Blaulicht | 21.11.2019, 10:56 Uhr

Fritz von Weizsäcker wurde in Berlin erstochen

Mutmaßlicher Mörder Fritz von Weizsäckers wohnt in Andernach

Die Tatwaffe kaufte er in Koblenz, bevor er mit der Bahn nach Berlin reiste, um die Familie Weizsäcker anzugreifen

Foto: Symbolbild/Pixabay
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Berlin/Andernach. Am Abend des 19. November wurde Fritz von Weizsäcker erstochen. Der renommierte Mediziner und Sohn des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker hielt einen Fachvortrag in Berlin. Ein Mann aus dem Zuschauerraum attackierte ihn mit einem Messer, der Angriff war für von Weizsäcker tödlich. Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt: Ein Polizeibeamter, der den Vortrag privat besucht hatte. Der Angreifer wurde noch am Tatort festgenommen, ihm werden Mord und versuchter Mord vorgeworfen. Nach eigener Aussage hatte er die Tatwaffe, ein Messer, in Koblenz gekauft.

Der Tathergang

Es ist Dienstag, 19. November. In der Berliner Schlosspark-Klinik findet ein öffentlicher Vortrag statt, der Titel: „Fettleber – (K)ein Grund zur Sorge?“. Es referiert Prof. Dr. med. Fritz von Weizsäcker, Chefarzt der Klinik. Die regelmäßig in Charlottenburg stattfindenden Vorträge richten sich an medizinisch interessierte Laien. Auch heute haben sich zahlreiche Interessierte eingefunden. Gegen Ende des Vortrags begibt sich ein Mann aus dem Publikum zum Podium. Er hat ein Messer, greift den Vortragenden an – er sticht ihm in den Hals. Ein Polizeibeamter, der außerhalb seines Dienstes im Publikum saß, greift ein. Er versucht, den Angreifer zu überwältigen. Der 33-Jährige wird durch das Messer schwer verletzt, ist aber mittlerweile außer Lebensgefahr. Fritz von Weizsäcker erliegt am Abend im Alter von 59 Jahren seiner Verletzung, der Stich in den Hals war tödlich.

Der mutmaßliche Täter wurde Zeugenaussagen zufolge von Gästen der Veranstaltung fixiert und noch vor Ort vorläufig festgenommen. Eine Mordkommission der Polizei Berlin hat ihn am selben Abend als Beschuldigten vernommen. Er äußerte sich zur Tat, woraufhin die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilt, das Tatmotiv liege der Aussage zufolge „nicht im höchstpersönlichen Bereich“. Vielmehr liege es in „einer wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“.

Der Beschuldigte gab an, die Tat geplant zu haben. Er habe im Internet recherchiert und sei dabei auf den Termin in der Schlosspark-Klinik gestoßen, an dem das Mordopfer sprechen sollte. Mit der Bahn sei er am Tag der Tat nach Berlin gefahren. Das Messer, mit dem er die Tat begehen wollte, habe er zuvor in Koblenz gekauft. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gegenüber BLICK aktuell.

Das Opfer

Der getötete Fritz Eckhart Freiherr von Weizsäcker, geboren 1960, war seit 2005 Chefarzt der „Inneren Medizin I“ der Schlosspark-Klinik in Berlin. In seinen Fachbereichen Innere Medizin und Gastroenterologie war er hoch angesehen, er leitete die Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie, Onkologie und Infektiologie. Seine Forschung beschäftigte sich mit der Behandlung von Hepatitis B und C. Geboren in Essen, studierte er in Bonn und Heidelberg. Er war allerdings nicht nur renommierter Mediziner, sondern entstammte auch einer bekannten Familie. In Wissenschaft und Politik haben zahlreiche Mitglieder der Familie sich einen Namen gemacht. Das soll ihm zum Verhängnis geworden sein, da als Tatmotiv Rache an der Familie angegeben wird. Fritz von Weizsäcker hinterlässt drei Kinder und seine Frau. Seine tief gläubige Schwester, Beatrice von Weizsäcker, schreibt auf Instagram: „Gib acht auf meinen Bruder“, dazu das Foto eines Kreuzes mit weißen Tauben. Auch Christian Lindner trauert um einen Freund: „Neulich noch war er bei uns zuhause zum Grillen. Ich bin fassungslos und muss meine Trauer teilen.“

Das zweite Opfer des Angriffs war ein Polizist, der dem Getöteten zu Hilfe eilte. Er wurde lebensbedrohlich verletzt.

Das Tatmotiv

Das Tatmotiv liegt der Staatsanwaltschaft zufolge in „einer wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“. Fritz von Weizsäckers Vater Richard von Weizsäcker war während der Wiedervereinigung Deutscher Bundespräsident (1984 bis 1994). Zuvor war er von 1962 bis 1966 Mitglied der Geschäftsführung des Chemie- und Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Das Unternehmen lieferte während des Vietnamkrieges Chemikalien an das amerikanische Unternehmen Dow Chemical, aus denen Agent Orange hergestellt wurde. Agent Orange wurde von den Amerikanern als Entlaubungsmittel eingesetzt, um den Vietcong-Guerillakämpfern die Tarnung zu erschweren. Der hochgiftige Stoff schädigt Kinder bereits im Mutterleib sehr schwer, es kam bis heute zu vielen hunderttausend Krankheitsfällen und Fehlbildungen. Eine Entschädigung haben die betroffenen Vietnamesen nicht erhalten, da ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Agent Orange und dem Leid der Bevölkerung nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. Die Folgen des Vietnamkrieges sind in Vietnam allgegenwärtig. Der mutmaßliche Mörder Fritz von Weizsäckers wollte sich Medienberichten zufolge an der Familie Weizsäcker dafür rächen. Fritz von Weizsäcker ist nicht das erste Familienmitglied, das aus Vergeltung angegriffen wurde.

Der Täter

Der mutmaßliche Mörder Gregor S. ist 57 Jahre alt und wohnt in einem Mehrfamilienhaus in Andernach. Als Lagerist arbeitete er in Kobern-Gondorf bei Amazon. Medienberichten zufolge lebte er isoliert, hatte nach deren aussage keinen persönlichen Kontakt zu seinen Nachbarn und empfing nie Besuch. Die Recherchen von BLICK aktuell ergaben, dass er persönliche Kontakte nach Asien pflegte. Nach bisherigem Ermittlungsstand ist er strafrechtlich zuvor nicht auffällig geworden.

Am Tag nach der Tat wurde Gregor S. psychologisch untersucht. Es wurde eine akute psychische Erkrankung festgestellt, woraufhin die Staatsanwaltschaft Berlin wegen Mordes sowie versuchten Mordes die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus beantragte. Der Unterbringungsbeschluss wurde am selben Tag erlassen.

Fritz von Weizsäcker (1960-2019) wurde in Berlin getötet. Foto: Schlosspark-Klinik

Fritz von Weizsäcker (1960-2019) wurde in Berlin getötet. Foto: Schlosspark-Klinik

Foto: Symbolbild/Pixabay

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