennungsmotor. Besonders interessant war der Hinweis, dass die ersten Otto-Motoren sogar mit Leuchtgas betrieben wurden. Die Geschichte alternativer Antriebe ist also deutlich älter, als viele heute vermuten. Gerne hätte Architekt und Bauingenieur von Canal seinen Sohn bei diesem Gespräch gehabt, der fuhr jedoch an diesem Samstag ein Rennen für Porsche auf dem Nürburgring in der Eifel.
Noch echtes Design
Zu den Publikumslieblingen gehörte selbstverständlich auch der VW Käfer Cabriolet, das wohl bekannteste Brot-und-Butter-Automobil Deutschlands. Sein unverwechselbares Design stammt von Ferdinand Porsche. Ebenso bewundert wurde eine Citroën 2CV, die legendäre „Ente“, in ihrem charakteristischen französischen Farbton: Bleu Céleste. Dr. Pott erschien mit einem dunkelroten Buckel-Volvo von 1953, der mit einem ungewöhnlichen außen angebrachten Sonnenschutz ausgestattet war. Die Oldtimergarage Gotthardt präsentierte zudem einen silbernen Jaguar SS100, gebaut zwischen 1936 und 1940, den der Gründer der Jaguarwerke in UK persönlich für. Entwickelt wurde dieses Modell vom Jaguar-Gründer Sir William Lyons (1901 bis 1985). Heute gehört die Marke Jaguar zum indischen Tata-Konzern.
Heilige Maria
Die erste Auto-Maria der Welt kommt aus Koblenz und wurde an diesem Wochenende erneut vom Kultursalon Koblenz verliehen. Herr Rodenberg aus Neuwied, Mitglied der IG Young-Oldtimer und Kollege von A. Stenzel, durfte das Fahrzeug auswählen, das die Auszeichnung erhalten sollte. Seine Wahl fiel auf einen weinroten Mercedes-Benz aus dem Jahr 1950 aus Andernach. Ausschlaggebend waren nicht allein der hervorragende Pflegezustand des Wagens, sondern auch die besonderen Geschichten rund um seinen Besitzer. Dieser hatte den ursprünglichen Benzinmotor gegen einen Dieselmotor austauschen lassen, um Brandgefahr zu reduzieren. Darüber hinaus schenkte er seinen Kindern jeweils einen Oldtimer, damit sie früh lernten, Verantwortung zu übernehmen und den Wert eines Automobils zu schätzen. Die AUTO-MARIA wurde von Petra Lötschert in einer Rosenschachtel überreicht. Die Figur ist handgeschnitzt aus Tiroler Ahornholz, von Hand bemalt und mit goldenen Konturen versehen. Eine Maria, die nur Glück bringen kann. Im Innern der Rosenbox stand „ … mit ihr ist keine Scheidung möglich“, unterschrieben von allen Talkgästen.
Ein marianischer Tag am echten Deutschen Eck
Alles in allem war es ein marianischer Tag hinter der Kapelle des Deutschen Ordens, im Blumenhof zwischen Deutschherrenhaus, Kastorkirche und dem historischen Deutschen Eck auf dem Areal von Alexander von Canal. Hier, fernab des touristischen Kaiser-Wilhelm-Denkmals und touristisch als Deutsches Eck bezeichnet bezeichnet, verbanden sich Automobilgeschichte, die Kulturgeschichte Koblenz und die des Deutschen Ordens sowie persönliche Begegnungen zu einem besonderen Ereignis. Der Kultursalon Koblenz dankt allen Gästen, Helfern und Mitwirkenden für ihren Einsatz – für die Gestaltung dieses außergewöhnlichen Tags - www.kultursalonkoblenz.de . Er war ein Geschenk an alle.
AUTOMARIA. Der Preis geht an Herrn Starck und seinen Benz von 1950. Foto: P. Lötschert
Die AUTOR MARIA ein besonderer Preis aus Koblenz für die Oldtimer-Freunde der Region. Foto: P. Lötschert
Das Siegerauto 2026 vom 5. Oldtimer-Treffen in Koblenz. Preisgeber Kultursalon Koblenz. Foto: P. Lötschert
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Blick auf das touristische Deutsche Eck. Foto: P. Lötschert