Allgemeine Berichte | 31.01.2022, 08:58 Uhr

Vergleich zu Corona-Spaziergänge zog eine heftige Debatte in Sozialen Medien nach sich.

Neuwied: Mini-Karnevalsumzug in Heimbach-Weis löst Entrüstung aus

Symbolbild. Foto: pixabay.com

Neuwied. Eine Sitzung jagt die nächste, die Jecken feiern Wochenende für Wochenende und die Session steuert in Richtung Höhepunkt Straßenkarneval. Eigentlich. Denn im zweiten Coronajahr ist tote Hose und nichts geht. Besser gesagt fast nichts, denn in Heimbach-Weis sind Obermöhn sowie das kleine und große Prinzenpaar in Amt und Würden gesetzt. Ein Video über den Aufzug von Fastnachtsgecken auf der Hauptstraße der Karnevalshochburg sorgt auf Facebook zu heftigen Debatten. Flankiert von der Blaskapelle, der Heimbacher Prinzengarde und den beiden Komitees der Karnevalsgesellschaften marschierte das designierte Prinzenpaar mit Gefolge am vorletzten Januarwochenende zum Gasthof „Zum Schwan“. Zahlreiche Kommentare schimpfen über fehlende Masken und Sicherheitsabstände. Nur zwei Tage später hatte die Stadt Neuwied den Teilnehmern der als „Spaziergänge“ getarnten Coronaprotestmärsche das Tragen von Masken und einen Abstand von 1,5 Meter auferlegt. Mit „Wahnsinn“ und „Irrsinn“ kommentieren zahlreiche User das Geschehen, teils mit Hinweis auf die vielen Dinge, die derzeit nicht gehen. Andere sprechen von einem schlechten Beispiel oder verweisen auf die Entbehrungen, die Kinder und Jugendliche auf sich nehmen müssen und Schüler, die den halben Tag mit Maske im Unterricht sitzen. Zu Wort melden sich aber auch viele Menschen, die den Aufmarsch der Narren wohlwollend zur Kenntnis nehmen und darin nichts Anstößiges sehen. Ein Fürsprecher schreibt „Man muss auch jönne könne“, ein anderer spricht der Karnevalshochburg als „gallisches Dorf“ einen Ausnahmestatus zu. Zu den Sympathisanten gehören auch benachbarte Karnevalsvereine, die die Sorgen der Heimbach-Weiser um den Fortbestand des Brauchtums teilen.

Alle Auflagen erfüllt

Die Kritik lässt KG Heimbach-Präsident Michael Bleidt nicht unbeantwortet. Er weist darauf hin, dass alle Teilnehmer des Umzugs und der anschließenden Proklamation geimpft, geboostert und zusätzlich tagesaktuell getestet waren. Die geltenden Hygienevorgaben seien also noch erhöht worden. Zudem weist Michael Bleidt darauf hin, dass der Umzug lediglich über 250 Meter vom Haus des Prinzen bis zur Gaststätte führte. Wer die Fassenacht in Heimbach-Weis kennt, weiß dass dieses Proklamationsgeschehen im XS-Format wenig mit dem gemein hat, was eigentlich Standard ist. Der KG Präsident unterstreicht, dass nach der Corona Bekämpfungsverordnung des Landes eine sogar noch größere Veranstaltung erlaubt gewesen wäre. Stattdessen habe man in der Gaststätte mit weniger Menschen als zulässig gefeiert. „Ich respektiere, dass man in der für alle Menschen sehr belastenden Situation über vieles durchaus kontrovers diskutieren kann. Jedoch halte ich es auch für inakzeptabel, wenn man dagegen hetzt, dass andere Menschen ihre Grundrechte wahrnehmen“, sagt mit Michael Bleidt in seiner Stellungnahme.

Politik mit einbezogen

In den Sturm der Entrüstung mit reingezogen werden, weil ortsansässig, auch Oberbürgermeister Jan Einig und CDU-Chef Martin Hahn. Vor allem letzteren nehmen zahlreiche Kommentatoren übel, den Karnevalisten wohlgesonnen, die Neuwieder „Coronaspaziergänger“ dagegen alle in einen Topf zu werfen und harsch anzugehen. Die Differenzierung zwischen Querdenkern, AfD - Sympathisanten, Demokratiefeinden oder einfach nur besorgen Menschen, vermissen die Kommentatoren dabei. Martin Hahn verteidigt sich auf Facebook und will weiterhin klare Kante zeigen: „Die Unterschiede zum Umzug der Karnevalsgesellschaften sind augenfällig. Ehrenamtliche, die sich Tag für Tag für die Menschen in unserer Stadt und den Stadtteilen mit Herzblut und Einsatz engagieren, die Vereinsleben aufrechterhalten und in dieser schwierigen Zeit für Zusammenhalt und Solidarität stehen, in einen Topf mit demokratiefeindlichen sogenannten „Spaziergängern“ zu stecken, die genau diese Werte und diesen Einsatz ad absurdum führen, ist für mich unerträglich“. Martin Hahn sagt aber auch, dass man durchaus darüber diskutieren kann, ob der Umzug in die Zeit der Pandemie passt. Er jedenfalls hätte sich, ebenso wie Jan Einig aus jeweils guten Gründen dafür entschieden, weder am Umzug noch an der Veranstaltung teilzunehmen. Mutmaßungen kritischer Stimmen, wonach wegen der Prominenz im Ort genehmigungstechnisch ein Auge zugedrückt wurde, entkräftete die Stadtverwaltung insoweit, als dass für den Mini-Umzug weder ein Antrag vorlag, noch rechtlich einer notwendig gewesen sei.

FF

Symbolbild. Foto: pixabay.com

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Imageanzeige - Sommeraktion 2+1 - 3. Anzeige o.B.
Anzeige Dentino Club
Titelanzeige
Pellenzer Ausbildungsmesse ,Ausbildung kaufmännisch
Empfohlene Artikel
Foto: :pixabay.com
25

Wer Andernach verstehen möchte, sollte nicht nur durch die Altstadt schlendern, sondern auch dem Stadtmuseum einen Besuch abstatten. Hinter den historischen Mauern des prachtvollen Hauses von der Leyen verbirgt sich eine Reise durch mehr als 2.000 Jahre Stadtgeschichte. Und die wird gier spannend erzählt und mit vielen Geschichten, die zeigen, wie aus einer römischen Siedlung eine der ältesten Städte Deutschlands wurde.

Weiterlesen

Sebastian Jacke (Teamleiter Regionalmarkt Neuwied/Linz), Christian Kehr (Direktor Regionalmarkt Neuwied/Linz) und Carsten Schmidt (Teamleiter Regionalmarkt Neuwied/Linz) mit der Handelsblatt-Auszeichnung.
34

Neuwied. Die VR Bank RheinAhrEifel eG wurde vom Handelsblatt in Neuwied gleich doppelt ausgezeichnet: als „Beste Hausbank“ sowie als „Beste Hausbank für junge Erwachsene ab 18 Jahren“. Die Auszeichnungen bestätigen die starke regionale Präsenz, die Qualität des Angebots und die Nähe zu den Kundinnen und Kunden vor Ort.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor.Foto: St. Nikolaus-Stiftshospital/Holger Lindner
1176

Rheinland-Pfalz bestätigt breites medizinisches Leistungsspektrum und stärkt das St. Nikolaus-Stiftshospital als wichtigen Standort

Krankenhaus Andernach geht gestärkt aus neuer Leistungsgruppenzuteilung hervor

Andernach. Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor. Durch die zugewiesenen Leistungsgruppen werden rund 99,5 Prozent des bisherigen Leistungsspektrums vollständig abgebildet. Das Krankenhaus sowie der Träger, die Stiftung St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach, sehen darin die hohe medizinische Qualität und breite Expertise des Hauses bestätigt.

Weiterlesen

04.09.: Nickenich: Schwerer Verkehrsunfall: Motorradfahrer kollidiert mit Anhänger
962

Nickenich. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der L 118 zwischen Andernach und Kruft. Der Fahrer eines Wohnmobils, das mit einem Anhänger unterwegs war, befuhr die Strecke von Nickenich in Richtung Mendig. In der Nähe eines Schotterparkplatzes entschied er sich, das Gespann über die Gegenfahrbahn zu wenden. Genau in diesem Moment kam ein Motorradfahrer entgegen und kollidierte mit dem Anhänger.

Weiterlesen

Symbolbild.
760

Ulmen. Am Freitag, den 4. September 2026, ereignete sich gegen 00:10 Uhr im Einmündungsbereich der B259 und K2 in der Ortslage Ulmen ein schwerer Verkehrsunfall zwischen zwei Personenkraftwagen. Nach bisherigem Erkenntnisstand befuhr ein Autofahrer die B259 von Ulmen in Richtung Auderath. Ein anderer Fahrer befand sich auf der K2 und wollte nach links auf die B259 abbiegen. Im Einmündungsbereich kam es dann aufgrund einer Vorfahrtsmissachtung zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge.

Weiterlesen