Politik | 23.04.2025

Der Bendorfer Bürgermeister Christoph Mohr spricht mit BLICK aktuell über den Haushalt und Förderprogramme

Förderprogramme mit grotesken Zügen

Der Bendorfer Bürgermeister Christoph Mohr ärgert sich über gestrichene Förderprogramme.  Foto: Christian Palm

Bendorf. Als Christoph Mohr (SPD) am 1. Januar 2021 sein Amt als Bürgermeister antrat, hatte er sich viel vorgenommen. Ein Ziel: einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren. Das hat geklappt: Erstmals seit den 1980er Jahren ist der Haushalt der Stadt Bendorf wieder ausgeglichen. Der Weg dorthin war nicht einfach. „Wir haben die Daumenschrauben angezogen und es mussten auch Opfer gebracht werden“, betont Christoph Mohr gegenüber BLICK aktuell. Gemeint sind Steuererhöhungen, ohne die der Haushaltsausgleich kaum möglich gewesen wäre. Dennoch seien diese Schritte „wahnsinnig wichtig“ gewesen, wie Mohr betont. Dass Steuererhöhungen immer eine Belastung darstellen, ist Mohr klar. Als Beispiel nennt der Bürgermeister die aktuelle Reform der Grundsteuer. Hier werden die Bürgerinnen und Bürger deutlich stärker belastet, als die Landesregierung im Vorfeld behauptet habe. „Hier muss ich die Landesregierung deutlich kritisieren“, sagt er. Es seien falsche Impulse gesetzt worden und die jetzige Umsetzung der Grundsteuer sei ein „rheinland-pfälzischer Webfehler“. Die Folgen kennt Mohr. „Die Menschen sind sehr frustriert“, sagt er. Dafür habe er Verständnis. Jetzt sei aber auch die Landesregierung gefordert, nachzubessern.

Frustrierende Entwicklungen

Frust kennt Christoph Mohr nur zu gut. Und zwar, wenn es um die verschiedenen Förderungen auf Bundesebene geht. „Vieles hat sehr gut geklappt“, sagt er. Aber es gab auch Absagen, und manche, so Mohr, seien echte Wermutstropfen. Ein wichtiges Zukunftsprojekt ist die Anbindung Bendorfs an die Rheinschiene. Hier gibt es grünes Licht von der Bahn, die einen entsprechenden Bahnhaltepunkt einrichten will. Nun liegt es an der Stadt, einen Zugang zu schaffen. Für eine Kommune ist das für Bendorf finanziell kaum zu stemmen. Deshalb hat man sich schon vor Jahren bei den entsprechenden Förderprogrammen beworben. Die erste Runde wurde mit „wehenden Fahnen“ gewonnen. Dann ging es in die zweite Runde. Aufgrund der allgemeinen Kostensteigerungen im Baugewerbe wurde die Förderquote von 100 Prozent auf 90 Prozent reduziert. Das hatte man in Bendorf noch zähneknirschend hingenommen. Dann flatterte völlig überraschend die Ablehnung der Förderung ins Rathaus: Die vorgelegten Pläne böten zu wenig CO2-Einsparpotenzial. Und das, obwohl am Bahnhaltepunkt Bendorf eigentlich ein so genannter „MobiHub“ geplant war bzw. ist. Hier sollten die Menschen Zugang zu alternativen Mobilitätskonzepten bekommen - angedacht ist zum Beispiel ein Fahrradparkhaus. Doch diese Argumente fanden in Mainz kein Gehör und so steht die Stadt mehr oder weniger alleine da. „Das ist einfach grotesk“, sagt Mohr.

Kommunen nicht alleine lassen

Auch ein ambitioniertes Wasserstoffprojekt für Bendorf und einem überregionalen Netzwerk wurde entgegen vorheriger Aussagen von der Förderliste gestrichen. Im Mittelpunkt der Idee steht der Rheinhafen Bendorf und die Frage, inwieweit dieser zu einem Produktions-, Speicher- und Logistikstandort für Wasserstoff ausgebaut werden kann. Die fehlende Unterstützung durch Fördermittel ernüchterte. „Das ist nicht nur unverständlich, sondern auch extrem frustrierend“, so der Bürgermeister. „Wir wollen klimaneutral werden, das ist unser erklärtes Ziel. Aber die Kommunen werden dabei völlig allein gelassen.“ Aber: „Wir machen auf jeden Fall weiter“, sagt Mohr. Trotz der Rückschläge betont Mohr auch das Positive. Viele weitere Förderprogramme konnten umgesetzt werden. Als Beispiele nennt der Bürgermeister die Innenstadtsanierung oder - ganz aktuell - die Entdecker-Lounge. Damit ist Mohr durchaus zufrieden. „Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, werden sichtbar.“ Ganz allein ist man aber auch nicht. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Thorsten Rudolph (SPD) und der Bundestagsabgeordnete Josef Oster (CDU) unterstützen die Anliegen der Stadt hervorragend, wie Mohr bescheinigt. „Aber auch die Exekutive muss mitziehen“, so der Bürgermeister abschließend. ROB

Der Bendorfer Bürgermeister Christoph Mohr ärgert sich über gestrichene Förderprogramme. Foto: Christian Palm

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Neueste Artikel-Kommentare

Neujahrsempfang

  • Dirk Tepper : Sehr schön ich werde die Veranstaltung sehr gerne Besuchen

Mayen stärkt seine Innenstadt nachhaltig

  • Cisco: Badezimmerinstallation

Johanniter unterstützen Obdachlose in Koblenz

  • Roland Hausdorff: So ehrenwert das Engagement ist, darf das aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass mittlerweile selbst Frauen ohne Suchtprobleme in Koblenz auf der Straße leben, weil das Angebot an Wohnraum so knapp ist,...
DA bis auf Widerruf
Daueranzeige
Sponsoring Winterbunt - o.B.
Stellenanzeige
Stellenanzeige Physiotherapeut
Neujahrsgrüße
Stellenanzeige Finanzbuchhaltung / Mitarbeiter Qualitätssicherung
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel

Fundament für Wachstum, Arbeit und Wohnraum

CDU Neuwied begrüßt Genehmigung der Investitionskredite

Neuwied. Die Genehmigung der Investitionskredite in Höhe von rund 25,9 Millionen Euro für die Erweiterung des Gewerbegebietes Friedrichshof ist aus Sicht des CDU-Stadtverbandes Neuwied ein entscheidender Schritt für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Nach einem langen und teilweise zähen Abstimmungsprozess mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) liegt nun endlich die notwendige Klarheit vor, um die wirtschaftliche Entwicklung Neuwieds aktiv voranzubringen.

Weiterlesen

Coach verlängert Vertrag beim FV Engers und bekennt sich: „Fühle mich in richtig gut geführtem Verein sehr wohl“

Erfolgsweg soll weitergehen: Gollnow bleibt Trainer der zweiten Mannschaft

Engers. Der FV Engers 07 setzt auf der Trainerbank seiner zweiten Mannschaft auf Kontinuität: Torsten Gollnow hat seinen Vertrag verlängert und bleibt dem Verein mindestens ein weiteres Jahr erhalten. Damit geht der FVE konsequent den eingeschlagenen Weg der sportlichen Stabilität und nachhaltigen Entwicklung.

Weiterlesen

Sprechstunde in der Innenstadt

Auf ein Wort mit Jan Einig

Neuwied. In der Reihe „Auf ein Wort mit Jan Einig“ sucht Neuwieds Oberbürgermeister die Stadtteile auf, um mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Austausch zu kommen. Dieser persönliche Kontakt zu den Menschen ist Jan Einig eine Herzensangelegenheit.

Weiterlesen

Image
Stellenaktion 3+1
Dauerauftrag
Ralf Schweiss
Monatliche Anzeige
Imageanzeige Dauerauftrag 01/2026
Dauerauftrag 2026
WIR SAGEN DANKE KW01
Stellenanzeige "Mitarbeiter/in (m/w/d) im Bereich Technische Gebäudeausstattung"
Imageanzeige - Neujahrsgruß
Neujahrsgrußanzeige
Sachbearbeiter/in (w/m/d) im Bereich „ÖPNV/ Kindergarten- und Schülerbeförderung