Politik | 12.12.2022, 08:09 Uhr

Stadtrat beschäftigt sich mit Etat 2023

Knapp sieben Millionen Euro fehlen: Andernacher Haushalt wackelt

Grundschule Hasenfänger: „An Kindergärten, Schulen und Feuerwehr wird nicht gespart.“

Andernach. Einstimmig hat der Andernacher Stadtrat den Haushalt für 2023 in seiner 29. Sitzung im Bürgerhaus Miesenheim verabschiedet. Ebenso einig waren sich die Parteien in der Erwartung, dass der Etat in dieser Form von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ADD aufgrund der erheblichen Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben wohl nicht genehmigt wird.

Der Haushaltsplan für das kommende Jahr geht von Erträgen in einer Gesamtsumme von rund 102,5 Mio. Euro aus; damit bewegen sich die Einnahmen erstmals in dreistelliger Millionenhöhe. Gegenüber 2022 mit Erträgen von 94,9 Mio. bedeutet dies eine Mehreinnahme von 8,2 Mio. Euro bzw. ein Plus von 8,6 %.

Da die Ausgaben jedoch von 94,8 Mio. um 14,6 Mio. (+ 15,4 %) auf 109,4 Mio. Euro anschwellen, entsteht im Haushalt 2023 eine Finanzierungslücke von 6,9 Mio. Euro. Weit überdurchschnittlich wachsen die Ausgaben für die Posten Sach- und Dienstleistungen (Aufwendungen aus Verwaltungsbedarf) mit 66,8 %, sonstige laufende Aufwendungen mit 39,8 % und soziale Sicherung mit 27,5 %.

In seiner Haushaltsrede benannte Oberbürgermeister Achim Hütten die Energiekosten, die Übernahme dreier Kindertagesstätten in städtische Trägerschaft und die Investitionen in den Klima- und Umweltschutz als wesentliche Faktoren der Ausgabensteigerung. Ihm sei klar, dass die ADD den Haushalt vielleicht nicht genehmige, aber empfahl, das auf sich zukommen zu lassen. Man habe den Haushalt intensiv durchforstet, er sehe das Defizit als Zukunftsinvestition. Projekte wie das Culinacum am Runden Turm seien wichtig für die Entwicklung der Stadt, gleiches gelte für Kindergärten, Schulen und Feuerwehr. Hier komme sparen nicht in Frage. Es sei seltsam, welch unterschiedliche Maßstäbe hinsichtlich von Haushaltsdefiziten gelten würden, erklärte der Oberbürgermeister. Während Bund und Länder die Schuldenaufnahme äußerst kreativ handhaben würden, gelte für Kommunen eine solch strikte Finanzaufsicht, dass kaum noch Luft für Eigenständigkeit verbleibe. Auch die Erhöhung der Grundsteuern zum 1.1.2023 sei praktisch vom Land über den Kommunalen Finanzausgleich vorgeschrieben, wenn die Stadt nicht Fördergelder verlieren wolle.

In der nachfolgenden Aussprache folgten die Fraktionsvorsitzenden den Ausführungen Achim Hüttens im Wesentlichen und bekundeten ihr Einverständnis mit dem Haushalt. Hartmut Dressel, Fraktionsvorsitzender der FWG, erläuterte, warum seine Partei dem Etat nun doch uneingeschränkt zustimme: Erst in der vorigen Woche habe man das Großprojekt Culinacum in der Sondersitzung des Haupt-, Finanz-, Planungs- und Kulturausschusses im Detail kennenlernen können, jetzt seien die Zweifel beseitigt. Dressels Parteikollege Christian Greiner, der am 13. November mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Achim Hütten gewählt wurde, hatte das Culinacum in einem Interview mit dem SWR infrage gestellt: Man müsse genau schauen, ob sich Andernach angesichts der Haushaltslage dieses Projekt leisten könne, meinte er. Zudem sähen viele Bürger das Geld woanders besser aufgehoben. Hintergrund: Die Verwirklichung des Culinacums erfordert von der Stadt Andernach einen Eigenanteil in Höhe von rund 2,3 Mio. Euro.

Dr. Christoph Henrichsen, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen, nutzte die Aussprache, um die Verdienste von Achim Hütten zu würdigen, der zum letzten Male den Stadthaushalt einbrachte. Henrichsen erklärte, Hütten habe durch seine Leistungen als Oberbürgermeister die Latte für den Nachfolger hochgelegt; er sei ein „Moderator maximus“, der es in Verhandlungen schaffe, dass sogar diejenigen sich als Gewinner fühlen, die den Blumentopf erhalten. Trotzdem berge der Wechsel im Amte auch Vorteile: Routine und Mehltau, die sich in der Verwaltung niedergelassen hätten, könnten nun frischem Elan weichen.

Grundschule Hasenfänger: „An Kindergärten, Schulen und Feuerwehr wird nicht gespart.“

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Wir helfen im Trauerfall
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
Imageanzeige - Sommeraktion 2+1 - 3. Anzeige o.B.
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
50 jähriges Jubiläum / Danksagung
Sonderseite Flowcraft
Jobmesse Nürburgring
Kirmes Ettringen 2026
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor.Foto: St. Nikolaus-Stiftshospital/Holger Lindner
979

Rheinland-Pfalz bestätigt breites medizinisches Leistungsspektrum und stärkt das St. Nikolaus-Stiftshospital als wichtigen Standort

Krankenhaus Andernach geht gestärkt aus neuer Leistungsgruppenzuteilung hervor

Andernach. Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor. Durch die zugewiesenen Leistungsgruppen werden rund 99,5 Prozent des bisherigen Leistungsspektrums vollständig abgebildet. Das Krankenhaus sowie der Träger, die Stiftung St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach, sehen darin die hohe medizinische Qualität und breite Expertise des Hauses bestätigt.

Weiterlesen

Symbolbild.
587

Ulmen. Am Freitag, den 4. September 2026, ereignete sich gegen 00:10 Uhr im Einmündungsbereich der B259 und K2 in der Ortslage Ulmen ein schwerer Verkehrsunfall zwischen zwei Personenkraftwagen. Nach bisherigem Erkenntnisstand befuhr ein Autofahrer die B259 von Ulmen in Richtung Auderath. Ein anderer Fahrer befand sich auf der K2 und wollte nach links auf die B259 abbiegen. Im Einmündungsbereich kam es dann aufgrund einer Vorfahrtsmissachtung zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge.

Weiterlesen

Öffentliche Bekanntmachung
672

Allgemeine Berichte

Öffentliche Bekanntmachung

Einladung zur nicht öffentlichen Versammlung der Jagdgenossenschaft Sinzig-Franken am Mittwoch, den 23.09.2026, um 19.00 Uhr, in der alten Schule, Maisgasse, 53489 Sinzig-Franken

Weiterlesen