Naturschutzbund meldet sich nach Shitstorm in Social Media zu Wort
Arbeit in Flutgebieten: NABU will Öffentlichkeit aufklären
Problem von Müll in den Auenlandschaften
Region. Ein Shitstorm in den sozialen Medien hat den Naturschutzbund (NABU) aufgrund der aus seiner Sicht teilweise unrichtigen Berichterstattung veranlasst, eine Richtigstellung über die Arbeit der NABU-Gruppen in den Flutgebieten zu veröffentlichen.
„Die Behauptungen in den Social-Media und selbst im Generalanzeiger bzgl. der Umweltverbände sind einfach unfassbar. Viele NABU-Gruppen (z.B. Bonn, Ahrweiler, Koblenz) haben in den ersten Wochen unendlich viele Stunden damit verbracht, verschlammte Keller zu räumen, noch nutzbares Hab- und Gut vom Schlamm zu reinigen, die betroffenen 302 Mitglieder von Beiträgen freizustellen, bei der Essensversorgung und bei der Organisation von Großgeräten geholfen. Seit gut zweieinhalb Wochen versucht der NABU-Kreisverband Ahrweiler die zwischenzeitlich gesammelten Gefahrgutdepots im Naturschutzgebiet „Langfigtal“, durch Feuerwehr oder AWB entsorgen zu lassen. Insbesondere nachdem dort größere Baggereinsätze mitten im Tal festgestellt wurden, haben wir die SGD-Nord informiert, damit eben diese Gefahrstoffe nicht einfach im Naturschutzgebiet ausversehen untergebaggert werden. Dort ist ebenso eine Müllsammelaktion geplant wie in Lohrsdorf. Bevor wir jedoch eine derartige Aktion starten, muss das Gefahrgut, wie alte Kriegsmunition, volle Ölkanister, Gastank, Gasflaschen, Farb- und Lackspraydosen usw. aus dem Tal entfernt werden um die dort aufgrund der schweren Erreichbarkeit, sowieso schon erhöhten Gefahren für Helfer zu minimieren.
Nie haben wir gefordert, die Fauna-Flora-Habitat-Gebiete so zu belassen, wie sie sind. Allerdings legen wir größten Wert darauf, dass unsere helfenden Mitglieder bei ihren Arbeitseinsätzen keinen zusätzlichen Gefahren ausgesetzt werden. Scheinbar ist aber unsere Hilfe bei den Behörden gar nicht so sehr willkommen, denn mit dem Abtransport dieser Depots, deren Standorte alle durchgegeben wurden, tut man sich extrem schwer. Anstatt uns Müllsäcke und Handschuhe anzubieten, sollte man lieber unsere gesammelten Gefahrgutdepots auflösen, damit man mit mehr Manpower weitermachen kann. Die Massen an Unrat die dort im Tal liegen sind mit Müllsäcken alleine eh nicht händelbar. Eine Aktion dort würde voraussichtlich nach vorsichtiger Schätzung mindestens 2-3 Wochen dauern, wenn wir die Hilfe des Krisenstabs oder der AWB bekämen, die wir bräuchten.
Der Einsatz von schwerem Gerät sollte dort minimiert werden, um eine nachhaltige Bodenverdichtung der Auenböden zu verhindern. Nach dem Gefahrgutabtransport könnten mehrere Flachcontainer durch die AWB aufgestellt werden, unter Verwendung der angebotenen Spezialmüllsäcke lässt sich dann auch eine Mülltrennung von Plastik, Metall, Styropor und Hausmüll erreichen.
Da das Tal nur kletternder Weise über eine Felsnase erreichbar ist, und wir nicht über entsprechende Fahrzeuge verfügen, um wie die Bagger einfach quer durch die Ahr zu fahren, können wir dort nur manuell vor Ort tätig werden, den An- und Abtransport muss der Krisenstab organisieren. Dies schein allerdings schon beim Gefahrgut nicht zu klappen.
Warum hier beständig gegen die Umweltverbände gearbeitet wird, anstatt die gebotenen Hilfen anzunehmen und warum ursprünglich die Umweltverbände selbst aus der Zukunftskonferenz zum Wiederaufbau des Ahrtals herausgehalten werden sollten, ist für viele nur schwer zu verstehen. Die Einladungen der Umweltverbände (NABU und BUND) zur Zukunftskonferenz sind nur der Fürsprache des Präsidenten der Oberen Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD-Nord) Herrn Treis zu verdanken. Das die Kommunalpolitiker die Umweltverbände gerne heraushalten würden aus den Wiederaufbau ist nur allzugut nachzuvollziehen, hat der NABU doch in der Vergangenheit deutlich in seinen Stellungnahmen die Bebauung der Auen auf Grund der Hochwassergefahren abgelehnt.“
Pressemitteilung NABU
Gefahrgutdepot am alten Schwimmbad. Foto: Rea Brinkhoff Foto: ANDREA BRINKHOFF
Kriegsmunition im Langfigtal. Foto: Rea Brinkhoff Foto: ANDREA BRINKHOFF
Gefahrgutdepot Fußgängerbrücke. Foto: Rea Brinkhoff
Eine eingebaggerte Tonne. Foto: Rea Brinkhoff
Sicht von der Ahr auf die Baggertrasse nahe der neuen kaputten Brücke. Foto: Rea Brinkhoff Foto: ANDREA BRINKHOFF