Allgemeine Berichte | 01.04.2014

Postfiliale in Niederbachem schließt zum 1. Juli

„Paketlawine“ zu Weihnachten brachte das Fass zum Überlaufen

Kioskbetreiberin Esther Kloesel gekündigt Vertrag, Post sucht neuen Standort

Kioskbetreiberin Esther Kloesel hat die Nase voll von der Post und hat den Vertrag zum 30. Juni diesen Jahres gekündigt. JOST

Niederbachem. Noch hat die Deutsche Post keine Nachfolgelösung gefunden für die Niederbachemer Postfiliale im Lotto- und Zeitungsgeschäft von Esther Kloesel gleich neben dem Henseler Hof. „Wir sind aber weiterhin auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für unsere Dienstleistung“, bestätigte Sprecher Dieter Pietruck von der Deutschen Post DHL in Düsseldorf gegenüber dem „Blick aktuell“. Das gestalte sich jedoch schwieriger als gedacht. Notwendig geworden war die Suche nach einer neuen Niederlassung, nachdem Inhaberin Esther Kloesel ihren Vertrag zum 30. Juni gekündigt hatte. Im Februar 2007 hatte sie in ihrem kleinen Zeitschriften- und Lottogeschäft in der Konrad-Adenauer-Str. 40 einen etwa acht Quadratmeter großen Teil rechts neben der Eingangstür zur Postfiliale umgebaut und seither tagein, tagaus die Kunden dort bedient. „Der Umgang mit den Kunden hat mir sehr viel Spaß gemacht, darüber kann ich nichts Negatives sagen“, gibt sie zu. Die Zusammenarbeit mit dem Vertragspartner Deutsche Post DHL habe jedoch von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden.

Ausbildung im Crashkurs

Schon die „Ausbildung“ für die Übernahme dieser verantwortungsvollen Tätigkeit sei sehr dürftig ausgefallen, sie habe aus einem fünftägigen Crashkurs bestanden, von denen drei Tage für den Postdienst und zwei Tage für die Bankdienstleistungen reserviert waren. In den ersten 14 Tagen habe die Post ihr immerhin einen „Coach“ zur Seite gestellt, um sich in das Prozedere einzuarbeiten. Doch bei der Post ändere sich häufig etwas, immer wieder gebe es neue Aufgaben, neue Produkte und neue Vorgehensweisen, sodass man eigentlich andauernd in der Ausbildung sei. Dafür gebe es alle zwei Monate einen Workshop der Post - unbezahlt und nach Feierabend. Selbst für das von der Post zur Verfügung gestellte Mobiliar habe sie extra Miete zahlen müssen, schüttelt Kloesel den Kopf, dabei haben sie und besonders ihr Lebensgefährte noch jede Menge Eigenarbeit in den Einbau investieren müssen. Eine Geschichte voller Pleiten, Pech und Pannen für sich allein sei schon die Suche nach dem passenden Tresor gewesen, denn obwohl man alles genau ausgemessen hatte, sei das erste Exemplar viel zu groß gewesen und auch noch viel zu spät geliefert worden, und bis dann der Richtige kam, sei noch einmal viel Zeit vergangen.

Eine einseitige Partnerschaft

Leider gebe es vonseiten der Vorgesetzten keinerlei Unterstützung, sondern lediglich immer neue Vorschriften. Man sei stets auf sich selbst gestellt, auch beispielsweise bei der Suche nach der richtigen Versicherung für die Postfiliale. „Es ist eine sehr einseitige Partnerschaft, bei der sich keiner von der Post darum kümmert, wie die Leute vor Ort zurecht kommen - ganz anders als zum Beispiel bei Lotto.“ Bezeichnend sei es gewesen, als sie einem Vorgesetzten einen Überfall auf ihre Postfiliale gemeldet habe und dessen erste Frage gewesen sei: „Brauchen Sie neue Briefmarken?“ Die Entscheidung, den Vertrag zu kündigen, sei Ende vergangenen Jahres gefallen, weil die ständigen Platz- und Abholprobleme mit dem immer zahlreicher werdenden Paketen einfach nicht gelöst worden seien. „Mein ganzer Laden stand immer wieder bis unter die Decke voller Pakete, sodass die anderen Auslagen verdeckt waren und die Kunden kaum noch raus oder rein gekommen sind“. Seit drei Jahren sei das Problem bekannt, doch es habe sich einfach nichts getan. Die Pakete seien zwar nach einigem Hin und Her zweimal am Tag abgeholt worden, aber zu völlig unsinnigen Zeiten, nämlich einmal kurz vor und einmal kurz nach der Mittagspause. „Wir haben die Pakete zeitweise an der Hauswand außen stapeln müssen, weil wir nicht mehr wussten, wohin damit“, erinnert sich Kloesel. Und die „Weihnachtslawine“ habe dann das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Dazu sei auch noch die Provision so knapp bemessen, dass man praktisch nichts mit der vielen Arbeit verdienen könne. „In guten Monaten hat es gerade so gereicht, um die Aushilfe zu bezahlen“, rechnet die Kioskinhaberin vor.

Politiker mischten sich ein

Die Schließung der Postfiliale in Niederbachem rief natürlich auch die Wachtberger Parteien auf den Plan.

Zunächst zeigte die SPD ihr Unverständnis über das Vorgehen der Post und forderte, auf jeden Fall eine neue Postfiliale im 4000 Einwohner zählenden größten Wachtberger Ortsteil zu eröffnen.

Die CDU hatte derweil erfahren, dass es auch nach dem 1. Juli postalische Dienstleistungen in Niederbachem geben werde. Der Wachtberger Beigeordnete Ostermann hatte zudem im Niederbachemer Ortsausschuss berichtet, die Post habe bereits im Dezember 2013 Kontakte zu Einzelhändlern aufgenommen und sehr intensive Gespräche geführt. Bislang allerdings ohne Erfolg. Er sei trotzdem optimistisch, weil die Post ab dem 14. April im Getränkehandel PartyExpressBonn GmbH an der Konrad-Adenauer-Straße einen DHL Paketshop anbieten wolle. Das könne vielleicht die Vorstufe einer neuen Postfiliale sein, hoffte er.

Aber selbst wenn das doch scheitern und sich bis zum 1. Juli kein neuer Betreiber finden sollte, müsse die Post ihre Dienstleistungen mit eigenen Mitteln in Niederbachem anbieten, erklärte Ostermann. Es werde jedenfalls keinen Tag ohne Postdienstleistungen geben, versprach er.

Kioskbetreiberin Esther Kloesel hat die Nase voll von der Post und hat den Vertrag zum 30. Juni diesen Jahres gekündigt. Foto: JOST

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