Politik | 01.10.2026, 15:13 Uhr

Exklusive Umfrage von Blick aktuell: Wie stehen Bürgermeister und Fraktionen zu einem möglichen Parkdeck auf der Jahnwiese?

Neues Parkdeck in Sinzig: Zwischen hoher Förderquote und vielen kritischen Fragen

Neues Parkdeck in Sinzig: Zwischen hoher Förderquote und vielen kritischen Fragen
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Sinzig. Kommt zu dem neuen Feuerwehrgerätehaus auf der Sinziger Jahnwiese auch noch ein Parkdeck? Das war jetzt Thema im Haupt- und Umweltausschuss der Stadt. Der Hintergrund: Die Stadt Sinzig wurde vor neun Jahren in das Städtebauförderungsprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung – Nachhaltige Stadt“ aufgenommen. Zu den Handlungsfeldern gehört die Erstellung eines Entwicklungskonzepts für die Jahnwiese. Im Rahmen der Vorstellung des Verkehrskonzepts im Februar 2026 wurde erläutert, dass ein weiterer Bestandteil des Konzepts die Überprüfung der Parkplatzsituation in der Kernstadt ist. Ergebnis: Es soll zusätzlicher Parkraum realisiert werden. In Betracht kommt die Errichtung eines Parkdecks auf den vorhandenen Parkplätzen an der Jahnstraße und der Harbachstraße. Aktuell befinden sich an der Jahnwiese 120 Stellplätze. Blick aktuell hat Bürgermeister Andreas Geron und die Fraktionen im Stadtrat zu ihren Positionen befragt.

Andreas Geron, Bürgermeister: „Auf der Jahnwiese befindet sich derzeit ein unbefestigter Parkplatz. Der Parkraumbedarf ist dort sehr hoch. Die Jahnwiese dient als Stellplatz für Berufstätige in der Innenstadt und deckt den Parkbedarf für die Kindertagesstätten und Schulen ab. Gleichzeitig handelt es sich um eine zentrale Hol- und Bringzone für die Eltern. Die Verwaltung hat in jüngerer Vergangenheit die Parkplatzfläche verdoppelt, um das benötigte Angebot an Parkraum zu schaffen. Der beschlossene Neubau der Feuerwehr auf der Jahnwiese wird dazu führen, dass nur die ursprünglichen (kleineren) Dimensionen des Parkplatzes zur Verfügung stehen werden. Ein Parkdeck würde die Parksituation deutlich verbessern. Die Verwaltung hat hier die Möglichkeit erarbeitet, eine Förderung von 70 bis 80 Prozent für dieses Projekt zu erhalten. Solche Förderquoten sind nicht alltäglich und mittelfristig nicht mehr zu erwarten. Die Politik hat nun die Möglichkeit zu entscheiden, ob ein stark gefördertes Parkhaus an dieser Stelle geplant werden soll. Die Planung soll insbes. die Belange der Anwohnenden, die Ergebnisse des Schulwegekonzepts und den Bedarf an Parkraum für die Innenstadt maßgeblich berücksichtigen.

Franz-Hermann Deres, CDU-Fraktion: „Der Ausschuss hat mehrheitlich beschlossen, dass die Verwaltung den Entwurf eines Parkplatzes und eines Parkdecks auf der Jahnwiese erstellt auf Möglichkeiten der Förderung ermittelt. Auf Grundlage der Ergebnisse soll die städtischen Gremien entscheiden, ob eines der beiden Projekte weiterverfolgt wird. Wir werden die Ergebnisse zur gegebenen Zeit in unserer Stadtratsfraktion beraten. Persönlich habe ich Zweifel, dass der Aufwand für ein Parkdeck in angemessenem Verhältnis steht zu der Zahl der Parkplätze, die durch ein Parkdeck im Vergleich zu einem Parkplatz entstehen.

Hartmut Tann, SPD-Fraktion: „Die politische Meinungsbildung zur Errichtung eines Parkdecks auf der Jahnwiese hat gerade erst begonnen. Insofern ist es für die SPD-Fraktion deutlich zu früh, eine Entscheidung für oder gegen das Parkdeck zu treffen. Auf der Jahnwiese befinden sich derzeit zwar bereits mehr als 100 Stellplätze. Eine Überprüfung der Parkplatzsituation in Sinzig im Rahmen des Verkehrskonzeptes hat aber den Bedarf für zusätzlichen Parkraum ergeben. Der für die künftige Nutzung der in der Nähe geplanten Stadthalle benötigte Parkraum erzeugt ebenfalls Bedarf. Im für Sinzig geltenden Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) kommt der Jahnwiese eine zentrale Rolle zu und sie soll neu genutzt werden. In diesem Zusammenhang könnte sich Sinzig die möglicherweise einmalige Möglichkeit einer hohen Förderung von bis zu 80 Prozent für die Errichtung eines Parkdecks aus dem ISEK-Förderprogramm bieten. Allerdings sind noch wesentliche Fragen zu klären, um eine valide Basis für eine Entscheidung für oder gegen ein Parkdeck auf der Jahnwiese zu haben, etwa die Anzahl an Parkplätzen, die auf diese Weise gewonnen werden kann, die Gestaltung des Verkehrsflusses in der Nähe der Kindestagesstätten und Schulen, die Verträglichkeit mit einem Neubau des Feuerwehrgerätehauses auf der Jahnwiese, die Lärmbelästigung der Anwohnenden, die Kosten für die Herstellung des Parkdecks und die Folgekosten für dessen Erhaltung und Betrieb sowie zur Klimarelevanz und einer klimaangepassten Vorgehensweise. Neben der Jahnwiese sind auch andere mögliche Standorte in eine Bewertung einzubeziehen, etwa in der Harbachstraße. Insofern hat der Haupt- und Finanzausschuss am 21. September 2026 die Verwaltung beauftragt, die zur Frage einer Weiterverfolgung des Projektes entscheidenden Grundlagen zu erarbeiten. Erst auf dieser Basis sind dann weitere Entscheidungen zu treffen.“

Martin Thormann, FDP-Fraktion: „Die FDP-Fraktion hat im Haupt- und Umweltausschuss klar gegen die weitere Prüfung eines Parkdecks auf der Jahnwiese gestimmt. Wir brauchen nicht für jedes denkbare Projekt erst eine Prüfung, bevor wir feststellen, dass wir es nicht brauchen. Gerade in der aktuellen finanziellen Situation der Stadt müssen wir mit Steuergeld und den Arbeitskapazitäten unserer Verwaltung verantwortungsvoll umgehen. Die Hol- und Bringzone unterstützen wir dagegen ausdrücklich und halten sie dringend für notwendig. Sie wurde bereits vor rund einem Jahr beschlossen und ist aus unserer Sicht ein wichtiger Baustein, um das Verkehrschaos rund um Schulen, Kindergärten, die Mensa und künftig auch die Stadthalle besser in den Griff zu bekommen. Beim Parkdeck sieht das anders aus. Nach der bisherigen Planung würden dadurch lediglich rund 20 zusätzliche Stellplätze entstehen. Dafür wollen wir weder weitere Planungskosten noch zusätzliche Arbeitszeit der Verwaltung einsetzen. Für uns ist die Linie deshalb eindeutig: Ja zur Hol- und Bringzone. Nein zum Parkdeck. Wir müssen nicht alles prüfen, nur weil es theoretisch machbar oder möglicherweise förderfähig ist. Verantwortungsvolle Politik bedeutet auch, unnötige Projekte frühzeitig abzulehnen und Geld und Verwaltungskapazitäten dort einzusetzen, wo sie tatsächlich gebraucht werden.“

Hardy Rehmann, Grünen-Fraktion: „Ein Parkhaus auf der Jahnwiese lehnt unsere Fraktion ab. Selbst bei einer hohen Förderquote ist ein erheblicher Investitionsbetrag der Stadt erforderlich. Diese Mittel benötigen wir für die Kindergärten, die Feuerwehr und die Anpassung der öffentlichen Gebäude an die hohen Sommertemperaturen. Große Parkhäuser werden sehr schnell zu Schmuddelecken und Angsträumen. Dies zu vermeiden erfordert einen hohen Aufwand und führt zu hohen Betriebskosten. Ein Parkhaus versiegelt zudem auch den verbleibenden Rest der Jahnwiese. Wir sprechen uns für die ebenerdige Einrichtung der Parkplätze und die schon lange beschlossene Einrichtung der Bring- und Holzone aus.

Reiner Friedsam, FWG-Fraktion: Die FWG sieht die Schaffung zusätzlichen Parkraums grundsätzlich als wichtigen Baustein für die Entwicklung der Sinziger Innenstadt. Bei einem Parkdeck auf der Jahnwiese müssen jedoch der tatsächliche Nutzen, die Investitionskosten und die langfristigen Folgekosten in einem angemessenen Verhältnis stehen. Wenn nach derzeitigem Stand lediglich rund 20 zusätzliche Stellplätze entstehen, sind kritische Fragen zur Wirtschaftlichkeit berechtigt. Gleichzeitig darf die Jahnwiese nicht über Einzelentscheidungen Stück für Stück entwickelt werden. Feuerwehrhaus, Hol- und Bringzone, Verkehrsanbindung, mögliche Veranstaltungsnutzungen im Schulzentrum sowie die städtebauliche Wirkung im Umfeld von Schloss und Innenstadt müssen in einem Gesamtkonzept betrachtet werden. Dabei sind auch die berechtigten Interessen der Anwohner, insbesondere in der Kolpingstraße, zu berücksichtigen. Deshalb erwartet die FWG im Rahmen des Prüfauftrags neben einer belastbaren Kosten- und Förderanalyse auch ein Lärmschutzgutachten sowie eine Prüfung der Auswirkungen zusätzlicher Verkehrsbewegungen infolge einer intensiveren Nutzung des Areals. Auf Grundlage der Ergebnisse soll anschließend eine objektive und faktenbasierte Bewertung vorgenommen werden können.

GS

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