Allgemeine Berichte | 21.01.2014, 09:31 Uhr

Jehovas Zeugen Wachtberg

Gedenktag zur Befreiung der Opfer des NS-Regimes

Witali Kostanda und seine Frau Helga. JZ
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Wachtberg. Seit 1996 ist der 27. Januar nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Auch die Wachtberger Gemeinde von Jehovas Zeugen gedenkt in diesen Tagen der Verfolgung ihrer Glaubensbrüder und -schwestern durch das NS-Regime. Jehovas Zeugen (damals als Bibelforscher bekannt) gehören neben Sinti und Roma, Slawen, Zwangsarbeitern, Homosexuellen, Kranken und Behinderten zu den kleineren Opfergruppen, die vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Gunter Schwenk aus der Wachtberger Gemeinde bemerkt dazu:

Geistiger Widerstand

„Jehovas Zeugen haben auch in den Konzentrationslagern treu zu ihrem Glauben gestanden. Wenn man bedenkt, dass ihnen Freiheit in Aussicht gestellt wurde, wenn sie ihrem Glauben schriftlich abgeschworen hätten, ist das noch erstaunlicher. Den allermeisten Zeugen war ihr Glaube offensichtlich mehr wert als ihr Leben, was meinen ganzen Respekt fordert.“ Dieser Akt der Zivilcourage sowie des geistigen Widerstands aus religiöser Überzeugung hatte seinen Preis. Von den damals rund 25.000 Zeugen Jehovas in Deutschland kamen über 12.000 in Haft, davon mehr als 4.500 ins Konzentrationslager. Mehr als 1.500 verloren dort ihr Leben.

Nur 500 Menschen überlebten den Untergang der Cap Arcona

Witali Kostanda aus der Bonner Gemeinde von Jehovas Zeugen gehörte ebenfalls zu den Überlebenden der Konzentrationslager. 1943 wurde der aus der Ukraine stammende Witali Kostanda als Zwangsarbeiter ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Dort bemerkte er Häftlinge mit dem „lila Winkel“, womit Jehovas Zeugen stigmatisiert wurden. Als Atheist war er überrascht auf Menschen zu treffen, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung inhaftiert waren. Ihre vehemente Wehrdienstverweigerung, sowie die Art und Weise, wie sie das Christentum auslebten und so das biblische Konzept der Gleichheit aller Menschen praktizierten, beeindruckte ihn sehr. 1945 kam er ins KZ Neuengamme bei Hamburg. Dort gehörte er zu den Häftlingen, die einige Tage vor Kriegsende auf das völlig überfüllte Schiff „Cap Arcona“ transportiert wurden, um in der Ostsee versenkt zu werden. Am 3. Mai 1945 wurde das Schiff versehentlich durch britische Flieger bombardiert. Von den geschätzten 5.000 bis 6.000 Häftlingen an Bord überlebten nur etwa 500 die Katastrophe, darunter Witali Kostanda.

Glaube statt Verbitterung

Helga Kostanda (87), die Witwe des 2011 verstorbenen Witali Kostanda, erinnert sich: „Die Erlebnisse in den Konzentrationslagern prägten das weitere Leben meines Mannes. Doch statt Verbitterung stand jetzt sein Glaube an Jehova Gott im Mittelpunkt seines Lebens, sowie sein Wunsch, anderen Menschen durch die gute Botschaft der Bibel zu helfen. Nach unserer Hochzeit 1955 in Bonn taten wir dies gemeinsam. Das hat unser Leben sehr bereichert und glücklich gemacht.“ Jehovas Zeugen in Wachtberg erinnern an den bemerkenswerten Widerstand aus christlicher Überzeugung ihrer Glaubensbrüder und -schwestern vor 69 Jahren. Auch in der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus in der Franziskaner Straße 9 finden sich weitere Beispiele von Jehovas Zeugen, die ihrem Glauben in schwierigsten Zeiten treu geblieben sind.

Pressemitteilung

Jehovas Zeugen Wachtberg

Witali Kostanda aus Bonn überlebte das KZ Neuengamme und den Untergang der „Cap Arcona“.

Gedenktag zur Befreiung der Opfer des NS-Regimes

Witali Kostanda und seine Frau Helga. Fotos: JZ

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