Politik | 11.08.2023

Der kommunaler Finanzausgleich steht weiter in der Kritik - Maximilian Mumm, Bürgermeister der VG Maifeld findet deutliche Worte.

In Rheinland-Pfalz brodelt es weiter!

Region. Aufgrund des kommunalen Finanzausgleichs machen zum Teil spektakuläre Aktionen in der rheinland-pfälzischen Kommunalpolitik von sich reden. So zum Beispiel der SPD-Austritt der Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und der geschlossene Rücktritt des gesamten Gemeinderates in Freisbach. Auch die Klagedrohung wegen der unzureichenden Finanzausstattung durch das Land von Maximilian Mumm, SPD-Bürgermeister der VG Maifeld, ist noch nicht vom Tisch.

„Ab und zu mal auf den Putz hauen“

In einem Telefongespräch mit BLICK aktuell am Donnerstag, 10.08.2023, räumte Maximilian Mumm jedoch in einem ausführlichen Statement ein: „Offensichtlich war mein Protest bisher schon so laut, dass man mir inzwischen ein Gespräch mit Innenminister Michael Ebling angeboten hat, welches nach der Urlaubszeit in ca. drei Wochen stattfinden soll. Während für mich als überzeugter Sozialdemokrat ein Parteiaustritt nicht infrage kommt, bin ich jedoch der Meinung, dass man auch in seiner eigenen Partei ab und zu mal auf den Putz hauen muss und deshalb habe ich mich als Bürgermeister vor meine Ehrenamtler gestellt. Das Gesprächsangebot aus dem Innenministerium hat mich erst einmal überzeugt, zumal ich hier auch einmal deutlich machen möchte, dass die Schuld für die Proteste in Rheinland-Pfalz beim Land liegt. Zwei Ansatzpunkte sind zum Beispiel die Konzessionsabgaben sowie die mangelhafte finanzielle Ausstattung der Kindergärten und hier muss das Land unbedingt nachbessern. Ich hoffe sehr auf einen konstruktiven Austausch und werde mit der Einreichung der Klage erst mal abwarten. Über den Erfolg dieser evtl. dritten Klage mache ich mir keine Sorgen, zumal die letzten beiden von den jeweils klagenden Kommunen gewonnen wurden und bereits zwei Mal ist das Land vom Verfassungsgericht aufgefordert worden, einen vernünftigen Finanzausgleich auf die Beine zu stellen, bei dem die Kommunen auch genug Geld bekommen. Das zweite Urteil war jedoch leider sehr allgemein gehalten und hatte zum Inhalt, dass auch die Kommunen ihren Anteil bringen müssen. Das hat das Land jedoch offensichtlich falsch verstanden und deshalb haben wir die aktuelle Misere, dass man seitens des Landes –wie ich zu sagen pflege- mit dem Mähdrescher über die Gemeinden fährt und diese dazu nötigt, ausgeglichene Haushalte vorzulegen – egal um welchen Preis. So muss Freisbach seine Grundsteuer B teilweise verdoppeln, bzw. verdreifachen und da kann man sich vorstellen, was die aufgebrachten Bürger ihrem Gemeinderat erzählen. Freisbach ist überall in Rheinland-Pfalz und das Land muss aufpassen, dass es als ‚Land des Ehrenamtes‘ dieses nicht mit Füßen tritt, indem es die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Kommune aushebelt. Unabhängig davon geht man so einfach nicht miteinander um! Ich hege jedoch die Hoffnung, dass das Land ein Einsehen hat und an der einen oder anderen Schraube dreht, um das Ehrenamt wieder attraktiv zu machen. Wir haben im kommenden Jahr Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz und unter den aktuellen Voraussetzungen kann man wohl kaum noch jemanden für das Ehrenamt gewinnen.“

Resolution im Mendiger Stadtrat

Mitte Juli hatten die Fraktionen der SPD und CDU im Mendiger Stadtrat dem Land Rheinland-Pfalz eine gemeinsame Resolution zukommen lassen, in dem sie sich ‚in höchstem Maße unzufrieden‘ über die finanzpolitischen Maßnahmen des Landes äußern. Hier heißt es u.a.: „Die unverständliche Anweisung des Landes, nur noch ausgeglichene Haushalte zu genehmigen, führte dazu, dass auch der Haushalt der Stadt Mendig nicht genehmigt wurde. Der 2. Entwurf des Haushaltsplanes 2023 ist zwischenzeitlich durch die Aufsichtsbehörde genehmigt worden. Dieser konnte allerdings nur durch einen Neuansatz von Gewerbe- und Einkommenssteuer und durch die Streichung notwendiger Investitionen mit einem positiven Ergebnis vorgelegt werden.“ Weiter führen die Fraktionsmitglieder aus: „Wir ehrenamtlich tätigen Ratsmitglieder, die wir unsere Aufgabe mit Herzblut wahrnehmen, um das Bestmögliche für die Entwicklung unserer Stadt beizutragen, fühlen uns im Stich gelassen und fordern die Landesregierung auf, so schnell als möglich die entsprechenden Regelungen nachzubessern und eine nachvollziehbare und spürbare Veränderung des kommunalen Finanzausgleiches herbeizuführen. In diesem Zusammenhang sei auch nochmals auf Art. 28 des Grundgesetzes verwiesen, mit welchem die ausreichende Ausstattung der Kommune mit finanziellen Mitteln zur Erfüllung ihrer Pflichtaufgaben der Selbstverwaltung, Auftragsangelegenheiten und freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben zugesichert ist.“

Ebling: Situation müsse differenziert betrachtet werden

In einem Interview mit „SWR Aktuell Rheinland-Pfalz“ am Mittwoch, 09.08.2023 reagierte Innenminister Michael Ebling –SPD- u.a. darauf, dass in der südpfälzischen Gemeinde Freisbach der Ortsbürgermeister und der komplette Gemeinderat zurückgetreten waren. Den Kommunen stehe durch die Neugestaltung des kommunalen Finanzausgleichs deutlich mehr Geld zur Verfügung als früher, sagte Ebling: Der neue kommunale Finanzausgleich schaffe 350 Millionen Euro mehr in diesem Jahr in das Finanzierungssystem und das entfalte auch Wirkung. Er räumte jedoch ein, die Situation in den Kommunen müsse differenziert betrachtet werden. Auch er müsse anerkennen, dass es Gemeinden gebe wie Freisbach, die in einer schwierigen Situation seien. Die Kommunen hätten in den vergangenen Jahren eine Menge an zusätzlichen Aufgaben bekommen und es sei nicht einfacher geworden, das sehe er sehr wohl. Aber es gebe auch trotzdem mitfinanziert mehr Geld im System. Der Landeshaushalt sei nicht so stark gewachsen wie der kommunale Finanzausgleich, und das Land werde in diesem Jahr drei Milliarden in die Hand nehmen, um den Kommunen mehr als die Hälfte ihrer Altschulden abzunehmen. Das schaffe auch noch einmal zusätzliche Handlungsspielräume - gerade in Zeiten, wo Zinsen wieder steigen würden. Gleichzeitig kritisierte der Innenminister die Vorgänge in der südpfälzischen Gemeinde. Es sei bedauerlich, aber Brocken hinzuschmeißen sei keine Lösung.“ In erster Linie empfehle er aber, sich vor Ort zusammenzusetzen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. FRE

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
12.08.202310:54 Uhr
Amir Samed

Gut bezahlte Jobs schwimmen den Bach hinunter, die verfügbaren Einkommen schrumpfen wegen immer neuer Steuererhöhungen, die als solche nicht benannt werden dürfen, wegen der Inflation, die es angeblich nicht gibt, und wenn doch, dann aber zumindest nicht in der Höhe, wie man sie jeden Tag im Supermarkt erlebt. Die Zahl der Insolvenzen steigt sprunghaft ebenso wie die der Zwangsversteigerungen und Notverkäufe. Menschen verlieren ihren Job, ihr Heim, ihr kleines bisschen Wohlstand und jede Sicherheit. Die dadurch erzeugte Politikerverdrossenheit droht sich zur Staatsverdrossenheit auszuwachsen.

Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Kirmes Polch 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Kirmes Polch
Dachdecker (m/w/d)
Brunchanzeige
Kirmes in Löhndorf
Anzeige Reinigungskraft
Maibaumstellen in Heimersheim
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Mit einem großen Zapfenstreich wurden Bürgermeister Guido Orthen (Mitte) und der erste Beigeordnete Peter Diewald (2. von rechts), flankiert von Stadtwehrleiter Marcus Mandt (2. von links), Kay Burggraaff (links, stellv. Stadtwehrleiter) und Marius Halbach (rechts, stellv. Stadtwehrleiter) als Chefs der Feuerwehr Bad Neuenahr-Ahrweiler feierlich verabschiedet. Fotos: DU
83

Kameradschaftsabend der Feuerwehr Bad Neuenahr-Ahrweiler

Feuerwehr verabschiedet Guido Orthen mit großem Zapfenstreich

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Für die Feuerwehrfamilie der Kreisstadt und ihrer Stadtteile ist der Kameradschaftsabend schon per se ein wichtiger Termin im Jahreskalender. Als jedoch am vergangenen Freitag die 54. Auflage der Zusammenkunft im Feuerwehrhaus an der Heerstraße stattfand, war es deutlich emotionaler und besonderer, als sonst: Nach 16 Jahren als Feuerwehr-Chef wurde der scheidende Bürgermeister Guido Orthen als Dienstherr der Wehr mit einem großen Zapfenstreich feierlich verabschiedet.

Weiterlesen

Das neue inklusionsfähige Segelflugzeug mit Fluglehrer Harald Weber. Fotos: AKS
52

Flugzeugtaufe auf dem Segelflugplatz Mönchsheide

Mit dem Rolliflieger in die Luft

Bad Breisig. Das Segelfluggelände Mönchsheide oberhalb von Bad Breisig wurde bereits 1937 als Ausweichflughafen für die Luftwaffe gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände landwirtschaftlich bearbeitet. Seit 1970 wird das Gelände als Segelfluggelände genutzt, betrieben vom Luftsportverein Mönchsheide e.V. Der Flugplatz hat eine Betriebszulassung für Segelflugzeuge, Motorsegler und Ultraleichtflugzeuge, größere Motorflugzeuge dürfen dort nicht landen.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Anlagenmechaniker
Kirmes Polch
Lava Grill Buffet
Anzeige Uhren Vintage
Anzeige Jaadeporz 2026
Praxis an neuem Standort
Kirmes in Löhndorf
Anzeige KW 16
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Titelanzeige
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Maibaumstellen Heimersheim
Kooperationsgeschäft