Allgemeine Berichte | 23.08.2019, 08:34 Uhr

Zwischen Berufsvorstellungen der Bewerber und Berufsalltag klafft eine Lücke:

DIHK-Ausbildungsumfrage

IHK-Kampagne „Durchstarter“ klärt auf

Sarah Pfeil, Alexa Träger (Ausbildungsleitung Mainzer Netze GmbH), Philipp Berg (Azubi), Sera Filimci (Azubi), Michael Böffel (IHK Pfalz), Alina Dietze (Azubi). Fotos: IHK Koblenz
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Mainz. Ausbleibende Bewerbungen, vorzeitig aufgelöste Ausbildungsverträge, Bewerber mit unrealistischen Berufsvorstellungen – die Herausforderungen für die Ausbildungsunternehmen im Land sind vielfältig. Die Stimmung und Lage der deutschen Ausbildungsbetriebe fängt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jährlich mit einer Ausbildungsumfrage ein. Die Ergebnisse der rheinland-pfälzischen Betriebe hat die Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern (IHKs) des Landes am Dienstag in den Stadtwerken Mainz vorgestellt.

Auf die Frage, wie sich die Rahmenbedingungen für die Ausbildung verbessern ließen, nannten die Unternehmen mehrere Faktoren: eine engere und bessere Zusammenarbeit mit der Berufsschule etwa, aber auch kürzere Entfernungen zwischen Betrieb und Schule. An erster Stelle aber steht ein anderer Punkt: „Die Hälfte der Befragten gibt an, dass zwischen den Berufsvorstellungen der Bewerber und der Realität in der Ausbildung eine Lücke klafft. Da sind wir alle gefordert, noch besser zu vermitteln, was die angehenden Fachkräfte in ihrer Ausbildung erwartet. Denn eine bewusstere Berufswahl vermeidet diese Kollision von Wunsch und Wirklichkeit nach Ausbildungsbeginn“, erläutert Michael Böffel, Sprecher Ausbildung der IHK-Arbeitsgemeinschaft.

Hier setzt die Kampagne „Durchstarter“ der rheinland-pfälzischen IHKs und der IHK Mittleres Ruhrgebiet an. Auf der Internetseite www.durchstarter.de sowie auf Facebook, Instagram und Youtube berichten 38 Auszubildende aus rheinland-pfälzischen und Bochumer Ausbildungsbetrieben über ihre Ausbildung. „Ich möchte anderen Jugendlichen das geben, wonach ich in meiner eigenen Orientierungsphase gesucht habe - individuelle Einblicke in einen Beruf“, erklärt Alina Dietze, Auszubildende zur Chemielaborantin bei Zschimmer und Schwarz und Durchstarter-Bloggerin ihre Motivation. Durchstarter-Referentin Sarah Pfeil ergänzt: „Gleichzeitig können Ausbildungsbetriebe die Kampagne für ihr eigenes Ausbildungsmarketing nutzen, es lohnt sich also für beide Seiten.“ Die Ausbildungskampagne existiert seit drei Jahren und wurde in diesem Jahr neu strukturiert und optisch verjüngt.

Es wird viel getan, um neue Azubis zu gewinnen

Wie die Umfrage ebenfalls zeigt, betreiben die rheinland-pfälzischen Ausbildungsbetriebe viel Aufwand, um neue Azubis für sich zu gewinnen: Mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen bietet eigene Nachhilfe an, um auch lernschwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben. Bemühungen, die von Weitsicht zeugen, denn: Ist der Fachkräftemangel aktuell erst für 58 Prozent ein Problem, so sehen sich schon in drei Jahren drei Viertel der rheinland-pfälzischen Betriebe stark vom Fachkräftemangel betroffen. Besonders Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einer höheren Berufsbildung werden dann fehlen, wie der Fachkräftereport der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz aus dem Juni belegt. Daniel Gahr, Vorstandsvorsitzender der Mainzer Stadtwerke AG, führt aus: „Der Fachkräftemangel ist auch für uns spürbar, wobei die Bewerbungen auf offene Stellen ausreichend sind und diese besetzt werden können. In diesem Zusammenhang nimmt die eigene Ausbildung nach wie vor einen hohen Stellenwert ein und ist ein wichtiger Bestandteil der strategischen Personalplanung.“

Ein positives Urteil fällen die Betriebe im Hinblick auf die Digitalisierung: Mehr als zwei Drittel der Befragten sehen die betrieblichen Anforderungen an die Digitalisierung im Rahmen der Ausbildung erfüllt. In den Berufsschulen besteht nach Ansicht der Unternehmen aber Nachbesserungsbedarf: Drei Viertel wünschen sich eine stärkere Qualifizierung der Lehrkräfte, 58 Prozent fordern eine bessere Personalausstattung und 48 Prozent eine verbesserte IT-Infrastruktur, um die geforderten Kompetenzen adäquat vermitteln zu können. Unter den „Kompetenzen der Zukunft“ haben nach Ansicht der Befragten IT-Kompetenzen den höchsten Stellenwert (77 Prozent).

Eine Gesamtauswertung der DIHK-Ausbildungsumfrage ist auf www.ihk-rlp.de/ausbildungsumfrage abrufbar. Weitere Informationen zur Ausbildungskampagne: www.durchstarter.de.

Pressemitteilung IHK Koblenz

Andreas Kühl, Azubi.

Andreas Kühl, Azubi.

Sarah Pfeil, Alexa Träger (Ausbildungsleitung Mainzer Netze GmbH), Philipp Berg (Azubi), Sera Filimci (Azubi), Michael Böffel (IHK Pfalz), Alina Dietze (Azubi). Fotos: IHK Koblenz

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