Politik | 10.09.2021, 13:52 Uhr

Rat Brohl-Lützing beschloss Resolution Hochwasserschutz Brohltal

Schutz und Prävention sind oberstes Gebot

Lernen aus der Flutkatastrophe im Ahrtal

Hier stoßen Naturliebhaber und Hochwasserschutz aufeinander. Treibholz und im Bach liegendes Holz könnten im Flutfall zu ernsten Problemen führen. Daher fordert der Gemeinderat Brohl-Lützing die Entfernung von Treibholz.Foto: HE

Brohl-Lützing. Der Rat der Gemeinde Brohl-Lützing tagte in der Lavahalle des oberen Ortsteils Niederlützingen. Im Wesentlichen ging es hierbei um eine Resolution zum Thema Hochwasserschutz. Bürgermeister Dr. Frank Gondert dankte jedoch zunächst den vielen Helfern, die nach dem 14. Juli sofort tätig geworden seien. „In unserer Ortsgemeinde haben private Spender Aktionen gestartet, um den Geschädigten zu helfen, sei es mit Sach- oder Geldspenden. DRK und Feuerwehr waren im Einsatz im Katastrophengebiet, genauso wie die Mitarbeiter des Bauhofes, die wochenlang im Gebiet unterwegs waren. Die Kirche hat Wohnraum zur Verfügung gestellt, Bürger sind privat hingefahren und haben geholfen. Es wurden Tankgutscheine zur Verfügung gestellt, damit die Helfer wenigstens keine oder geringe Fahrtkosten hatten.“ Und abschließend: „Für eine so kleine Gemeinde mit gerade mal 2.500 Einwohnern ist das bemerkenswert.“ Und die Bürger seien auch weiterhin aktiv, resümiert Gondert, denn „die Not ist noch lange nicht vorbei.“

Das Ahr-Hochwasser vom Juli habe gezeigt, was auch im Brohltal möglich sein könnte, so Rainer Mosen von der FWG. „Wäre das Starkregenereignis nur um zehn Kilometer verschoben oder größer gewesen, hätte es unser Tal auch getroffen,“ brachte es der Fraktionssprecher der FWG auf den Punkt.

Daher bestand im Rat auch kein Zweifel an der Zustimmung zur Resolution, die in allen Gemeinderäten entlang des Brohlbaches beraten werden wird. Hierin fordert die Gemeinde Brohl-Lützing von der Bundes- und Landesregierung, dass „die körperliche Unversehrtheit und das Leben unserer Bevölkerung zu schützen“ sei.

Der Brohlbach beginnt in Hannebach, bis Kempenich kommt er durch starkes Gefälle erst „in Fahrt“, und alles, was das Wasser dann mit sich reißt, kommt eine Stunde später in Brohl – Lützing an. Dort mündet der Bach in den Rhein. Zuvor fließt er auf einer Länge von ca. 30 Kilometern durch die Gemeinden Spessart mit seinen Ortsteilen Hannebach und Wollscheid, Niederdürenbach, Oberzissen, Niederzissen, Burgbrohl und Brohl-Lützing. Dabei sind den Brohltalern Flutwellen in ihrer Geschichte nicht erspart geblieben. 1859 war die letzte große Katastrophe, bei der mehr als 40 Menschen ums Leben kamen. Und heute sind die Ortslagen in den Gemeinden noch dichter bebaut und die Flächen noch mehr versiegelt, was Retentionsräume verringert.

Helfen können hier nur eine effektive Prävention und ein gutes Warnsystem. Gut ist, dass es in der Region noch ein dichtes Signalsystem gibt. Aber es müssen spezielle Warnsignale die Bürger vor Naturkatastrophen warnen können. Dies kann mit einem besonderen Warnton oder einer Handy-App oder Textnachrichten erfolgen.

Auch Schutzbauwerke müssen errichtet werden, etwa Deiche oder Auffangbecken, im Ahr- und im Brohltal. Neben dem Aufbaufond für die Ahr, der ausdrücklich begrüßt wurde, müsse es auch einen Geldtopf für diese Präventions- und Schutzbauwerke geben.

Dies alles stieß auf ungeteilte Zustimmung des Rates und wurde durch die Forderung der FWG-Fraktion noch ergänzt: „Die Ortsgemeinde Brohl-Lützing fordert von der Kreisverwaltung als zuständige Behörde, dass unverzüglich eine Gewässerbegehung stattfindet und im Bachlauf vom Jägerheim bis in die Ortslage Brohl sowohl Totholz als auch Treibgut aus dem Bachbett entfernt wird, sowie umgestürzte Bäume, um so den ungehinderten Abfluss des Wassers zu gewährleisten, damit keine Verstopfungen an Brücken und Hindernissen entstehen können.“ Auch diese Forderung, verbunden mit dem Auftrag an die Verbandsgemeinde, dies in einem Schreiben der Kreisverwaltung mitzuteilen, wurde einstimmig beschlossen. Mosen vergaß auch nicht, auf die Seitenbäche des Brohlbaches hinzuweisen: „Auch der Pönterbach mündet an der Mühle in den Brohlbach. Bei einem starkem Regen ist das Wasser in einer Stunde vom oberen Brohltal an der Mühle.“

Bürgermeister Marcel Caspers ergänzte hierzu: „Die Starkregenkonzepte müssen überarbeitet und angepasst werden“, sagte er, „die Topografie können wir nicht ändern, das Wasser sucht sich seinen Weg.“ Man müsse es aber schaffen, die Gewässer freizuhalten von Treibgut und die Fließgeschwindigkeit zu verringern.

Martinszug kann stattfinden Weihnachtsmärkte fallen aus

Im Hinblick auf die augenblickliche Pandemielage wird es wohl einen Martinszug in der Doppelgemeinde geben. Sollte bis Anfang November eine neue Situaton ein Umdenken erforderlich machen, müsse man natürlich reagieren können, so Bürgemreister Dr. Frank Gondert. „Der Weihnachtsmarkt auf Burg Brohleck sowie der Katharinenmarkt in Niederlützingen müssen jedoch ausfallen“, so Gondert.

In Brohl mündet der Brohlbach in den Rhein. Vorher muss er aber „durchs Dorf“ und unter einer Brücke durch. Foto: HE

In Brohl mündet der Brohlbach in den Rhein. Vorher muss er aber „durchs Dorf“ und unter einer Brücke durch. Foto: HE

Bürgermeister Dr. Frank Gondert hat die Resolution im Benehmen mit seinen Amtskollegen im Brohtal verfasst. Foto: privat

Bürgermeister Dr. Frank Gondert hat die Resolution im Benehmen mit seinen Amtskollegen im Brohtal verfasst. Foto: privat

Hier stoßen Naturliebhaber und Hochwasserschutz aufeinander. Treibholz und im Bach liegendes Holz könnten im Flutfall zu ernsten Problemen führen. Daher fordert der Gemeinderat Brohl-Lützing die Entfernung von Treibholz.Foto: HE

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Ausbildungsmesse Rheinbach
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Sonderseiten Pellenzer Ausbildungsmesse
Sonderseite Flowcraft
Sonderseite Flowcraft
Empfohlene Artikel
Die politische Bilanz von Norbert Hansen ist in Kettig an vielen Stellen bis heute sichtbar.Foto: privat
18

Kettig. Mehr als 300 Bäume gepflanzt, rund 250 neue Bauplätze geschaffen, das Gewerbegebiet erschlossen, Kindergarten und Grundschule weiterentwickelt und neue Orte für Sport und Begegnung geschaffen: Die politische Bilanz von Norbert Hansen ist in Kettig an vielen Stellen bis heute sichtbar. Am 21. September wird der ehemalige Ortsbürgermeister 80 Jahre alt.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Pixabay.com
2671

Für rund zweieinhalb Stunden blieb es dunkel:

05.09.: Langer Stromausfall in Remagen und Sinzig

Sinzig/Remagen. Am Samstagabend kam es um 20.07 Uhr zu einem Kurzschluss im Bereich der Umspannanlage Sinzig. In der Folge fiel im Bereich von 31 Netzstationen der Strom aus. Betroffen waren Haushalte in Sinzig und Remagen.

Weiterlesen

Symbolbild.
1648

Nach dem Crash flüchtete der Verursacher zunächst zu Fuß von der Unfallstelle

07.09.: Kreis AW: Britischer Autofahrer missachtet Rechtsverkehr: Verletzte und Totalschaden nach Frontalkollision

Quiddelbach. Der Fahrer eines britischen Pkw befuhr am Freitagabend gegen 19:40 Uhr die B 257 von Quiddelbach kommend in Fahrtrichtung Müllenbach. Dabei nutzte er über einen längeren Zeitraum den linken Fahrstreifen. Ausgangs einer Linkskurve oberhalb von Quiddelbach kollidierte der schwarze Pkw frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug.

Weiterlesen

Nach der Flut bewiesen Gisela Dieringer und Brigitte Gafinen Durchhaltevermögen.
1258

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach mehr als 150 Jahren endet eine außergewöhnliche Familien- und Unternehmensgeschichte: Das traditionsreiche Schuhhaus Rollmann in Bad Neuenahr schließt seine Türen. Damit verliert die Innenstadt ein Geschäft, das für Generationen von Kundinnen und Kunden weit mehr war als nur ein Ort zum Schuheinkaufen, sondern einen Platz für Begegnungen und Gespräche. Nun haben sich die...

Weiterlesen