Politik | 08.07.2026

Bedrohliche Reformpläne: Krankenhäuser fürchten finanzielle Engpässe

Landräte im Widerstand: Einmütige Kritik an geplanter GKV-Reform

Mit Unverständnis, Empörung und Entsetzen haben die Landräte aus dem Norden von Rheinland-Pfalz im Rahmen ihrer jüngsten Landrätekonferenz Nord im Neuwieder Kreishaus die aktuell auf Bundesebene diskutierten Reformpläne zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Kenntnis genommen und gemeinsamen Widerstand angekündigt.

Neuwied. Die jüngste Landrätekonferenz Nord in Neuwied bot einen Schauplatz für die einhellige Ablehnung der in Berlin diskutierten Reformpläne zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Landrätinnen und Landräte aus dem Norden von Rheinland-Pfalz äußerten sich mit Unverständnis und Empörung über die Pläne, die sie als „Katastrophe“ bezeichneten. Achim Hallerbach, Vorsitzender der Landrätekonferenz Nord, fasste die Kritik der Kreise zusammen, indem er die Reform als potenziellen „Genickschlag“ für die bereits konsolidierten Krankenhäuser bezeichnete.

In Neuwied hatte Landrat Hallerbach in den vergangenen Tagen intensive Gespräche mit den Verantwortlichen der vier Krankenhäuser des Landkreises geführt. Gemeinsam mit Bürgermeister Jan Einig und Pierre Fischer, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach, besuchte er das Marienhaus Klinikum Neuwied-Waldbreitbach, um sich mit Thorsten Kopp, dem Regionalgeschäftsführer der Marienhaus-Gruppe, über die drohenden Auswirkungen der Reform auszutauschen.

Julia Gieseking, 1. Stellvertreterin des Landkreistages Rheinland-Pfalz, warnte vor einer Negativspirale. Steigende Personal-, Energie- und Sachkosten könnten nicht mehr komplett refinanziert werden, was den finanziellen Spielraum für notwendige Investitionen erheblich einschränken würde. Zudem müssten die Krankenkassen versicherungsfremde Leistungen in Milliardenhöhe erbringen, die eigentlich der Bund tragen sollte.

Die Reformpläne könnten für die Krankenhäuser im Kreis Neuwied massive finanzielle Verluste bedeuten. Kleine Kliniken stünden vor jährlichen Defiziten zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro, während mittelgroße Kliniken 3,5 Millionen Euro pro Jahr verlieren könnten. Die Marienhaus-Gruppe müsste ein Minus von etwa 6 Millionen Euro jährlich verkraften. Da alle betroffenen Krankenhäuser in freier Trägerschaft sind, droht ihnen der Verlust der Liquidität, was die Landkreise dazu zwingen könnte, als Betreiber einzuspringen und die ohnehin belasteten kommunalen Haushalte weiter zu belasten.

Landrat Hallerbach kritisierte, dass die Bundesregierung auf eine kalte Strukturpolitik setze, die die medizinische Versorgung im ländlichen Raum gefährde. Die Reform zwinge Kreise und Städte dazu, Defizite oder ganze Krankenhäuser zu übernehmen, ohne dass eine notwendige Strukturreform in Rheinland-Pfalz vollzogen worden sei. Der Zeitpunkt der Diskussion, mitten in der Sommerpause, erschwere die Abstimmungsprozesse zusätzlich.

Die gestrige Videoschalte der Oberbürgermeister und Landräte mit Bundestagsabgeordneten aus CDU und SPD hinterließ den Eindruck, dass an den Einsparvorschlägen kaum noch etwas zu ändern sei. Der Dachverband der deutschen Krankenhausträger (DKG) sprach ebenfalls von einem „drohenden Kahlschlag“ und legte 25 Maßnahmenvorschläge zur Deregulierung und Kostensenkung vor. Diese Vorschläge, die ein Entlastungspotenzial von 15 Milliarden Euro bieten könnten, fanden jedoch keine Berücksichtigung. BA

Mit Unverständnis, Empörung und Entsetzen haben die Landräte aus dem Norden von Rheinland-Pfalz im Rahmen ihrer jüngsten Landrätekonferenz Nord im Neuwieder Kreishaus die aktuell auf Bundesebene diskutierten Reformpläne zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Kenntnis genommen und gemeinsamen Widerstand angekündigt. Foto: Thomas Herschbach

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag 2025
Hausmeister, bis auf Widerruf
Image Anzeige
Anzeige Sonderpreis wie vereinbart
seniorengerechter Badausbau
Anzeige Jetzt Lavendel pflanzen!
Empfohlene Artikel
Besuch aus Neuwied: Lana Horstmann im Austausch mit Gästen aus ihrem Wahlkreis im Mainzer Landtag.
119

Neuwied. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Lana Horstmann besuchte eine Gruppe von Gästen aus Neuwied den rheinland-pfälzischen Landtag in Mainz. Die Besucherinnen und Besucher erhielten dabei einen umfassenden Einblick in die parlamentarische Arbeit und die Abläufe des Landesparlaments.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbi.d  Foto: pixabay.com
1350

Die wohl meistgestellte Mülltonnen-Frage:

Der Griff zur Straße oder zum Haus?

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Kaum ein Thema sorgt rund um die Abfallentsorgung für so viele Diskussionen wie die richtige Ausrichtung der Abfallbehälter. Muss der Griff nun zur Straße zeigen oder doch lieber zum Haus? Die Antwort ist einfach: Am besten mit dem Griff zur Straße.

Weiterlesen

Stolz präsentierte sich der neue Vereinsvorstand
110

Bonn. Auf der Mitgliederversammlung Mitte Juni ist Renate Hendricks einstimmig als Vorsitzende des Vereins Mädchenhaus Bonn wiedergewählt worden. In ihren Ämtern bestätigt wurden zudem Dr. Jutta Gröschl (stellvertr. Vorsitzende), Gisela Deetjen (Schatzmeisterin) und Christiane Nüchel-Ihne (Schriftführerin). Als zweite stellvertretende Vorsitzende wurde Ingrid Schnickers-Both gewählt, als neue Beisitzerinnen Anette Vollmer, Andreas Rupp, Kathrin Mohr und Ulrike Schmitz-Neuhäußer.

Von Jutta Gröschl

Weiterlesen