Allgemeine Berichte | 03.11.2013

Auch nach neun Jahrzehnten identifizieren sich die Fritzdorfer mit den Zielen des Vereins und unterstützen ihn tatkräftig

SV Rheinwacht Fritzdorf feierte 90-jähriges Bestehen

Gleich dreimal musste ein Neuanfang bewältigt werden – Finanziell ist der Verein nicht auf Rosen gebettet

Zahlreiche Goldene und Silberne Ehrennadel gab es für die langjährigen Mitglieder beim Festkommers anlässlich des 90-jährigen Bestehens des SV „Rheinwacht“ Fritzdorf.  

Fritzdorf. Im Juni 1923 gründeten elf fußballbegeisterte Fritzdorfer den Sportverein „Rheinwacht“ Fritzdorf. Am Wochenende feierten die 108 Mitglieder des SVR das 90-jährige Bestehen mit einem Festkommers im Jugendheim Fritzdorf.

Die „Rheinwacht“ sei zwar ein Traditionsverein in Fritzdorf, so der Vorsitzende Kurt Wingender, ob aber ein Verein alt oder jung sei, könne man nur anhand der Akzeptanz in der Bevölkerung feststellen. „Die Menschen müssen sich mit den Zielen des Vereins identifizieren und ihn dabei auch aktiv unterstützen“, wusste er. Und das sei beim SVR nach wie vor der Fall. Wingender hob insbesondere die Leistung der zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter hervor, ohne die ein Verein nicht existieren könne. Der SVR werde darüber hinaus auch von zahlreichen Nichtmitgliedern immer wieder unterstützt, vor allem bei der Ausrichtung der alljährlichen Sportwoche, die anders auch gar nicht mehr durchgeführt werden könne. Leider müsse man aber auch feststellen, dass mittlerweile ein großer Nachwuchsmangel herrsche, der das Weiterbestehen des Vereins erschwere.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Auch finanziell sei die „Rheinwacht“ nicht auf Rosen gebettet, und das werde auch wohl noch eine ganze Zeit lang zu bleiben. „Aber man muss bereit sein, die Herausforderungen anzunehmen und versuchen, das Beste daraus zu machen“, blickte er dennoch optimistisch in die Zukunft. Er hoffe, dass der SVR noch weitere neun Jahrzehnte die Menschen inspirieren und für seine Ziele gewinnen könne.

Bürgermeister Theo Hüffel lobte vor allem die Mitglieder, die in ehrenamtliche Arbeit für das Fortbestehen des Vereins gesorgt hätten. Dabei hätten sie viele Opfer an Zeit, Geld und an Arbeitsleistung für ihr Hobby erbracht. Er hatte auch eine erfreuliche Nachricht im Gepäck: Im Haushaltsplan der Gemeinde Wachtberg für das kommende Jahr werde er vorschlagen, den dringend notwendigen Anbau an die Mehrzweckhalle vorzusehen, denn damit wäre nach dem Ende des Schwalbensaals sicherlich allen Vereinen im Ort gedient. Der SVR sei jedenfalls sowohl sportlich wie auch gesellschaftlich eine bedeutende Nummer und ein Aktivposten im Dorfleben, die Mitglieder könnten zu Recht mit stolz auf die Geschichte zurückblicken.

Wechselhafte Geschichte im Rückblick

Die war allerdings durchaus wechselhaft. Die Gründer hatten für den neuen Fußballverein zwar den Namen „SV Viktoria“ vorgesehen, bei der Anmeldung in Bonn zeigte es sich jedoch, dass dieser Name schon mehrfach „besetzt“ war. So änderte man kurzerhand den Namen an Ort und Stelle in „SV Rheinwacht“ um, der bis heute Bestand hat. Zum Eintritt in den Verein musste damals jedes Mitglied 20.000 Reichsmark blechen – allerdings in der Zeit der großen Inflation, was die hohe Summe doch relativiert. Geld war damals trotzdem knapp, denn der erste Fußball wurde im Tausch gegen einige Zentner Weizen erworben. Auch danach fiel es schwer, den Verein finanziell über Wasser zu halten. Der Löwenanteil der Einnahmen rührte aus Tanzveranstaltungen und Theatervorführungen mit Laienspielern aus den eigenen Reihen. Zu den Auswärtsspielen fuhr man per LKW, wobei die Fußballspieler dasselbe Fahrgeld zahlen mussten wie die Schlachtenbummler. 

Auch für den SVR war der Zweite Weltkrieg eine Zäsur. Der erneute Start verlief genau so schwierig wie im Gründungsjahr, und wiederum konnte man nur mit Tauschwaren wie Weizen, Kartoffeln oder Butter die ersten Bälle und eine neue Spielerkluft beschaffen. Damals verzeichnete der Verein große sportliche Erfolge, unter anderem mit der Meisterschaft in der I. Kreisklasse.

Vorläufiges Aus für die Rheinwacht

Doch dabei versäumte man es, den nötigen Unterbau zu schaffen. Nach dem Ausscheiden mehrerer hervorragender Spieler konnte in der Saison 1951/52 der Abstieg in die II. Kreisklasse und im folgenden Jahr der Abstieg in die III. Kreisklasse nicht verhindert werden. Diesen sportliche Misserfolg verkraftete der Verein nicht, die Einstellung des Spielbetriebs im Herbst 1954 bedeutete das vorläufige Aus für die „Rheinwacht“.

Doch die Pause währte nicht lange. 1962 trafen sich die Fritzdorfer Jugendlichen häufig auf dem ehemaligen Sportplatz an der Arzdorfer Straße - der zwischenzeitlich wieder als Viehweide genutzt wurde - und jagten dem runden Leder nach.

Angetrieben von Johannes Schwalb entschloss man sich, die Fußballverein wieder auferstehen zu lassen. Für den Seniorenspielbetrieb fanden sich 18 fußballbegeisterte Jugendliche, und selbst für die Bildung einer Jugendmannschaft zählte man noch genügend Spieler. Nur zwei Jahre später konnte der SVR erstmals eine 2. Seniorenmannschaft melden, die allerdings zum Ende der Saison mit dem letzten Tabellenplatz vorlieb nehmen musste.

Nicht anders erging es der neu gebildeten A-Jugend, die ohne Pluspunkt und mit einem astronomischen Negativ-Torverhältnis die Saison beendete.

Heute spielt die erste Mannschaft in der Kreisliga D und hat sich vorerst im Mittelfeld etabliert. Außerdem gibt es noch eine aktive Gymnastikabteilung, in der die Damen ihre sportlichen Aktivitäten in der Mehrzweckhalle austragen.

Ehrungen und Ernennungen

Natürlich gab es auch zahlreiche Ehrungen bei dem Festkommers. So wurden Karl-Josef Wachensdorf und Werner Wolf zu Ehrenvorsitzenden ernannt, Peter Herrschbach und Robert Wolf wurden Ehrenmitglied. Die Goldene Ehrennadel erhielten Siegfried Anders, Robert Bollig, Josef Breitenbend, Hermann Byhan, Ernst Eschweiler, Hans-Peter Hermann, Manfred Kündgen, Horst Lehmberg, Holger Netterscheidt, Rainer Netterscheidt, Werner Rollmann, Herbert Schmitz, Reinhold Seidel, Alois Sieburg, Manfred Sieburg, Heinz Willi Sieburg, Werner Sieburg, Hugo Reiß, Friedhelm Lehmberg und Herbert Sonntag. Die Silberne Ehrennadel schließlich ging an Michael Kaspers, Bruno Räther, Walter Theil, Jürgen Weimann und Peter Mombauer.

Neues Ehrenmitglied des SVR Fritzdorf ist Peter Herschbach (links), der Vorsitzende Kurt Wingender gratulierte. VJ

Neues Ehrenmitglied des SVR Fritzdorf ist Peter Herschbach (links), der Vorsitzende Kurt Wingender gratulierte. Fotos: VJ

Zahlreiche Goldene und Silberne Ehrennadel gab es für die langjährigen Mitglieder beim Festkommers anlässlich des 90-jährigen Bestehens des SV „Rheinwacht“ Fritzdorf.  

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