Der Bad Neuenahrer Ortsvorsteher Richard Lindner blickt mit Optimismus in die Zukunft – und hat dabei klare Vorstellungen
Aufbauen nach der Flut: „Bad Neuenahr wird schöner und besser als je zuvor“
Bad Neuenahr. Überall an der Ahr wird nach der Flutnacht aufgeräumt. Und manche Orte sind bei der Beseitigung der Schäden der Flutnacht schneller als andere, zumindest augenscheinlich. Während sich in einigen Ahrdörfern die Situation zunehmend verbessert, wirkt das Stadtbild Bad Neuenahrs so, als wäre mancher Straßenzug vergessen worden. Auf die Frage, ob die Kurstadt beim Aufräumen hinterher hinke, hat Ortsvorsteher Richard Lindner eine klare Antwort: „Ja, das ist schon so“, sagt er. Und Lindner liefert auch den Grund. Denn die Bevölkerungsstruktur in der Kurstadt ist eine andere, als es zum Beispiel im benachbarten Ahrweiler der Fall ist. Die Nachbarschaften sind anonymer und viele Zugezogene prägen das Stadtbild. Auch die Eigentumsverhältnisse in Bezug auf den Wohnraum sind andere. Oft sind Bad Neuenahrer Häuser im Besitz von Eigentümergemeinschaften mit vielen Parteien. „Bis dort die ganzen Versicherungsthemen geklärt sind, sind zwei Wochen vorbei, während Besitzer von Einfamilienhäuser schon am Tag Null zur Schippe greifen konnten,“ weiß Lindner. Außerdem sei die Bevölkerung in Bad Neuenahr durchweg älter als im Kreisdurchschnitt. Jüngere Menschen seien technikaffiner und können „sich schnell per Facebook Hilfsangeboten wie dem Helfer-Shuttle bedienen.“ Die Möglichkeit fehle in Bad Neuenahr manchmal – nicht immer, versteht sich. Denn für die privaten Helfer, Landwirte und Lohnunternehmer die mit Bagger und Schaufel anpackten, „was das Zeug hält“ sei Lindner unfassbar dankbar. „Das war sensationell, was da passiert ist“, sagt der Ortsvorsteher. „Die Solidarität war unglaublich und ist es immer noch.“ Große Hilfe kam auch von Feuerwehr, Bundeswehr und THW. Generell tat jeder, was er kann, findet Lindner.
Kurs steht auf Wiederaufbau
Dennoch ist es für Richard Lindner, der gleichzeitig Löschzugführer der Bad Neuenahrer Feuerwehr ist, wichtig, dass der Kurs nun auf Wiederaufbau steht. „Die Infrastruktur ist besonders entscheidend,“ so Lindner, der in Bad Neuenahr aufgewachsen ist. Die Fortschritte sind sichtbar: Es gibt neue Brücken, die Querung der Ahr ist wieder problemlos möglich geworden und das an mehreren Stellen. Gerade erst hat das THW eine neue Fußgängerbrücke in Höhe des Kurparks eröffnet. Dass die Menschen von einem Flussufer zum anderen wechseln können, war lange Zeit nicht ohne weiteres möglich. Dies sei auch ein Grund, warum es in Straßen südlich der Ahr teilweise noch „recht übel aussieht“, wie Lindner sagt. Ein Beispiel ist die Mittelstraße oder die Felix-Rütten-Straße. Vor den Resten der Ahrthermen wächst derzeit noch ein Wohnmobil zu, dass seit der Flutnacht dort wie vergessen und völlig zerstört auf der Wiese liegt. In Höhe der stark beschädigten Spielbank stehen immer halb eingefallene Häuser, die auf die Abrissbirne warten. Mit großem Wehmut blickt Lindner auf die Zerstörung von Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. „Die Schulen sind unfassbar beschädigt“, sagt er. Auch die Spielplätze sind vielerorts unbenutzbar. Das tut Lindner – selbst Vater und Opa – persönlich weh. Hier werde noch einige Arbeit auf die Stadt zukommen. Aber die Renovierung böte auch unfassbare Chancen. Man habe die Möglichkeit, schnell, gut und nachhaltig wieder aufzubauen. Und das ohne die Bürokratie, die sonst die Entscheidung der politischen Gremien bestimmt. „Ich bin mir sicher: Bad Neuenahr wird schöner und besser als jemals zuvor“, lautet der Wunsch Lindners. Eine bessere Infrastruktur, sinnvolle Angebote für die Bevölkerung und ein frisches Stadtbild seien nun in greifbarer Nähe.
Angesichts der unbeseitigten Zerstörung mag ein positiver Blick in die Zukunft nicht jedem Betrachter leicht fallen. Doch der Bad Neuenahrer hat klare Vorstellung. Auch wenn es um die Heizperiode geht. „Ich bin mir sicher, dass wir in Bad Neuenahr bis Ende November wieder Gas haben“, sagt Lindner. Die EVM arbeite mit Hochdruck und Heimersheim ist wieder am Netz – ein gutes Zeichen, wie Lindner findet. Und für jene Menschen, die im Winter Probleme bekommen, hat die Stadt mit Plan zum Aufstellen von Tiny Houses, einen wichtigen Schritt geleistet. Das Fazit steht für Lindner fest: Aller Unkenrufe zum Trotz, dass man in Bad Neuenahr hinterherhinke, geht es in der Kurstadt voran und das sehe man auch. Auch, wenn man manche Ecken eher desolat aussehen.
Wintercamps als Treffpunkt
Wichtig sei es nun, die Menschen zu beschäftigen und Treffpunkte zu schaffen. Bald sollen „Wintercamps“ an mehreren Stellen der Stadt eingerichtet dort. Hier können sich die Bad Neuenahr treffen, unterhalten und etwas zu Essen und Trinken gibt es auch. Und vor allem: Warm soll es sein. Abgerundet soll das Erlebnis von einem Kulturprogramm. Egal ob Musik, Gesang oder ein Vortrag: Hauptsache ist, dass den Menschen Abwechslung geboten werde. Denn es gelte, trotz der Zerstörung, den Bad Neuenahrern eine lebenswerte Heimat zu bieten. Abwanderung möchte Lindner verhindern. Die stelle sich übrigens nicht allzu dramatisch dar. In den Medien sprach der Bad Neuenahrer Bürgermeister Guido Orthen von bis zu 10.000 Einwohner von Bad Neuenahr-Ahrweiler, die potentiell abwandern könnten. „Das ist eine Einstellung, die ich absolut nicht teile,“ so der Ortsvorsteher. Ummeldungen gäbe es sicherlich, „aber bisher 1000 Stück“, schiebt er hinterher. Wie man auf die Zahl von 10.000 komme, wüsste er nicht. Realistisch sei die nämlich nicht, sagt Lindner. „Der absolut überwiegende Teil der Menschen hier möchte anpacken, weitermachen und hierbleiben,“ sagt er. ROB
Nicht abgeholt: Das Wohnmobil liegt seit der Flutnacht vor den Ahrthermen.
Aufbruchsstimmung: Am Platz der Linde wird derzeit viel gebaut.
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