Allgemeine Berichte | 29.05.2020, 10:30 Uhr

Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz

Anhaltende Trockenheit und ihr Einfluss auf die Landwirtschaft

„Die Situation ist schwierig, aber noch nicht dramatisch“

Deutliche Trockenrisse im Boden einer Vermehrungsanlage für Raps zeugen von einer langen Phase ohne Regen. Regelmäßige Niederschläge über einen längeren Zeitraum stehen jetzt ganz oben auf der Wunschliste der Landwirte.
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Bad Kreuznach. Nach einem extrem trockenen April sorgte wenigstens der Mai für einige Niederschläge. Doch die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Dürreperiode ist weiterhin hoch, sagen Meteorologen voraus. In der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz beurteilt man die Lage im Moment unterschiedlich, erklärt deren Präsident, Ökonomierat Norbert Schindler: „Nicht nur die anhaltende Trockenheit sorgt für Probleme. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind ebenso deutlich spürbar.“ Insgesamt sei die Situation zwar schwierig, aber noch nicht dramatisch. Ein Blick in die einzelnen landwirtschaftlichen Bereiche gibt Aufschluss über die Lage.

„Die Preise für Getreide haben etwas angezogen. Europaweit sind die Aufwuchsbedingungen eher schlecht, aber die Wetterlage kann sich rasch ändern“, erklärt Harald Kopp vom Fachreferat Betriebswirtschaft und Markt. „Ein bisschen Regen reicht da manchmal schon, und die Preise gehen leider wieder runter.“ Mit Spitzenernten werde man nicht mehr rechnen können, aber noch drohe kein Ernteausfall. „Noch ist die Situation nicht dramatisch.“

Anders sieht die Lage etwa bei den Milchviehhaltern aus, die sich um das Futter für ihre Tiere sorgen. „Der erste Schnitt steht an, manche haben den ersten Schnitt auch schon eingefahren. Bleibt das trockene Wetter, wird das Grundfutter knapp und die Heupreise werden steigen“, prognostiziert Kopp. Das habe auch Auswirkungen auf den Mischfuttermarkt. „Landwirte müssten bei weiterer Trockenheit viel Futter zukaufen, das wird manche Betriebe vor erhebliche Probleme stellen.“ Der Markt für Milch und Fleisch steht unter Druck, allerdings bedingt durch die Corona-Pandemie. „Die Auswirkungen durch die Corona-Krise sind aktuell viel einschneidender als die Trockenheit“, gibt Harald Kopp zu bedenken. Die ausbleibende Nachfrage aus der Gastronomie und ausgefallene Veranstaltungen im Frühjahr sowie im weiteren Jahresverlauf haben erhebliche negative Effekte. Winzer und Bierbrauer sind davon natürlich auch betroffen. „Wenn jetzt die Viehhalter aufgrund anhaltender Trockenheit und fehlenden Futters die Bestände verkleinern, kommt mehr Fleisch auf einen geschwächten Markt.“

Steigende Getreidepreise haben eine weitere Ursache: „Wir Deutsche haben während der ersten Phase der Corona-Krise Mehl und andere Getreideprodukte gehamstert. Das hat die Preise nach oben getrieben“, erläutert Harald Kopp.

Beim Raps zeichnen sich erste Probleme ab, weiß Volker Berg vom Referat Pflanzenbau der Kammer. „Teilweise warf der Raps die Blüten ab, auch Schoten wurden abgeworfen“, so Berg. Allerdings fällt das Bild sehr heterogen aus. Man sehe derzeit normal entwickelte Anlagen bis hin zum Feld, auf dem der Landwirt den schlecht entwickelten Raps unterpflügt.

Im Gemüsebau, bei Baumschulen und bei den Zierpflanzen gehören Bewässerungsanlagen zum Standard. Ohne Bewässerungsanlagen ist in unseren Breiten kein Gemüseanbau möglich. Daher habe die Trockenheit zunächst auch nur Auswirkungen auf den Preis der Produkte, sagt Welmar Rietmann, Referatsleiter Gartenbau. „Beim Obst sieht das anders aus. Die Bäume kommen mit anhaltender Trockenheit anfangs noch gut klar. Beim Apfelbaum kann Stress durch Trockenheit aber zum Junifruchtfall führen.“ Das bedeutet: Es gibt wenige und kleine Früchte mit wenig Kernen. Das Hauptziel des Baums, die Vermehrung, ist beeinträchtigt – die Äpfel fallen ab. Bäume seien mit ihren Wurzeln besser gegen Trockenheit gerüstet, als andere Pflanzen. „Aber auch da ist die Trockenheit irgendwann ein Problem.“

Im Weinbau trifft die Trockenheit zu dieser Jahreszeit hauptsächlich frisch gepflanzte Reben. Hier führt fehlende Bodenfeuchte bei der Pflanzung zum fehlenden „Bodenschluss“ der Wurzeln: „In dem Fall kann der notwendige direkte Kontakt von Wurzel und Boden, je nach Bodenart, nicht zustande kommen. Die Wurzeln können vertrocknen und keine Nährstoffe und Wasser aufnehmen“, erläutert Dr. Markus Heil, Abteilungsleiter Weinbau. Die Winzer helfen sich mit Angießen meist direkt nach der Pflanzung, dazu werden pro Rebe allerdings mehrere Liter Wasser gebraucht, weiß Dr. Heil. Sobald die jungen Reben ausgetrieben sind, müsse bei andauernder Trockenheit weiter Wasser zugeführt werden, weil das Wurzelwerk der Jungreben nicht tiefer als 25 bis 30 Zentimeter in den Boden reicht. Bei älteren Anlagen gebe es in dieser Jahreszeit noch keinen Trockenstress, weil „der Wasserbedarf noch relativ gering ist und vor allem die Wurzeln teilweise mehrere Meter tief reichen. Anlagen, die bereits mehrere Trockenjahre hinter sich haben, sind erfahrungsgemäß entsprechend gerüstet“, so der Abteilungsleiter Weinbau.

Pressemitteilung

Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz

Deutliche Trockenrisse im Boden einer Vermehrungsanlage für Raps zeugen von einer langen Phase ohne Regen. Regelmäßige Niederschläge über einen längeren Zeitraum stehen jetzt ganz oben auf der Wunschliste der Landwirte.

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