Politik | 02.12.2022

Mittelstandunion Koblenz-Montabaur

Ist Deutschland noch zu retten?

Heinz-Peter Mertens, Dr. Karlheinz Sonnenberg und Dr. Adrian Nitsche. Quelle: MIT Koblenz-Montabaur

Waldesch.Explodierende Energiepreise bereiten aktuell vielen Menschen und Unternehmen in Deutschland große Sorgen. Anlass genug für den Bezirksvorsitzenden der Mittelstandsunion Heinz-Peter Mertens, einen versierten Experten auf diesem Gebiet einzuladen, um aus erster Hand eine Analyse von Ursachen, Situation und Perspektiven zu erhalten. Dr. Karlheinz Sonnenberg, Finanzvorstand der Energieversorgung Mittelrhein AG (evm) kam der Einladung gerne nach und präsentierte einer breiten Zuhörerschaft im Bürgerhaus Waldesch die Fakten zur Versorgungslage mit Strom und Erdgas.

Ein Anstieg der Energiepreise war bereits im Jahr 2021, lange vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine, zu beobachten. Der extreme Ausschlag an den Märkten fand dann allerdings im August 2022 statt, nicht zuletzt durch den Einkauf der Bundesregierung für die Speicherbefüllung „zu jedem Preis“. Derzeit ist der Trend wieder fallend, wenn auch auf höherem Niveau.

Es ist richtig, dass mit steigenden Kapazitäten erneuerbarer Energie in den Phasen, in denen der Wind weht und die Sonne scheint, Strom aus diesen Quellen produziert wird. Die Problematik besteht jedoch darin, dass die Nachfrage nach Strom nicht von der Produktion abhängt, sondern die Stromproduktion bzw. die Verfügbarkeit sich nach der Nachfrage richten muss. Das bedeutet, dass auch und gerade in Phasen, in denen erneuerbare Energie nicht zur Verfügung steht, Strom aus alternativen Quellen bereitgestellt werden muss. Die Erfahrung in Deutschland zeigt, dass es windreiche Phasen eher im Winter gibt und die Sonne in ausreichender Stärke eher an Tagen im Sommerhalbjahr scheint. Das bedeutet, dass es permanent Phasen gibt, die durch erneuerbare Energie nicht gedeckt sind, und für die es heute auch keine ausreichenden Speicherkapazitäten (z.B. Pumpspeicherkraftwerke) gibt, während die Wasserstofftechnologie noch nicht adäquat zur Verfügung steht. Und hier ist nur von Menge, jedoch nicht von Preisen die Rede.

Für die Grundlast sind daher entweder Kohle- oder Atomkraftwerke ausgelegt. Um aber die Spitzen flexibel abzudecken, ist Strom aus Erdgas eine Option der Wahl. Da der Preis am Markt sich aber nach den Kosten für den jeweils teuersten Einsatzstoff richtet (Marktpreis), wirkt sich der Erdgaspreis hierbei unmittelbar auf den Strompreis aus. Ausstieg aus der Atomkraft und mittelfristig der Kohle erhöhen den Druck für Deutschland mit der Konsequenz einer steigenden Importabhängigkeit zu höheren Preisen.

Eine weitere Konsequenz dieser Fakten ist, dass die Versorgungssicherheit nicht allein durch einen Ausbau erneuerbaren Energiekapazitäten erreicht werden kann, und daher Erdgaskraftwerke als back-up noch lange eine wichtige Rolle einnehmen werden.

Bereits seit den 70er Jahren hat Deutschland verstärkt auf Erdgasimport aus Russland gesetzt, da der Transport durch Pipelines umweltfreundlicher und günstiger ist als der Import von Flüssiggas. Der Wegfall der Gaslieferungen aus Russland trifft daher Deutschland mit großer Wucht. Dass es derzeit möglich ist, in Deutschland die Lücke mit Flüssiggas zu füllen, ist auch der Tatsache zu verdanken, dass China aufgrund der „Corona-Rezession“ auf Nachfrage verzichtet. Sofern jedoch eine Situation mit höherer LNG-Nachfrage auf dem Weltmarkt entsteht, ohne dass die Lieferungen aus Russland wieder aufgenommen werden, könnte die Versorgung mit Erdgas für Deutschland aufgrund unzureichender Langzeitverträge für LNG knapp werden. Kritischer als dieser Winter könnte daher der Winter 2023/24 werden. Bereits jetzt liegen Pläne für eine mögliche Gasmangellage in der Schublade.

Als sehr wahrscheinlich muss jedoch angenommen werden, dass die Energiepreise in Deutschland anders als in vielen anderen Ländern für die kommenden Jahre mindestens auf hohem Plateau verharren werden. In der Konsequenz leidet die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands mit erheblicher Rezessionsgefahr für 2023.

Pressemitteilung der

MIT Koblenz-Montabaur

Heinz-Peter Mertens, Dr. Karlheinz Sonnenberg und Dr. Adrian Nitsche. Quelle: MIT Koblenz-Montabaur

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

WiderSPRUCH: Das neue Kleid von Sankt Laurentius

  • Andreas Ludwig-Koch: Sehr geehrte Frau Schmitz, Ihre Ausführungen haben weniger mit Religionswissenschaft u. neutraler Historiographie zu tun, als mit protestantischer Hermeneutik. Die frühchristliche Eucharistie war zwar...
  • Dietmar Muenster: Alles in allem bin ich sehr enttäuscht,was ist aus der schönen Kirche bloß geworden?
  • Anna-Maria Smits : Sehr geehrter Herr Pacyna-Heinen , Was ist der Sinn dieser verspäteten Kritik? Wissen Sie wieviel Arbeit es ist, eine Kirche zu restaurieren? Unsere Martin-Luther-Kirche ist von der Wiedereröffnung noch weit entfernt.
  • Vali: Woher willst du denn wissen, wie alt der oder die Täter war(en)? Weißt du mehr als die Polizei?
  • Bea: Es wird immer schlimmer, die Täter immer jünger. Was für eine Erziehung hatten die Jugendlichen?

Ausflug zum Albertinum nach Mendig

  • Herbert und Hannelore Theiler!: Wir hatten alle einen schönen Tag im Albertinum geselliges beisammen sein! Das Museum war sehr interessant mit der Vielfalt an Steinen Sammlungen! Das Essen und die Getränke waren genug vorhanden! Auch der Kaffee und Kuchen haben allen geschmeckt!
Azubi Messe Go bei Blick aktuell
Anzeige Messe Go
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Januar 2026
Stellenanzeige
Stellenanzeige Jugendpfleger/in u. Azubi Kauffrau Tourismus
Rosenmontag in Brohl
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel

Erfolgreiche Honnefelder Sportschützen

Vom Aufsteiger zum Meister

Straßenhaus. Manche Erfolgsgeschichten klingen zu schön, um wahr zu sein. Zunächst hatte die Honnefelder Mannschaft die Qualifikation für die Rheinlandliga in der Disziplin Luftgewehr-Auflage denkbar knapp verpasst.

Weiterlesen

Kinderkarneval der KG Brave Jonge

Mit „Bräpisch Helau“ durch den Dschungel

Waldbreitbach. Am 31. Januar 2026 feierte die KG Brave Jonge einen gelungenen Kinderkarneval. Unter dem Motto Dschungel verwandelten die Kinderpräsidenten Marlene und Benjamin den Saal in eine bunte Fantasiewelt mit reichlich guter Laune. Pünktlich um 14:11 Uhr begann der Einzug der Tanzgruppen der KG Brave Jonge, gefolgt vom Kinderelferrat sowie den beiden Kinderpräsidenten.

Weiterlesen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Unter dem Motto #jetztmalehrlich startet die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler zum dritten Mal ihre systematische Umfrage zum Thema Wiederaufbau. Ziel ist es, auch in diesem Jahr wieder ein aktuelles Stimmungsbild und Anregungen aus der Bevölkerung einzuholen. Zudem sollen Entwicklungen - unter anderem zum Lebensgefühl in der Stadt - über die vergangenen drei Jahre sichtbar gemacht werden.

Weiterlesen

DA bis auf Widerruf
Dienstleistungen
Physiotherapeut/in (m/w/d)
Messe GO meets BBS Andernach -  Bestellung Nr.: 0033082659
Ausbildung zur/zum Kauffrau-/mann für Büromanagement (m/W/D)
Anzeige Infotag 07.02.2026
Imagewerbung
Bestell-Nr.: 0012231059
Rosenmontag
Karneval in Bad Bodendorf
Anzeige SALE
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // AZ Commodity Rheinschiene KW 5
"Harald Schweiss"
Stellenanzeige Koordinatorin
Wahlwerbung Thomas Meyer