Allgemeine Berichte | 11.02.2026, 10:59 Uhr

NABU Hundsangen: Blick in die Natur

Unser Kulturgut Streuobstwiese erhalten – Misteln bei der Obstbaumpflege entfernen!

Die irrige Annahme die Laubholz-Mistel stünde unter Naturschutz, hat ihre Beständeso stark gefördert, dass Obstbäume, unter der Last der Misteln zusammenbrechen.
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Region. . Jetzt ist es wieder soweit: der Spätwinter und das zeitige Frühjahr sind die beste Zeit, um das hochstämmige Kernobst (Apfel und Birne) der Streuobstwiesen zu schneiden. Als Kulturpflanzen brauchen diese Bäume einen regelmäßigen Schnitt. Das erhält ihre Gesundheit und Vitalität und sichert eine regelmäßige Ernte. Ein wenig in Vergessenheit geraten ist dabei die Notwendigkeit, Misteln in der Baumkrone zu entfernen. Nicht nur die Nutzungsaufgabe, sondern auch die irrige Annahme die Laubholz-Mistel (Viscum album ssp. album) stünde unter Naturschutz, hat ihre Bestände vor allem in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und dem benachbarten Hessen so stark gefördert, dass Obstbäume, vor allem Äpfel, unter der Last der Misteln zusammenbrechen, dadurch besonders windwurfgefährdet, oder von diesem Halbschmarotzer so stark befallen sind, dass ganze Streuobstbestände vor dem absterben stehen

Nur durch konsequentes entfernen der Äste auf denen die Mistel wächst, kann man der Plage Herr werden. Voraussetzung ist natürlich, dass diese Maßnahme auch lokal flächendeckend geschieht, um die Ausbreitung einzudämmen. Führt man die Baumpflege regelmäßig durch, kann man durch Ausbrechen der Mistel verhindern, dass sie Beeren produziert und sich darüber ausbreitet. Auch wird die Mistel durch das ausbrechen über Jahre hinweg dann so geschwächt, dass sie abstirbt. Will man die Mistel nachhaltig entfernen, muss man mindestens 20 bis 30 cm unterhalb des Ansatzes der Mistel den Ast des Obstbaumes entfernen. Manche Bäume sind so stark befallen, dass dafür ein radikaler Rückschnitt nötig würde. Diesen kann man aber nur bei Bäumen vornehmen, die noch viel Vitalität besitzen. Mit Baumschnitterfahrung und Sachverstand besteht dann die Chance den Baum, manchmal für einige Jahrzehnte, wieder fit zu machen.

Im Winter rücken die Misteln dem Beobachter wieder ganz besonders ins Blickfeld. Die Blätter der meisten Apfelbäume sind abgefallen und schon geraten die mehr oder weniger stark vorhandenen Kugeln ins Auge. Häufig ist der Besatz so stark, dass meist die obere Kronenhälfte optisch geschlossen erscheint (siehe Foto). Diese Partien sind dann bereits für die Obstproduktion verloren, oftmals verabschiedet sich der Baum wenige Jahre später komplett aus der Produktion und stirbt ab. Wer also weiterhin den Streuobstbau als ökologischen Baustein und Hotspot der Artenvielfalt aber auch als Obstlieferant weiter nutzen möchte, sollte zielgerichtet die Mistel unabhängig von der Jahreszeit ausschneiden. Die „blattlose“ Zeit eignet sich aus verschiedenen Gründen natürlich am besten dazu. Die Mistel steht nach der Bundesartenschutzverordnung unter keinem besonderen Schutz.

Zur Biologie der Mistel:

Verbreitet wird die Mistel durch Vögel wie z.B. verschiedene Drosselarten. Die Vögel versuchen das samenhaltige Fruchtfleisch der klebrigen Beeren an einem Ast abzuwetzen oder scheiden die Samen unverdaut wieder aus. Auf diese Weise übertragen sie die Mistel auf die entsprechenden Wirtspflanzen. Die Mistel keimt als schmarotzender Epiphyt (Aufsitzerpflanze) auf den Ästen der bevorzugten Bäume. Ihr Wurzelsystem breitet sich in Form von „Rindenwurzeln“ im Bast des befallenen Astes aus, von denen dann Senker in das Splintholz vordringen. Die Mistel ist ein Hemiparasit (Halbschmarotzer), da sie noch selbst Photosynthese betreibt, sich aber Wasser und Nährsalze aus ihrem Wirt beschafft. Dadurch, dass sie den Wirtsbaum „anzapft“ kann sie ihn bei starkem Befall erheblich schwächen.

Leider trägt auch der alte Brauch, Mistelzweige mit Beeren als Schmuck an Haustüren zu hängen (Die Germanen waren der Überzeugung, dass der Mistelzweig sie schütze und fertigten sich zunächst Armbänder zum Schutz an. Aber auch damals wurde der Mistelzweig schon an die Tür gehängt. Dort sollte er die Bewohner des Hauses vor allem Schlechten beschützen) zur Verbreitung der Mistel bei, weil auch dort Vögel in Notzeiten die leckeren Beeren nicht verschmähen und dadurch die Mistel weiter verbreitet wird.

Pressemitteilung NABU Hundangen

Besonders befallene Bäume sind auch besonders windwurfgefährdet.

Besonders befallene Bäume sind auch besonders windwurfgefährdet.

Die irrige Annahme die Laubholz-Mistel stünde unter Naturschutz, hat ihre Beständeso stark gefördert, dass Obstbäume, unter der Last der Misteln zusammenbrechen. Foto: Marcel Weidenfeller

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