Allgemeine Berichte | 14.10.2014

Adendorfer Töpferwochenende

Töpferhandwerk erlebt kleine Renaissance

Kunden legen wieder mehr Wert auf Qualität und Haltbarkeit

Töpferhandwerk erlebt kleine Renaissance

Adendorf. Klein, aber fein war das Adendorfer „Töpferwochenende“, das als Nachfolgeveranstaltung der einstigen Töpfertage die Fahne des Töpferhandwerks hochhält. Immerhin zwei heimische Töpfereien öffneten ihre Türen, und erstaunlich viele Freunde des vollen Handwerks schauten in dem Wachtberger Dorf vorbei. Schon im vergangenen Jahr hatte sich gezeigt, dass Totgesagte länger leben. Neben der Töpferei von Paul Günther hatten auch Norbert Corzelius und Peter Hansen an der Veranstaltung teilgenommen, für das leibliche Wohl sorgte die Karnevalsgesellschaft Adendorfer Hetzbröde.

Zwischen Tradition und Moderne konnten sich die Besucher mit der Geschichte der Adendorfer Töpfer vertraut machen. Neben altbewährter, liebevoll in Handarbeit dekorierter Gebrauchsware, wie sie früher im täglichen Gebrauch im Einsatz war, waren auch heute gefragte Kunstwerke wie Lichtobjekte, Sonderanfertigungen nach Wunsch wie Tassen oder Teller mit Wappen oder Emblem zu bestaunen und konnten sogar käuflich erworben werden. So besuchte auch Wachtbergs Bürgermeisterin Renate Offergeld die teilnehmenden Betriebe, sie wurde dabei begleitet vom Ortsausschuss-Vorsitzenden Volker Gütten.

Arbeit macht wieder Spaß

Dabei erfuhren die beiden Kommunalpolitiker, dass es mittlerweile so etwas wie eine Renaissance des Töpferhandwerks gebe, weil viele Leute wieder bereit seien, wieder mehr Geld für handwerklich hergestellte und qualitativ hochwertige Töpferwaren auszugeben. Geburtstagsteller, Zierkeramik, Tierfiguren oder Lichtkugeln sein sehr gefragt, „mittlerweile macht die Arbeit richtig Spaß“, bestätigte Paul Günther. Seiner Ansicht nach hätten einige Adendorfer Betriebe vielleicht etwas zu früh die Flinte ins Korn geworfen, heute stelle sich die Situation erheblich günstiger dar, als noch vor einigen Jahren.

Dabei sei das Töpferhandwerk schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Adendorf angesiedelt. Gefördert wurde die Einführung durch den damaligen Besitzer der Burg Adendorf, Friedrich Ferdinand von der Leyen. Dieser habe die Standortvorzüge zu nutzen gewusst, so Günther, denn guter Ton war reichlich vorhanden, ebenso eine sehr günstige Verkehrslage. Von der Leyen habe die ersten Töpfer aus dem Westerwald davon überzeugt, nach Adendorf umzusiedeln. Außerdem verfügte der damalige Burgherr über eine günstige Quelle zum Erwerb des damals noch sehr teuren Salzes, welches für die klassische Salzbrandglasur benötigt wird. Der Kottenforst diente der Abdeckung des enormen Holzbedarfes, der für den Brand in den klassischen Kasseler Langöfen - ein Nachbau ist auf dem Dorfplatz mit Hilfe der Töpfer gebaut worden - von Nöten war. Mittlerweile ist sogar schon ein Musical über die Entstehungsgeschichte der Töpfer-Tradition in Adendorf erschienen, geschrieben von Alfons Gehlen (Musik) und Rainer Engberding (Text) unter dem Titel „Die Kannebäcker“.

Fünf Töpferein blieben übrig

Doch von den ehemals mehr als 40 Töpfereien sind im Wandel der Zeit bis heute nur noch fünf übrig geblieben. Früher waren die Betriebe eher spezialisiert, doch heute sei die Produktpalette der einzelnen Betriebe vielseitiger und lebendiger geworden, so Günther. Sogar Anfragen zur Herstellung von Tontrommeln wie einer Urdu, einer Tontrommel in Flaschenform, lägen vor. Aber auch Digeridoos seien schon aus Ton hergestellt worden. „Offensichtlich ist Ton ein sehr guter Klangträger“, wie auch schon die ehemalige Töpferei Heinevetter mit selbst hergestellten Lautsprechern aus Keramik bewiesen habe. Der Vorteil der Adendorfer Tonprodukte sei vor allem, dass die Töpfer auf persönliche Wünsche eingehen könnten und der Zwischenhandel fehle.

In der Töpferei Günther gab es Einiges zu bestaunen und selbst zu tun. So gab es zum Vergleich mit dem historischen Kasseler Langofen von 1920 eine Bilddokumentation über den 2005 von den Töpfer erbauten „kleinen Bruder“ dieses Ofens auf dem Dorfplatz, ebenso wie interessante Dokumentationen zur Historie der ursprünglichen Töpfertage. An der Töpferscheibe konnten die Gäste, ob groß oder klein, sich selbst einmal als Töpfer versuchen, fachkundig und geduldig angeleitet von Silke Goldammer. Es entstanden Teelichter, Aschenbecher und Kaffeebecher, die ein paar Wochen später fertig gebrannt von den „Künstlern“ abgeholt werden können.

Beim Adendorfer Töpferwochenende durften auch die Kinder ihr Können unter Beweis stellen.

Unter der fachkundigen Anleitung von Silke Goldammer (re.) durften die Gäste ihr Können an der Töpferscheibe ausprobieren.

Töpferhandwerk erlebt kleine Renaissance
Töpferhandwerk erlebt kleine Renaissance

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
125-jähriges Jubiläum der Rosenkranzkirche Bad Neuenahr und offizielle Wiedereröffnung am 12.04.26
Wohnträume
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
  WÄRMEPUMPE ÖL/GASHEIZUNG
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
104

Die Woche vom 20. bis 26. April fällt in eine Phase des spürbaren Übergangs. Der Frühling zeigt sich vielerorts bereits stabil, gleichzeitig wächst die Erwartung auf den Mai. Diese Mischung aus Aufbruch und Ungeduld prägt viele Entscheidungen. In Liebe, Gesundheit und Beruf entstehen Chancen, aber auch Momente der Unsicherheit. Kleine Veränderungen im Alltag können große Wirkung entfalten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Persisches Frühlingsfest „Nowrooz“ im Haus der Familie Andernach, am 28.03.2026 (v.l.n.r.: Vertreter des iranischen Kulturverein Kourosh, Leiterin Haus der Familie Andernach Lisa Scharrenbach, Bürgermeister Claus Peitz, Leiterin des Integrationsnetzwerks der Stadt Andernach Mahnaz Lübke, designierter Bürgermeister Sammy Labidi).Foto: tadtverwaltung Andernach / Regina Unruh
6

Kultureller Austausch gewinnt in Zeiten internationaler Spannungen an Bedeutung

Rund 100 Gäste feiern persischen Jahresbeginn

Andernach. Am 28. März 2026 fand im Haus der Familie der Stadt Andernach erstmals das persische Frühlingsfest „Nowrooz“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Mahnaz Lübke, Leiterin des Integrationsnetzwerks der Stadt Andernach, in Zusammenarbeit mit dem iranischen Kulturverein Kourosh aus Koblenz. Rund 105 Gäste folgten der Einladung, um gemeinsam den Jahresbeginn nach persischer Tradition zu feiern.

Weiterlesen

5

Förderverein Bürgerhaus "Alte Schule"

Jahreshauptversammlung

Hammerstein. Der Vorstand des Fördervereins Bürgerhaus „Alte Schule“ Hammerstein lädt alle Mitglieder und Interessierte zur diesjährigen Jahreshauptversammlung ein. Sie findet statt am Montag, den 20.04.2026 um 19 Uhr im Bürgerhaus "Alte Schule" Hammerstein.

Weiterlesen

Image Anzeige
Wir helfen im Trauerfall
Alles rund ums Haus
Rund ums Haus
Stellenanzeige
Koblenzer Kneipengeschichten
Titelanzeige KW 15
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Wohnträume
Wohnträume
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten -bitte beim Text vom Gartenmarkt
Staplerfahrer (m/w/d)
Sachbearbeiter/in (w/m/d)
Anzeige Lagerverkauf