Kultur und Geschichte | 08.05.2025

Eine Straße wird zum Freiluftmuseum

Die bewegte Geschichte der Greener Mühlen

Die Apparate der Mühle sind für jeden zugänglich.Fotos: ROB

Green. Wer durch die Nikolaus-Bahles-Straße im kleinen Ortsteil Green schlendert, wird ganz zwangsläufig seinen Blick auf die vielen Apparaturen am Wegesrand richten. Dort stehen die großen und kleinen Überbleibsel, die an das Müllerhandwerk erinnern, dass in Green eine lange Tradition hat. Heute stehen dort noch zwei Mühlen: Zum einendie recht bekannte Ölmühle und zum anderen eine Kornmühle. Seit vielen Jahren wird dort kein Öl mehr gepresst und auch kein Mehl mehr produziert, aber heute präsentiert sich das Areal als kleines Freiluftmuseum, dass die Betrachter in längst vergangene Zeiten versetzt.

Denn die Geschichte der Greener Mühle hat einen jahrhundertealte Tradition. Im Jahre 2028 wird man das 550-jährige Jubiläum begehen können und die Gebäude sind stumme Zeugen der wechselhaften Geschichte des Ahrtals. So setzten in der Geschichte nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen der Landschaft zu, sondern auch katastrophale Hochwässer. Die Greener Mühlen wurden insgesamt achtmal von den Fluten der Ahr zerstört. Ein Schicksal, dass auch die heute noch stehende Ölmühle betraf. Nach einer solchen Überflutungen wurde die dortige Mehlmühle wieder aufgebaut um die Ölmühle erweitert. Das war im Jahr 1638. Und das bildete den Beginn einer Handwerkstradition, die bis ins späte 20. Jahrhundert fortgesetzt wurde.

Dass die Ölmühle etwas Besonderes war und ist, ist besonders Nikolaus Bahles aus Bad Hönningen zu verdanken, der mit seinem Namen Pate für die Straße in Green stand und die Mühle übernahm. Bahles war Mühlenbauingenieur und ersetzte 1939 die alten Wasserräder durch zwei mittelschächtige Turbinen. Man ging also mit dem modernen Zeitgeist. Die alten Wasserräder sind jedoch nicht verloren. Eines der Greener der Mühlräder ging nach Ahrweiler an die bekannte Schicks Mühle. Dort ist das Rad auch heute noch zu sehen.

Ein Ingenieur mit Tatendrang

Der Modernisierungsdrang des Nikolaus Bahles nahm weitere Gestalt an und der Betrieb war ein florierendes Wirtschaftsunternehmen. Seinerzeit herrschte eine völlig andere Infrastruktur. Überall in der Region wurde deutlich mehr Landwirtschaft betrieben. Die Bauern aus der Umgebung gaben ihr Korn zum Mahlen in der Mühle ab, dass schließlich an die vielen Bäckereien geliefert wurde – Großbäckereien wie sie heute bekannt sind, waren zu der damaligen Zeit undenkbar.

Auch die Ölmühle wurde eine bedeutende Einrichtung für die Bevölkerung, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 herrschte auch in Green und Heimersheim immense Not an Nahrungsmitteln. Und gerade fetthaltigen Produkten kam eine besondere Bedeutung bei. Doch auch in der Produktion des Öls hinterließ der Krieg spuren. Das bisher gepresste Raps war im Nachkriegsdeutschland wie so viele Rohstoffe Mangelware. Doch die Greener waren kreativ: Kurzerhand pressten sich das Öl aus Bucheckern um die Nachfrage zu decken. Diese Früchte sammelte man per Hand ein. Dazu legte man Planen unter Buchen aus und schüttelte die Bäume kräftig. Selbst für damalige Verhältnisse war Bucheckernöl etwas besonders, aber sicherlich nicht erste Wahl. Für die Bevölkerung war es dennoch enorm wichtig um den täglichen Bedarf an Kalorien zu decken. Ein Problem mit dem regen Handel hatten jedoch die französischen Truppen, die den Ort besetzt hielten. Mit Töpfen, Pfannen, Wannen und Flaschen strömten die Einwohner zur Mühle um sich ein, zwei Liter Öl abzuholen. Dieser Schwarzhandel störte zwar die Franzosen, letztendlich ließen sie es doch durchgehen. Übrigens: Das Fett wurde nicht nur zum Eigenbedarf verwendet, sondern stellte sich als außerordentlich beliebtes Tauschprodukt heraus.

Eine ganz besondere Speise

Rapsöl wird auch noch in der heutigen Küche verwendet. Doch es gab einige Unterschiede wie Manfred Dernbach, Ölmüller im Ruhestand und Verwalter des Mühlenareals, erklärt. „Das damalige Öl war nicht raffiniert“, sagt Dernbach. „Und somit auch nicht transparent, wie wir es aus dem Supermarkt kennen.“ Stattdessen war es eine tiefbraune Flüssigkeit mit hohem Wasseranteil. Erhitzte man es in der Pfanne, spritze das Wasser krachend heraus. Das war nicht die einzige Besonderheit: Auch der Geschmack soll laut Dernbach etwas ganz besonderes gewesen sein. Gerade dann wenn es für die Zubereitung der urtypischen Speisen des Ahrtals wie Döppekooche verwendet wurde.

So beliebt das Öl aus Raps auch war, konnte es dem Druck durch die Konkurrenz nicht stand halten. In den 70er-Jahren wurde Sojaöl von internationalen Anbieter immer populärer. Diesen Mitbewerbern hatten die Greener nur wenig entgegenzusetzen. Deshalb setzte man in der Endphase der Ölmühle auf andere Produkte. Man ließ Fleischereiabfälle aus, um daraus Rinderfett zu erhalten.

Von den Jahrhunderten zeugen nun die vielen Überbleibsel des Müllerhandwerks am Straßenrand. Hier gibt es Mühlsteine einen Kollergang und vieles mehr zu Bestaunen. Manfred Dernbach erzählt gerne über die wechselvolle Geschichte – schließlich hat er als Müller auch selber noch mitangepackt. Und Dernbach ist immer noch fleißig: Heute stellt er in den Hinterräumen selber Vogelfutter, wie beispielsweise Meisenknödel, her.

ROB

Dieser Kollergang bietet eine Blick in eine andere Zeit.

Dieser Kollergang bietet eine Blick in eine andere Zeit.

Überall in der Nikolaus-Bahles-Straßen finden sich Erinnerungen an das Müllerhandwerk

Überall in der Nikolaus-Bahles-Straßen finden sich Erinnerungen an das Müllerhandwerk

Eine Büste des bekannten Mühlenbauingeneurs Nikolaus Bahles.

Eine Büste des bekannten Mühlenbauingeneurs Nikolaus Bahles.

Weitere Themen

Die Apparate der Mühle sind für jeden zugänglich. Fotos: ROB

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Bahnhof Engers wird barrierefrei

  • Gitta Meyer: Und wenn nur 2 ode 3 Menschen leicht an dem Zug ran und reinkommt ist es das wert. Ich habe einen Mann ,der behindert ist,und im Rollstuhl sitzt. Da sind mir die Mäuse egal. Es kann sich keiner vorstellen ,wenn.man nicht selbst betroffen ist.
  • Hildegard DÖTSCH : Wurde im Vorfeld geprüft, wieviel beeinträchtige Menschen täglich den Bahnhof/ die Züge nutzen würden/wollen? Die Rodung bringt eine Vielzahl an Vögel, die in den Birken lebten in Bedrängnis. Auch Kleintiere, Eidechsen, Mäuse etc.

Neuwied: Gesunde Bäume sollen gefällt werden

  • Inge: Unmöglich das so was in der heutigen Zeit in der das Thema Umweltschutz, Kimaschutz, Artenschutz ect. angeblich so groß geschrieben wird .Die Begründungen die Bäume zu fällen sind so was von daneben und anders zu klären.
  • Sandra Schneider: Das sehe ich auch so, das macht den Ychulhof auch nicht größer. Es wäre sehr schade um die alten Bäume.
  • Sven : Typisch Neuwied alte Bäume fällen un kleine neu pflanzen. Lastt die alten großen stehen.

Initiative "Rettet die Alte Post" in Rheinbach

  • Lukas Wegberg: Drin war ich noch nie, aber der Außenbereich dieses Etablissements ist nebst Bahnhof der einzige unästhetische Fleck in der gesamten Stadt, der mir spontan einfällt. Dass die Kneipe nun einer anderen...
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag Imageanzeige
Eröffnungsanzeige - für WZ, AS
Schnitzelbuffet MK
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Sachbearbeiter
Kurse Feb. + März
TRIPLE CHALLENGE
Wir helfen im Trauerfall
Stellenanzeige Klimaschutzmanager
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel

Auf schneeglatter Fahrbahn krachten die Autos ineinander

15.02.: Westerwald: Sieben Verletzte nach zahlreichen Unfällen

Rengsdorf. Am Sonntag, 15.02.2026, kam es gegen 19:50 Uhr auf der B 256 in Fahrtrichtung Rengsdorf zu insgesamt sechs Verkehrsunfällen. Nach dem Passieren des Landschaftstunnels Rengsdorf gerieten sechs Pkw infolge schneeglatter Fahrbahn nacheinander ins Schleudern und kollidierten miteinander beziehungsweise mit den Schutzplanken. Sieben Personen erlitten leichte Verletzungen. Sechs nicht mehr fahrbereite Fahrzeuge wurden durch Abschleppunternehmen geborgen.

Weiterlesen

Jahreshauptversammlung des Tus Hausen

Ergänzungswahl und Ehrungen

Hausen. Die Jahreshauptversammlung des Tus Hausen ist auf den Freitag, 27. Februar 2026 um 19.30 Uhr im Sportlerheim in Hausen terminiert. Alle Mitglieder und interessierten Bürger sind herzlich eingeladen.

Weiterlesen

Zwei Verletzte und mehrere Strafanzeigen sind die Bilanz dieser Karnevalsfete

15.02.: Westerwald: Stress bei After-Zug-Party endet im Krankenhaus

Höhr-Grenzhausen. Im Rahmen der After-Zug-Party auf dem Platz „Ferbach“ in Höhr-Grenzhausen wurden mehrere Körperverletzungsdelikte gemeldet. Einsatzkräfte der Polizei sowie des Ordnungsamtes waren vor Ort. Es wurden mehrere Strafanzeigen aufgenommen und Platzverweise erteilt.

Weiterlesen

DA bis auf Widerruf
Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Dauerauftrag
Image Anzeige
Dauerauftrag 2026
Wir helfen im Trauerfall
Lernfux
Junior Sales Manager
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
Wahlanzeige 1 von 6
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Stellenanzeige Rechtsanwaltsfachangestellte-/Bürokraft in Teilzeit
Techniker
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0102#
Stellenanzeige SHK-Anlagenmechaniker u. Kundendienstmonteur
Celtic Rhythmus