Politik | 12.02.2015

CAP-Markt in Niederbachem muss schließen

Wie geht es weiter mit der Nahversorgung der Anwohner?

Zum 30. Juni macht der CAP-Markt seine Pforten zu - Heimatverein lädt ein zum runden Tisch am 26. Februar

Wie geht es weiter mit der Nahversorgung der Anwohner?

Niederbachem. Der CAP-Markt in Niederbachem steht vor dem Aus. Die Betreiberin des Geschäfts, die Gesellschaft für Integrationsdienste der Arbeiterwohlfahrt, bestätigte die Schließung des Ladens, in dem Menschen mit und ohne Handicap - daher die Bezeichnung CAP-Markt - arbeiten, zum 30. Juni. Von der Schließung sind 17 Mitarbeiter betroffen, neun werden aller Voraussicht nach eine Kündigung erhalten, bei den acht behinderten Angestellten muss das Integrationsamt noch zustimmen. Nach Angaben von Franz-Josef Windisch, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Bonn-Rhein-Sieg, sei keine ausreichende wirtschaftliche Basis für das Fortbestehen des Geschäfts in zweiter Reihe an der Konrad-Adenauer-Straße vorhanden.

Vor sechs Jahren war der CAP-Markt eröffnet worden und sollte die Nahversorgung in Niederbachem sicherstellen, nachdem das Edeka-Geschäft aufgegeben hatte. Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen war seither das Markenzeichen des CAP-Marktes. Schon bei der Eröffnung hatte die Arbeiterwohlfahrt allerdings deutlich gemacht, dass sich der Supermarkt auch wirtschaftlich rechnen müsse. Letztlich sei das Einkaufsverhalten der Kunden entscheidend für die Zukunft des Geschäftes. Doch seit 2013 habe der Markt einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen müssen.

Konkurrenz war zu stark

Dessen ungeachtet habe man sich bei der Arbeiterwohlfahrt dennoch dazu durchgerungen, den Mietvertrag um zwei Jahre zu verlängern. Bei dieser Entscheidung habe man sich auch von den Bedürfnissen der Mitarbeiter und der Stammkunden, überwiegend älterer Menschen aus dem direkten Umfeld, leiten lassen. Doch auch 2014 konnte man kein auch nur annähernd kostendeckendes Ergebnis erreichen, obwohl man einiges getan habe. Die Konkurrenz, beispielsweise durch das Einkaufszentrum in Berkum, sei einfach zu stark und entziehe dem CAP-Markt in Niederbachem Kunden und damit die erforderlichen Einnahmen.

Jetzt habe man vor absehbaren Investitionen in den Geschäftsbetrieb gestanden, wie der Anschaffung neuer sparsamer Kühlgeräte, einer effizienteren Ladenbeleuchtung oder eines neuen Lieferfahrzeugs. Deshalb haben sie schweren Herzens die Entscheidung gefallen, die Geschäftstätigkeit zum Ende des Mietvertrages aufzugeben.

Auch zahlreiche Gespräche mit anderen gemeinnützigen Organisationen wegen einer möglichen Übernahme des CAP-Markts seien bisher nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Doch zumindest der Heimatverein Niederbachem, der sich in der Vergangenheit intensiv um eine ortsnahe Lebensmittelversorgung bemüht und das CAP-Konzept auch wegen dessen sozialer Idee unterstützt hat, hat noch nicht ganz aufgegeben. Man ist jetzt auf der Suche nach Perspektiven für das Einkaufen im größten Wachtberger Ortsteil.

Gute soziale Idee unterstützt

„Der Heimatverein Niederbachem hat sich in der Vergangenheit immer für eine ortsnahe Lebensmittelversorgung eingesetzt und das CAP-Konzept unterstützt - nicht zuletzt, weil mit dem Einkauf auch eine gute soziale Idee unterstützt wurde“, so der Vorsitzende Hans Thelen. Aber offenbar habe sich das CAP-Konzept am Ort nicht durchsetzen können.

Ältere hilfsbedürftige Mitbürger oder solche, die keinen PKW haben, werden in Zukunft auf den Bus oder auf Unterstützung angewiesen sein, fürchtet man. In diesem Zusammenhang soll auch die Frage der Zustellung per Haus und der damit verbundenen Kosten sowie die verstärkte Inanspruchnahme fahrender Händler erörtert werden. „Das Einkaufen dürfte für viele in Niederbachem teurer und zeitaufwendiger werden“, fürchtet Thelen.

Deshalb soll ein runder Tisch zum Thema: „Der CAP-Markt schließt. Was nun?“ für etwas mehr Klarheit sorgen. Die öffentliche Informationsveranstaltung mit Diskussion findet am Donnerstag, 26. Februar, um 18 Uhr im Archivraum des Heimatvereins Niederbachem „Alte Schule“, Mehlemer Straße 3, statt.

Eingeladen sind Bürgermeisterin Renate Offergeld und Vertreter der AWO, der Ortsvertretung, der UNO, des Gewerbevereins, der Nachbarbetriebe sowie der Vermieter. Die Leitung der Diskussion hat Dr. Walter Töpner.

Der CAP-Markt soll schon bald der Vergangenheit angehören.Foto: JOST

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