Blaulicht | 19.07.2023

Hintergründe und Erklärungen zur veröffentlichten Statistik

Koblenz: Warum ist die Rhein-Mosel-Stadt auf Platz 4 der gefährlichsten Städte?

 Foto: AP

Koblenz. In den letzten Tagen hat eine Statistik für Furore in Koblenz gesorgt: Auf Statista wurde ein deutschlandweiter Vergleich der polizeilich registrierten Straftaten in den Städten pro 100.000 Einwohner veröffentlicht. Auf Platz 4: Das beschauliche „Großstädtchen“ Koblenz mit 12.468 registrierten Straftaten. Wer sich jetzt fragt, ob Koblenz noch sicher ist, den werden die Hintergründe zu dieser hohen Fallzahl interessieren. Denn der Anstieg lässt sich insbesondere mit einem Zuwachs der Straßenkriminalität erklären, unter die u. a. auch die Sachbeschädigung durch Graffiti fällt: ganze 3.250 Fälle von Graffitistraftaten wurden im Jahr 2022 für das Stadtgebiet Koblenz erfasst. Diese Auffälligkeit lässt sich auf das Projekt „Saubere - sichere Stadt“ der Stadt Koblenz zurückführen. Diese hatte einen Graffiti-Koordinator bestellt, der alle im Stadtgebiet Koblenz an öffentlichen und privaten Liegenschaften angebrachten Graffitis bei der Polizei zur Anzeige bringt und umgehend deren Beseitigung veranlasst. Dabei werden auch kleinere „Farbschmierereien“ mit schwarzen Filzstiften, die in ihrem Kern kein Graffiti im klassischen Sinne darstellen dürften, angezeigt und in der Kriminalstatistik erfasst. Ein Erfolgskonzept der Stadt Koblenz, welches mit dafür sorgt, dass Koblenz im direkten Vergleich zu anderen Großstädten deutlich sauberer wirkt, führt jedoch auch zu mehr Anzeigen. Die Anzeigenquote beträgt so in Koblenz annähernd 100 Prozent, es wird von einem kaum merklichen Dunkelfeld ausgegangen. Dabei kann es durchaus sein, dass ein Beschuldigter mehrere Graffitis auf einer Fläche anbringt, also ein Tatentschluss vorliegt, diese aber als mehrere Taten angezeigt und schriftlich bei der Polizei vorgelegt werden. Auch so steigen die Fallzahlen weiter an. An der Fallzahl für die Straßenkriminalität gemessen machen die Graffiti-Straftaten so knapp 66 Prozent der Fälle aus, auf die Gesamtzahl der Fälle bezogen 26 Prozent. Knapp über ein Viertel der 12.468 Straftaten sind also Sachbeschädigungen in Form von Graffitis!

Andere Deliktsbereiche, die sich zahlenmäßig in der Statistik bemerkbar machen, sind auf einem ähnlichen Niveau geblieben oder leicht rückläufig. So sind etwa 2.744 Diebstahlsdelikte 2022 erfasst worden und damit weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Zusammenfassend sind also insbesondere im Bereich der Straßenkriminalität hohe Steigerungen festzustellen, durch die Koblenz auf Platz 4 des Städtevergleichs gelangt ist. Würde man die Anzahl der Graffiti-Straftaten pro 100.000 Einwohner abziehen, käme Koblenz auf insgesamt 9.218 Straftaten und wäre damit „weit abgeschlagen“ in der Liste der gefährlichsten Städte Deutschlands. Die für die Stadt Koblenz zuständige Polizeidirektion Koblenz befindet sich in einem ständigen und engen Austausch mit der Stadt Koblenz. Im gemeinsamen Dialog werden so die geeigneten Maßnahmen abgestimmt, damit die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin gut und sicher in Koblenz leben können.

Pressemitteilung Polizeipräsidium Koblenz

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Kommentare
27.07.202323:32 Uhr
Axel Schmidt

Man könnte ja jetzt auch von Schadensbegrenzung ausgehen, wenn man sich nun erklären muss, warum Koblenz einer der kriminellsten Städte Deutschlands sein soll, oder eben nicht. Einen gewissen Imageschaden trägt die Stadt schon davon, obwohl man ursprünglich ja sowas wie das subjektive "Sicherheitsgefühl" und vermeintliche Bedürfnis nach Sauberkeit bedienen wollte. Besucher*innen des etwas verschlafenen "Großstädtchens" schreckt so eine Platzierung im Ranking um die kriminellsten Städte Deutschlands eher ab, bzw. macht ja eher Angst. Sich einen Blockwart zu leisten, der die Stadt nach der noch so kleinsten Kritzelei absucht, um dann Strafanzeigen zu stellen ist schon etwas bizarr. Zudem hat die Polizei doch wichtigeres zu tun. Und es steht ja trotzdem jedem Hausbesitzer
frei Anzeige bei der Polizei zu stellen. Es gibt sinnvolleres und wichtigeres als Geld in einen "Blockwart" zu investieren, z.B. Frauenhäuser. Übrigens ist Streetart auch Kunst (Banksy) und Grau macht nichts sicherer.

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