Eine Straße wird zum Freiluftmuseum
Die bewegte Geschichte der Greener Mühlen
Green. Wer durch die Nikolaus-Bahles-Straße im kleinen Ortsteil Green schlendert, wird ganz zwangsläufig seinen Blick auf die vielen Apparaturen am Wegesrand richten. Dort stehen die großen und kleinen Überbleibsel, die an das Müllerhandwerk erinnern, dass in Green eine lange Tradition hat. Heute stehen dort noch zwei Mühlen: Zum einendie recht bekannte Ölmühle und zum anderen eine Kornmühle. Seit vielen Jahren wird dort kein Öl mehr gepresst und auch kein Mehl mehr produziert, aber heute präsentiert sich das Areal als kleines Freiluftmuseum, dass die Betrachter in längst vergangene Zeiten versetzt.
Denn die Geschichte der Greener Mühle hat einen jahrhundertealte Tradition. Im Jahre 2028 wird man das 550-jährige Jubiläum begehen können und die Gebäude sind stumme Zeugen der wechselhaften Geschichte des Ahrtals. So setzten in der Geschichte nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen der Landschaft zu, sondern auch katastrophale Hochwässer. Die Greener Mühlen wurden insgesamt achtmal von den Fluten der Ahr zerstört. Ein Schicksal, dass auch die heute noch stehende Ölmühle betraf. Nach einer solchen Überflutungen wurde die dortige Mehlmühle wieder aufgebaut um die Ölmühle erweitert. Das war im Jahr 1638. Und das bildete den Beginn einer Handwerkstradition, die bis ins späte 20. Jahrhundert fortgesetzt wurde.
Dass die Ölmühle etwas Besonderes war und ist, ist besonders Nikolaus Bahles aus Bad Hönningen zu verdanken, der mit seinem Namen Pate für die Straße in Green stand und die Mühle übernahm. Bahles war Mühlenbauingenieur und ersetzte 1939 die alten Wasserräder durch zwei mittelschächtige Turbinen. Man ging also mit dem modernen Zeitgeist. Die alten Wasserräder sind jedoch nicht verloren. Eines der Greener der Mühlräder ging nach Ahrweiler an die bekannte Schicks Mühle. Dort ist das Rad auch heute noch zu sehen.
Ein Ingenieur mit Tatendrang
Der Modernisierungsdrang des Nikolaus Bahles nahm weitere Gestalt an und der Betrieb war ein florierendes Wirtschaftsunternehmen. Seinerzeit herrschte eine völlig andere Infrastruktur. Überall in der Region wurde deutlich mehr Landwirtschaft betrieben. Die Bauern aus der Umgebung gaben ihr Korn zum Mahlen in der Mühle ab, dass schließlich an die vielen Bäckereien geliefert wurde – Großbäckereien wie sie heute bekannt sind, waren zu der damaligen Zeit undenkbar.
Auch die Ölmühle wurde eine bedeutende Einrichtung für die Bevölkerung, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 herrschte auch in Green und Heimersheim immense Not an Nahrungsmitteln. Und gerade fetthaltigen Produkten kam eine besondere Bedeutung bei. Doch auch in der Produktion des Öls hinterließ der Krieg spuren. Das bisher gepresste Raps war im Nachkriegsdeutschland wie so viele Rohstoffe Mangelware. Doch die Greener waren kreativ: Kurzerhand pressten sich das Öl aus Bucheckern um die Nachfrage zu decken. Diese Früchte sammelte man per Hand ein. Dazu legte man Planen unter Buchen aus und schüttelte die Bäume kräftig. Selbst für damalige Verhältnisse war Bucheckernöl etwas besonders, aber sicherlich nicht erste Wahl. Für die Bevölkerung war es dennoch enorm wichtig um den täglichen Bedarf an Kalorien zu decken. Ein Problem mit dem regen Handel hatten jedoch die französischen Truppen, die den Ort besetzt hielten. Mit Töpfen, Pfannen, Wannen und Flaschen strömten die Einwohner zur Mühle um sich ein, zwei Liter Öl abzuholen. Dieser Schwarzhandel störte zwar die Franzosen, letztendlich ließen sie es doch durchgehen. Übrigens: Das Fett wurde nicht nur zum Eigenbedarf verwendet, sondern stellte sich als außerordentlich beliebtes Tauschprodukt heraus.
Eine ganz besondere Speise
Rapsöl wird auch noch in der heutigen Küche verwendet. Doch es gab einige Unterschiede wie Manfred Dernbach, Ölmüller im Ruhestand und Verwalter des Mühlenareals, erklärt. „Das damalige Öl war nicht raffiniert“, sagt Dernbach. „Und somit auch nicht transparent, wie wir es aus dem Supermarkt kennen.“ Stattdessen war es eine tiefbraune Flüssigkeit mit hohem Wasseranteil. Erhitzte man es in der Pfanne, spritze das Wasser krachend heraus. Das war nicht die einzige Besonderheit: Auch der Geschmack soll laut Dernbach etwas ganz besonderes gewesen sein. Gerade dann wenn es für die Zubereitung der urtypischen Speisen des Ahrtals wie Döppekooche verwendet wurde.
So beliebt das Öl aus Raps auch war, konnte es dem Druck durch die Konkurrenz nicht stand halten. In den 70er-Jahren wurde Sojaöl von internationalen Anbieter immer populärer. Diesen Mitbewerbern hatten die Greener nur wenig entgegenzusetzen. Deshalb setzte man in der Endphase der Ölmühle auf andere Produkte. Man ließ Fleischereiabfälle aus, um daraus Rinderfett zu erhalten.
Von den Jahrhunderten zeugen nun die vielen Überbleibsel des Müllerhandwerks am Straßenrand. Hier gibt es Mühlsteine einen Kollergang und vieles mehr zu Bestaunen. Manfred Dernbach erzählt gerne über die wechselvolle Geschichte – schließlich hat er als Müller auch selber noch mitangepackt. Und Dernbach ist immer noch fleißig: Heute stellt er in den Hinterräumen selber Vogelfutter, wie beispielsweise Meisenknödel, her.
ROB
Dieser Kollergang bietet eine Blick in eine andere Zeit.
Überall in der Nikolaus-Bahles-Straßen finden sich Erinnerungen an das Müllerhandwerk
Eine Büste des bekannten Mühlenbauingeneurs Nikolaus Bahles.
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