Wirtschaft | 15.03.2021

Einzelhandel in Rheinland-Pfalz

Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage könnte Corona-Verluste mildern

Leere Innenstadt in Remagen: In der Stadt am Rhein wünscht man sich häufigere verkaufsoffene Sonntag. Foto: ROB

Region. Das Ladenöffnungsgesetz in Rheinland-Pfalz regelt es ganz klar: Es sind maximal vier verkaufsoffene Sonntag pro Jahr erlaubt. Diese müssen zusätzlich in einen Rahmen des „öffentlichen Interesses“ eingebettet sein. Gemeint sind in der Regel Volksfeste oder Märkte, die Shopping und Freizeit kombinieren sollen. An sich ist das für die meisten Einzelhändler kein Problem – insofern nicht auf den Einzelhandel im benachbarten Nordrhein-Westfalen geschielt wird. Dort sind acht verkaufsoffene Sonntage per anno gestattet. Und damit doppelt so viele wie in Rheinland-Pfalz. Auch in anderen Bundesländern sind im Ladenöffnungsgesetz eine höhere Anzahl der Sonntage mit Einkaufsmöglichkeit festgehalten. Das wird von manchen Werbegemeinschaften im Land als ungerecht empfunden.

Während der Corona-Pandemie nahm die Diskussion um eine Erweiterung der verkaufsoffenen Sonntage im Land wieder Fahrt aus. Durch Lockdown, Terminshopping und Konkurrenz durch den Online-Handel sind die Kassen im Einzelhandel leer. Deshalb wünschen sich manche Werbegemeinschaften eine Erweiterung der zusätzlichen Öffnungstage. Dies soll zumindest die Verluste ein wenig mildern. Auch der Handelsverband Rheinland-Pfalz forderte eine Ausweitung auf fünf verkaufsoffene Tage im Jahr. Die CDU-Fraktion im Landtag hatte im Juni 2020 eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes vorgeschlagen. Die Christdemokraten setzen sich zwar grundsätzlich zum Schutz des Sonntages als arbeitsfreien Tag ein, in der Coronazeit für wäre man jedoch für Kompromisse offen.

Dies stieß insbesondere bei der FDP auf Widerstand: Eine Änderung müsse erst mit Handwerkskammer und IHK abgestimmt werden. Gewerkschaften wie ver.di sind grundsätzlich gegen eine Ausweitung. Auch die Kirchen haben oft Probleme, sich mit dem Gedanken anzufreunden. Rückenwind für die Befürworter der Sonntage mit Einkaufsmöglichkeiten gibt es aus der Bundesregierung: Wirtschaftsminister Peter Altmaier schlug vor, in 2021 die verkaufsoffenen Sonntage auszuweiten. Das gelte dann auch in Rheinland-Pfalz. Unter den Werbegemeinschaften in rheinland-pfälzischen Städten herrscht ebenfalls nicht unbedingt Einigkeit. Petra Pellenz, 1. Vorsitzende der Werbegemeinschaft „Remagen mach ich“ ist sicher. „Alle Einzelhändler sind seit einem Jahr von Corona gebeutelt. Viele werden es vielleicht nicht schaffen. Aber die, die übrig bleiben sollten die Chance bekommen, Ihre Umsätze zu festigen und zu erhöhen“, sagt sie. „Dazu ist eine Öffnung am Sonntagnachmittag ein sehr gutes Mittel“, vermutet Pellenz. Dem pflichtet auch Markus Schmitt bei. Schmitt ist der Vorsitzende der MY-Gemeinschaft, der Werbegemeinschaft in Mayen. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns haben auch dort den innerstädtischen Handel, die Gastronomie und die Kultur extrem hart getroffen. „Aus diesem Grund wäre es äußerst wichtig und sehr zu begrüßen, wenn in Rheinland-Pfalz eine größere Anzahl von verkaufsoffenen Sonntagen zugelassen würden. Um die hohen Umsatzverluste zumindest teilweise zu kompensieren, wären die zusätzlichen Verkaufstage sicherlich ein sehr geeigneter Lösungsansatz“, ist sich Schmitt sicher.

Mehr Rechtssicherheitgewünscht

Volker Danko, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Aktivkreis Bad Neuenahr-Ahrweiler, schließt sich dieser Forderung an. Der Inhaber eines Feinkostladens mitten in Bad Neuenahr würde sich nicht nur über mehr, sondern auch rechtssichere verkaufsoffene Sonntag freuen. Denn der Zwang, einen Sonntag mit offenen Geschäften an ein Fest zu koppeln, bringt Probleme mit sich. „Derzeit muss ja immer ein Grund, also ein Fest vorliegen, um den offenen Sonntag genehmigt zu bekommen. Da führt bekanntermaßen zu vielen Rechtsstreitigkeiten und kurzfristigen Absagen von Veranstaltungen. Dies ist derzeit das größte Problem“, erklärt Danko die Lage und nennt ein anderes Beispiel. „Bei Adventsmärkten wird auch gehandelt, Geschäfte dürfen aber nicht öffnen.“ Von der Landesregierung hätte sich Danko aber mehr gewünscht. „Schnelle und flexible Regelungen, die auch schon von Corona immer wieder eingefordert, allerdings von der Landesregierung nie umgesetzt wurden, wären jetzt hilfreich.“ Etwas anders stellt sich die Lage in Koblenz dar. „Unseres Kenntnisstandes nach sind die Händler nicht für eine Erhöhung der Anzahl an verkaufsoffenen Sonntagen“, erklärt Frederik Wenz, Geschäftsführer des Koblenzer Stadtmarketings. „Die Händlerschaft ist mit den zur Verfügung stehenden vier Sonntagen zufrieden, diese müssen jedoch rechtssicher durchführbar sein“, so Wenz. Viele der Händler und Veranstalter investierten in großem Maße in die verkaufsoffenen Sonntage, um dann doch von ver.di kritisiert zu werden. „So wird mehr Schaden angerichtet, als es nützt“, fügt er hinzu. Wie erwähnt ist die Situation in Nordrhein-Westfalen ein wenig anders. Mit acht verkaufsoffenen Sonntagen pro Jahr bieten sich für die Einzelhändler bessere Möglichkeiten. So sieht es auch Oliver Wolf vom Gewerbeverein Rheinbach. Wolf bezweifelt, ob eine Diskussion zu dem Thema überhaupt angebracht sei. „Wir können zur Zeit froh sein, überhaupt unter der Woche öffnen zu dürfen“, sagt er. Außerdem würden durch zusätzliche verkaufsoffene Sonntage auch höhere Kosten für Personal und Werbung entstehen. Eine Umsetzung dieser Idee sei durch die starre Haltung der Gewerkschaften ohnehin aussichtslos.

-ROB-

Leere Innenstadt in Remagen: In der Stadt am Rhein wünscht man sich häufigere verkaufsoffene Sonntag. Foto: ROB

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag 2025
Dauerauftrag Imageanzeige
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Doppelseite PR/Anzeigen
Schulze Klima -Image
Stellenanzeige
Empfohlene Artikel
Gartenmarkt in Neuwied am 11. und 12. April.  Foto: Nadine Schöneberg
42

Neuwied. Wenn die Neuwieder Innenstadt mit dem Gartenmarkt wieder zig Tausende Besucher anlockt, ist die GSG Neuwied samt eigenem Pavillon auf dem Luisenplatz mit dabei. Zum 100-jährigen Bestehen der Gemeindlichen Siedlungs-Gesellschaft gibt es hier am Samstag. 11. April, von 10 bis 18 Uhr, sowie am Sonntag, 12. April, von 11 bis 18 Uhr, Informationen rund um das Thema Wohnen sowie einen Blick in die Geschichte der GSG mit historischen Fotos aus den Archiven des Unternehmens.

Weiterlesen

Im Mittelpunkt stehen die beiden Künstler Ute Möller und Stephan Maria Glöckner aus dem Marienthaler Atelier.  Foto: privat
35

Dernau. Am 09. April 2026 laden wir Sie ganz herzlich in unsere Vinothek Dernau ein. Unter dem Motto „Dagernova & Kunst“ erwartet Sie ein besonderer Abend, an dem Wein, Kunst und persönliche Begegnungen auf genussvolle Weise zusammenfinden.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2291

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
134

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag
Rund ums Haus
Kreishandwerkerschaft
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Koblenz blüht
Anlagenmechaniker
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Angebotsanzeige (April)
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Osteraktion
Unterstützeranzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Stellenanzeige